Wagenknecht zieht sich auch als Chefin der Linksfraktion zurück

Sie führt ihre Partei im Bundestag an und ist zugleich Gründerin der linken Sammlungsbewegung "Aufstehen". Diesen Rollenkonflikt konnte Sahra Wagenknecht auf Dauer nicht durchstehen. Jetzt kündigt sie den Rückzug von beiden Posten an.

Berlin.

Der Abgang kommt fast noch unerwarteter als einst der Anfang. Zu Beginn des Jahres 2018 hatte Sahra Wagenknecht die Öffentlichkeit und vor allem ihre Partei, die Linke, mit Überlegungen zur Gründung einer linken Sammlungsbewegung überrascht. Am vergangenen Wochenende nun informierte Wagenknecht via Interview über ihre Pläne, die Führung der Bewegung "Aufstehen" abzugeben. Und kurz darauf folgen am Montag Berichte, wonach Wagenknecht im Herbst auch nicht mehr erneut für den Linksfraktionsvorsitz im Bundestag kandidieren will. Wieder ist die Öffentlichkeit ziemlich überrascht.

Am Sonntag hatte die 49-Jährige in einem Schreiben an die rund 170.000 Anhänger von "Aufstehen" erklärt, es sei "der Zeitpunkt gekommen, an dem wir Berufspolitiker uns an der Spitze von 'Aufstehen' stärker zurücknehmen und denjenigen mehr Verantwortung übergeben sollten, die die Bewegung an der Basis ohnehin tragen". Unter anderem machte Wagenknecht gesundheitliche Gründe für ihren Rückzug geltend: "Ich muss in Zukunft mein Arbeitspensum etwas anpassen und eine neue Balance finden", sie sei zwei Monate krank gewesen.

Bereits auf dem Europa-Parteitag in Bonn vor wenigen Wochen hatte sie gefehlt. Auch am Montag erklärt sie ihren Abgang von der Fraktionsspitze nach vier Jahren im Amt mit persönlichen Grenzen, die sie in Zukunft nicht mehr überschreiten wolle. Stress und Überlastung hätten ihr zugesetzt, erklärte Wagenknecht der Fraktion. Ihr Mandat, so ist zu hören, wolle sie aber behalten.

Wagenknechts Arbeitspensum war nicht zuletzt deswegen so hoch, weil sie eine heikle politische Doppelrolle übernommen hat, als sie zusätzlich zum Fraktionsvorsitz die Sammlungsbewegung gründete. Gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem einstigen Linke-Gründer Oskar Lafontaine, und anderen Politikern etwa aus SPD und Grünen hatte sie "Aufstehen" ins Leben gerufen. Seither befindet sich Wagenknecht in einer kuriosen Zwitterfunktion.

Einerseits ist sie vorerst weiterhin führendes Mitglied der Linken. Andererseits hat sie sich über Monate zugleich als Spitze einer außerparlamentarischen Oppositionsbewegung gesehen, welche die Linkspartei offen für deren angeblich mangelnde politische Schlagkraft kritisiert. Durch dieses Doppelmanöver wurde Wagenknecht in den eigenen Reihen von vielen als Spalterin angesehen. Bei vielen Genossen verlor sie den Rückhalt, zuletzt auch stark in der Fraktion, wo sogar Putsch-Gerüchte gegen die Chefin die Runde machten.

Zwar ist Wagenknecht im Reformerflügel schon immer umstritten. Doch gemeinsam mit Ko-Fraktionschef Dietmar Bartsch bilden sie ein austariertes Gleichgewicht zwischen den Parteiflügeln. Die Kritik an Wagenknechts Führungsstil und ihren politischen Alleingängen, etwa in der Migrationspolitik, hat jüngst jedoch drastisch zugenommen. Die wachsende Ablehnung vieler Genossen ihr gegenüber dürfte Wagenknechts jüngste Entscheidung befördert haben, im Herbst nicht mehr erneut für das Spitzenamt in der Bundestagsfraktion zu kandidieren.

Unklar ist indes, was für Bartsch der Abgang seiner Ko-Vorsitzenden bedeutet. Gut möglich, dass ohne Wagenknecht auch seine Zukunft auf diesem Posten infrage steht. Es sei denn, es findet sich wieder eine Linksaußen-Frau, die das Spitzenamt übernehmen will.

Der parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion, Jan Korte, sagte am Montag, noch gebe es keine Kandidaten für Wagenknechts Nachfolge. Er werde sich aber dafür einsetzen, dass weiter alle große Strömungen der Partei vertreten seien. Wagenknecht werde auch wie geplant im Wahlkampf für die Linke auftreten, sagt Korte - "selbstverständlich mit dem Hinweis: soweit es ihre Gesundheit zulässt".

