Verabredet zum Streit

Wie man über "Deutschland spricht" einen Partner zum Reden findet

Kümmert sich Deutschland zu wenig um die Ostdeutschen? Nein, sagt die Schulleiterin aus Mittelsachsen. Ja, entgegnet der Verkehrsplaner aus Bonn. Nun, man hätte die Antworten eigentlich umgekehrt vermutet. Ihr erstes Treffen verspricht also spannend zu werden. In wenigen Tagen werden sich die beiden kennenlernen, wahrscheinlich per Video, weil das persönliche Treffen in diesen Tagen immer noch schwierig ist. Wenn sich die Mittelsächsin, Ende 50, und der Nordrhein-Westfale, Ende 30, das erste Mal sehen, wissen sie fast nichts voneinander. Nur so viel: In der Bewertung gesellschaftspolitischer Themen schwimmen sie nicht gerade auf einer Wellenlänge.

Wie sie zueinander gefunden haben? Über "Deutschland spricht" - eine Art Datingplattform für politischen Streit. Von "Zeit online" initiiert, beteiligen sich bundesweit inzwischen mehrere überregionale Medien daran, in diesem Jahr erstmals auch die "Freie Presse". Ziel ist, Menschen mit sehr unterschiedlichen Meinungen über Politik und Gesellschaft miteinander ins Gespräch zu bringen - in Zeiten, in denen die konstruktive Debatte droht verloren zu gehen, Argumente mitunter nicht mehr gehört werden (wollen). Über die Beantwortung von acht Ja-/Nein-Fragen werden die Interessenten zur Online-Anmeldung geführt. Seit dem Start für "Deutschland spricht" am Montag ließen sich bereits mehr als 3000Teilnehmer registrieren. Je unterschiedlicher sie die Fragen zum Beispiel zu Bundesnotbremse, Mietendeckel und Russland-Sanktionen, beantworten, umso besser passen sie zusammen. Über einen Algorithmus werden die Dialogpaare gebildet, in der ersten Runde wurden knapp 1000 Dates zum Streiten vermittelt. Sind die Teilnehmer einverstanden, hört ein Reporter mit, einmischen aber darf er sich nicht. So bleiben auch die mittelsächsische Lehrerin und der Bonner Verkehrsplaner unter sich. Sieben von acht Fragen hatten sie unterschiedlich beantwortet.

Wir wünschen schon mal schönes Streiten!

Sie wollen mitstreiten? Melden Sie sich an unter freiepresse.de/Deutschlandspricht

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