Wann kommen Corona-Schnelltests für zu Hause - und was können sie?

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Während die Impfstrategie gegen Covid-19 weiter holpert, sind Selbsttests ein weiterer Schimmer der Hoffnung auf mehr Freiheiten. Doch auch da gibt es Tücken.

Berlin/Bonn.

Ein "guter und wichtiger Baustein" für die Strategie gegen die Covid-19-Pandemie könnten sie sein. Das sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mit Blick auf die sogenannten Wohnzimmertests, also jene Corona-Antigen-Schnelltests, die künftig auch für Privatleute verfügbar sein sollen. Allerdings verknüpfte Spahn sein am Freitag bei der Bundespressekonferenz gefälltes Urteil mit einer Voraussetzung. Zuvor müsse gewährleistet sein, dass die Tests "ausreichend gut" seien, damit sich niemand, der in Eigenregie ein negatives Corona-Testergebnis erziele, in falscher Sicherheit wiege und unnötige Gefährdung provoziere - etwa mit einem Besuch bei Verwandten aus der Risikogruppe.

Laut Bundesgesundheitsministerium müssten Selbsttests deshalb "so konzipiert sein, dass sie durch einen Laien angewendet werden können". Dazu gehörten Beipackzettel zur Anwendung, die den Nutzer auch informierten, wie mit negativen, positiven oder unklaren Ergebnissen umzugehen sei. Um Laientauglichkeit und ausreichende Trefferquote sicherzustellen, setze man auf Prüfung durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, statt sich - wie derzeit in anderen Ländern - allein auf Herstellerangaben zu verlassen, so Spahn.

 

Zwar seien noch keine Zulassungen erfolgt, teilte das Ministerium am Montag auf "Freie Presse"-Anfrage mit. Doch hatte das Bundesinstitut für Arzneimittel in der Vorwoche bestätigt, dass Anträge mehrerer Hersteller auf Zulassung von Laien-Coronatests vorliegen. Man behandele sie "mit höchster Priorität". Neben dem Funktionieren der Tests ist die Prüfung der Laientauglichkeit schon deshalb wichtig, da fachgerechte Anwendung jener Antigen-Tests, die seit November Besuche in Pflegeheimen ermöglichen, ohne geschultes Personal kaum umsetzbar ist. Vor November durften sogar nur Ärzte Tests vornehmen. Sich den Teststab ohne Einweisung durch Nase oder Mund bis in den Rachen zu schieben, wäre im Alleingang kaum zu bewerkstelligen. Daher sehen manche Laientests künftig eine Probenentnahme aus der Nase selbst vor.

Welchen Stellenwert die Laientests nach einer Zulassung konkret für die nationale Strategie in Deutschland haben sollen, dazu machte das Bundesgesundheitsministerium auf Anfrage der "Freien Presse" bisher keine Angaben. Zur Bundespressekonferenz hatte Minister Spahn dazu nur gesagt, das müsse in gemeinsamer Runde mit den Ländern besprochen werden.

Als Vorbild für die erweiterte Teststrategie dient derzeit Österreich. Im südlichen Nachbarland werden ab März in Apotheken Corona-Selbsttests für zu Hause gratis erhältlich sein. Bis zu fünf Stück pro Person sollen im Monat zur Verfügung stehen, berichtete die österreichische Nachrichtenagentur APA am Montag. Allerdings sind diese Selbsttests bislang allein für die Eigenkontrolle gedacht, da nicht kontrolliert werden könne, ob der Test korrekt durchgeführt wurde. Ein negatives Selbsttest-Ergebnis könne "nicht im Rahmen der Berufsgruppentestungen bzw. künftig auch nicht als Zutrittsnachweis anerkannt werden", heißt es aus dem österreichischen Gesundheitsministerium. Solche Zutrittstests sind etwa für den Besuch beim Friseur oder bei anderen Dienstleistern mit körpernahem Leistungsangebot nötig.