Zunächst werden in diesem Jahr das Europaparlament, dann die Landtage von Bremen, Sachsen, Thüringen und Brandenburg gewählt. "Ich hoffe, dass Sahra Wagenknecht der Linken als wichtiges Gesicht weiter zur Verfügung steht", sagte derweil Parteichef Bernd Riexinger. Das persönliche Verhältnis von ihm und seiner Mitvorsitzenden Katja Kipping zu Wagenknecht gilt als irreparabel zerrüttet.

Die Linke ohne Wagenknecht an der Spitze, das könnte derweil auch die politischen Optionen beeinflussen. Einem möglichen Bündnis mit SPD und Grünen stand die linke Frontfrau immer sehr zurückhaltend gegenüber. Mit ihrem Rückzug könnte es indes womöglich zu einer Annäherung kommen.

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18Kommentare
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    Zeitungss
    15.03.2019

    Ja ralf66, wenn es so wäre, hätten wir uns hier sehr viel Platz sparen können, war aber leider nicht der Fall.

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    0
    ralf66
    15.03.2019

    @Zeitungss, ich habe Ihren Beitrag auch auf Anhieb verstanden, so schwer ist das was Sie schreiben nun nicht zu verstehen, Nachhilfe von Ihnen brauche ich übrigens auch keine, wie heißt ein gutes Sprichwort: Der Klügere gibt nach.

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    3
    Zeitungss
    14.03.2019

    @ralf66: Geben Sie ganz einfach Richtlinien heraus, wie ein Kommentar von Ihnen verstanden werden kann. Zur Erinnerung, es gibt hier Leser, welche es auch Anhieb und ohne Nachhilfe verstanden haben, daran sollten Sie sich einmal orientieren. Mir ist auch vollkommen klar, dass meine Abneigung gegen die AfN hier jede Menge rote Daumen mobil macht, was eigentlich mit dem eigentlichen Thema NICHTS zu tun hatte. Beim nächsten Kommemtar sollten diese Überlegungen mit einfließen, der Gerechtigkeit halber, ist alledings nicht verpflichtend, wir haben noch immer Meinungsfreiheit.

  • 2
    2
    ralf66
    14.03.2019

    @Zeitungss, also Zeitungss mal ganz im Ernst, ich habe doch in meinem letzten Beitrag eindeutig das so geschrieben, dass Ihnen um die Arbeitsweise von Wagenknecht geht, dass steht doch bei mir auch so da! Aber wie Sie den Satz angefangen haben, dass ist eine völlig falsche Wortwahl und das bitte ich schon bemerken zu dürfen. Eine Richtung, ist bei mir ein Weg, eine Linie, die vertreten wird um bestimmte Ziele zu erreichen und da gibt es kein unwichtig, wenn jemand etwas erreichen will, dann nur mit einer klar bestimmten Richtung, mit einem Programm. Wenn Sie zum Beispiel geschrieben hätten: ''Es ist unwichtig zu welchen Themen Wagenknecht sich in ihrer Partei äußert, entweder zu sozialen, finanzielle oder wirtschaftlichen, sie vertritt bei allen Themen ihre Meinung und setzt diese mit allen Mitteln durch.............'' Das so oder ähnlich formuliert damit hätte ich kein Problem gehabt. Aber wahrscheinlich ist die Auffassung der Menschen, über gewisse Formulierungen unterschiedlich und deshalb kann es schon mal Missverständnisse geben.

  • 3
    3
    Zeitungss
    14.03.2019

    @ralf66: Es geht hier NICHT um ein Parteiprogramm. Es ging lediglich um die Arbeitsweise und Argumentation dieser Frau im Vergleich zu anderen Politgrößen, was Sie bis jetzt noch immer nicht mitbekommen haben und vermutlich auch nicht werden, wenn ich Ihre Zeilen lese. Deshalb auch meine Zeilen < Es ist sinnlos....>. Sie sind aber nicht allein mit Ihrer Auffassung, wie die Bewertung zeigt, oder ist es nur die Fangruppe der AfN ???

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    3
    ralf66
    13.03.2019

    @Zeitungss, nee leider nicht mal das, für mich ist es immer noch wichtig, wer was für eine Richtung vertritt, für Sie ist das unwichtig und das haben Sie so geschrieben und darum geht es mir, sie haben geschrieben: ''Es ist unwichtig, welche Richtung Frau Wagenknecht vertritt.....'' und da können Sie noch hundert mal schreiben, es ist sinnlos, anders gemeint, von mir falsch verstanden oder ähnliches, so steht es bei ihnen und so ist es. Selbst wenn man den ganzen Tag rammelt bis die Gesundheit streikt und das das Ihrer Meinung nach, eine seltene Politikereigenschaft ist, die da Frau Wagenknecht an den Tag legt, ist es doch wichtig, was für eine Richtung sie vertritt, ob das was sie vertritt, sinnvoll ist oder nicht, aber sie schreiben, Ihnen ist das nicht wichtig welche Richtung Frau Wagenknecht vertritt.

  • 2
    5
    Zeitungss
    13.03.2019

    @ralf 66: Es ist sinnlos, verstehen Sie wenigstens das ????????

  • 3
    4
    ralf66
    13.03.2019

    @Zeitungss, macht nichts, ist ja heute modern, gerne mal etwas zu schreiben und dann zu behaupten, es war anders gemeint und dem der es liest, in Schuhe zu schieben, er hätte alles nur falsch verstanden. Übrigens sind für mich die Reden, von Politiker der Linken schon lange eine Zumutung, diese SED-Nachfolgepartei, würde wenn Sie in Regierungsverantwortung kommen würde, aber was ganz anderes machen, wie Sie als Wolf im Schafspelz, den Leuten glaubhaft macht.

  • 4
    2
    saxon1965
    13.03.2019

    @ralf66: Ich habe >Zeitungss< halt so verstanden, dass abgesehen von Wagenknechts politischer Ausrichtung, sie halt eine der wenigen Politiker/innen ist, die geradlinig und kompromisslos ihrer Weltanschauung folgt. Leider gibt es in der Politik zu viele Opportunisten, die meisten meiner Meinung nach bei den Grünen.

  • 2
    4
    Zeitungss
    13.03.2019

    @ralf66: Sie haben meinen ersten Beitrag dazu noch IMMER NICHT verstanden. Sie lesen nur das heraus, was in IHR Konzept passt. Meinen zweiten Beitrag dazu hatte ich offensichtlich in chinesisch verfasst. Es gibt hier doch Leser, welche es gleich verstanden haben was damit gemeint war, Sie gehören nicht dazu.
    Noch eine Antwort zu Ihrem letzten Satz: Weil ich ganz einfach nicht möchte, dass diese Truppe in Sachsen auch noch Fuß fasst, was Sie natürlich nicht nachvollziehen können und auch nicht müssen. Höcke und Gauland am Rednerpult ist schon eine Zumutung, was uns (Sie ausgenommen) in Zukunft nach Möglichkeit erspart bleiben soll. Ich hoffe, ich habe mich nicht wieder verdrückt ausgekehrt.

  • 2
    4
    ralf66
    13.03.2019

    @saxon 1965, das Wagenknecht viel arbeitet, dass machen andere Politiker auch, ich habe schon verstanden, was Zeitunss. meinte, aber bei dem Beitrag von Zeitungsleser ging es nicht nur um das Thema, dass Frau Wagenknecht ein seltenes Arbeitswesen ist, er schrieb in seinem Beitrag auch von Inhalten und das kann man nun nicht abstreiten, wenn Zeitungss schreibt:'' Es ist unwichtig, welche Richtung Frau Wagenknecht vertritt, aber sie vertritt sie auch mit allen Mitteln, was in diesem Land leider Seltenheitswert hat." Wenn es Zeitungsleser unwichtig ist welche Richtung ein Politiker vertritt, dann möchte ich wissen warum er sich hier ständig an der AfD so aufreibt.

  • 7
    2
    saxon1965
    12.03.2019

    @ralf66: Es ging >Zeitungss< darum festzustellen, dass mehr solcher geradlinigen Politiker/innen wünschenswert wären.
    Wikipedia: "... Extremismus ... die sie den äußersten Rändern des politischen Spektrums ... zuordnen (lassen)." Das legt die jeweilige politische Macht fest, was dann als Extremistisch gilt. Würde ich als Ansichtssache bezeichnen.
    Jedenfalls bedeutet Extremismus nicht zwangsläufig Gewaltbereitschaft.
    Wenn nun der Verfassungsschutz die kommunistische Plattform überwacht, dann sollte man nicht meinen, dass diese Leute dann automatisch Kriminelle sind. Auch sollte man sich davor hüten, Absurdes, Extremes und Phantastisches immer gleich als Illegales oder Unvorstellbares abzutun. Man müsste sonst die ganzen Glaubensrichtungen und Kirchen dahingehend hinterfragen und neu bewerten.

  • 5
    3
    Interessierte
    12.03.2019

    Es wurde gefragt , ob Politik krank macht ...
    Politik sicherlich nicht , aber diese streitsüchtigen , rechthaberischen Menschen , die in der Politik mitmischen und immer Recht haben , die machen krank ...
    Ich würde das auch nicht mitmachen , auch wenn mir noch so viel an Gerechtigkeit liegt , und das scheint noch anderen so zu gehen - zur Zeit …
    Ich kann sie für diesen Schritt nur beglückwünschen und ihr alles Gute wünschen !!!

  • 5
    4
    Zeitungss
    12.03.2019

    @ralf66: Kurz zusammengefasst, der eigentliche Inhalt meiner Zeilen ging an Ihnen vollkommen vorbei und ich werde Ihnen auch nicht auf die Sprünge helfen. Soviel sei noch gesagt, um eine Parteirichtlinie und deren Ziele ging es hier nicht und um die AfN gleich gar nicht. Über meine politische Denkweise müssen Sie nicht nachdenken, über meinen Beitrag wäre es angebracht gewesen, was natürlich nicht verpflichtend ist. Im Gegensatz zu Ihnen bin ich farbneutral oder muss das auch erst übersetzt werden ???
    Die Argumentation dieser Frau wollen Sie doch nicht etwa mit Höcke oder Gauland gleichstellen, es trennt Welten.

  • 6
    3
    acals
    12.03.2019

    Es rumpelt aber ganz schön hier durch den Porzellanladen ...

    Uns Sahra ist wohl bekannt dafür die Frontfrau auch der kommunistischen Plattform zu sein, jedenfalls verteidigt diese Plattform noch in 11/2018 die herausragende Stellung von ihr (eigentlich ist diese Mitteilung ein Widmungsschreiben).

    https://kpf.die-linke.de/erklaerungen/news/die-zuege-anhalten/

    Man muss nur wissen, dass ebendiese Plattform vom Verfassungsschutz als "offen extremistisch" betrachtet wird, vgl. zB:

    https://www.verfassungsschutz.de/embed/vsbericht-2017.pdf

    Wenn jemand unsere Sahra also als Linkssaussen bezeichnet, dann entspricht dies der (extremen) Realität - ich würde meinen Sahra würde hierzu wohlwollend nicken.

    Aktuell hat Sahra aber wohl ganz andere Probleme - und da dürfen wir es mit sportlich mit FC Bayern München halten: Auf einen Gegner, der am Boden liegt, wird nicht noch eingetreten.

    Hat Herr Peduto auch nicht.

  • 6
    8
    ralf66
    12.03.2019

    @Zeitungss, Ihre politische Denkweise ist mir ein Rätsel, über die Ziele von Wagenknecht könne man sich streiten schreiben Sie, unwichtig ist auch, welche Richtung Wagenknecht vertritt, Hauptsache mit allen Mitteln. Wissen Sie was das zusammengefasst heißt: Egal was die Wagenknecht macht, ob etwas dabei herauskommt oder nicht, aber Hauptsache, dass mit allen Mitteln. Bei der AfD regen Sie sich ständig über die angebliche Konzeptlosigkeit dieser Partei auf, bei den Linken ist es Ihnen unwichtig, welche Konzepte die haben, was die vertreten, nur halt das mit allen Mitteln, na absolut!

  • 13
    3
    Zeitungss
    12.03.2019

    Über die Ziele dieser Dame kann man streiten. Ich wünschte vielen "Volksvertretern" nur ein paar Prozent vom Elan dieser Frau bei der Durchführung ihrer hochbezahlten Anwesenheit im Berliner Gemäuer. Unsere vogtländische Vertretung ist dagegen in die Rubrik Versorgungsfall einzuordnen, oder ging da etwas an mir und den anderen Bürgern vorbei ????
    Es ist unwichtig, welche Richtung Frau Wagenknecht vertritt, aber sie vertritt sie auch mit allen Mitteln, was in diesem Land leider Seltenheitswert hat. Für die Lobbyisten ist sie auch nicht gerade der "Arbeitnehmer" und an bisherigen Wahltagen ist sie auch nicht 18.01 Uhr in den Schlafmodus getreten, was dem interessierten Bürger aufgefallen sein dürfte...…...oder auch nicht.

  • 6
    8
    Freigeist14
    12.03.2019

    Herr Peduto , Ihre kaum verhohlene Abneigung sollte nicht zu sehr auffallen,wenn Sie Frau Wagenknecht als "Linksaußen-Frau " betiteln . Was sind dann Herr Seehofer oder Boris Palmer im entgegengesetzten Spektrum ?



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