Dabei könnte eine forcierte und massiv ausgeweitete Selbsttest-Strategie eine regelrechte Alternative zu Lockdowns sein - zum aktuellen wie auch zu künftig drohenden, glaubt Informatikprofessor Alexander Markowetz aus Bonn. Mit einem Kollegen von der Universität Marburg hat er eine Art "Plan B" ersonnen. Konkret über eine Verbindung der Selbsttests mit einem System digitaler Datenerfassung. "Alles, was man dazu braucht, ist längst vorhanden", berichtet Markowetz der "Freien Presse". "Man testet sich selbst, wählt sich über einen QR-Code ins System ein und übermittelt sein Ergebnis. Bei einem negativen Test bekommt man ein grünes Zertifikat." Mit diesem könne man sich dann für ein Zeitfenster von 24 Stunden so frei bewegen, dass eine Verabredung zum Essen, Friseurbesuche oder Ähnliches möglich seien. Die meisten Alltagssituationen seien so abzusichern, glaubt Markowetz.

Auf Rückfrage schränkt er ein: "Natürlich gibt es attraktive Ereignisse, die vom Selbsttest auszunehmen wären." Er überlegt. "Wenn jemand Karten fürs EM-Endspiel Deutschland-Italien hat." Um sie zu nutzen statt verfallen zu lassen, sei der Anreiz für Betrug hoch. "Da könnte jemand darauf kommen, seine Frau zu bitten: Spuck mal auf den Test", grübelt der Professor. Statt eines Selbsttests müssten für solche Veranstaltungen wohl "offiziell administrierte Testverfahren" zum Einsatz kommen. Bei anderen Anlässen hält Markowetz die Betrugsgefahr für marginal. "Im Straßenverkehr setzt man ja grundsätzlich auch darauf, dass die 50 eingehalten werden, die auf dem Schild stehen."

Als Hürde für das digital vernetzte Selbsttestsystem sieht Markowetz demnach weniger die Betrugsanfälligkeit als vielmehr drohende Überwachung. "Starke Balance ist nötig, damit es nicht in Richtung Überwachungsstaat geht." Man müsse Daten durch Anonymisierung schützen, sagte er der "Freien Presse".


Corona-Infektion schützt meist vor Neuansteckung 

Österreichische Studie deutet auf längere Immunität hin 

Eine Corona-Infektion schützt einer Studie aus Österreich zufolge zumeist vor einer erneuten Ansteckung. Nach einem Abstand von ungefähr sieben Monaten zur Erstinfektion hätten Menschen mit einer bereits durchgemachten Sars-CoV-2-Infektion ein um 91 Prozent niedrigeres Risiko für eine Ansteckung aufgewiesen, berichten Forscher um Stefan Pilz von der Med-Uni Graz im "European Journal of Clinical Investigation". Die Ergebnisse seien aber noch mit Vorsicht zu interpretieren, hieß es am Montag von der Universität.

Über 400.000 Menschen in Österreich wurden bisher positiv auf Sars-CoV-2 getestet. Für die Studie wurden in der zweiten Infektionswelle von September bis November vorigen Jahres Menschen, die sich in der ersten Infektionswelle (Februar bis April) mit dem Virus infiziert hatten, mit der übrigen österreichischen Bevölkerung verglichen.

"Diese Daten zeigen eine sich aufbauende Immunität gegen Sars-CoV-2 in der österreichischen Bevölkerung, wobei wir aktuell noch nicht wissen, inwieweit diese Immunität auch auf diverse Sars-CoV-2-Virusmutationen umzulegen ist, beziehungsweise wie lange und in welcher Stärke dieser Re-Infektionsschutz über größere Zeiträume anhält", betonte Franz Allerberger von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit. Weitere Daten seien nötig. (dpa)


Scholz: Schnelles Impfen hilft der Wirtschaft 

Bundesfinanzminister Olaf Scholz sieht rasches Impfen als entscheidend für die wirtschaftliche Erholung Europas von der Coronakrise. Es sei keine Zeit zu verlieren, sagte der SPD-Politiker am Montag am Rande einer Sitzung der Eurogruppe. "Wenn genügend Impfstoff zur Verfügung steht, muss schnell und flächendeckend geimpft werden." Zweiter wichtiger Punkt zur Überwindung der Krise sei, die "historische Chance des Aufbaufonds" von 750 Milliarden Euro zu nutzen. "Das Geld soll nicht allein die Konjunktur ankurbeln, sondern einen echten Modernisierungsschub in unseren Ländern entfachen", so Scholz. Die wirtschaftliche Lage war Topthema der Online-Sitzung der Wirtschafts- und Finanzminister der 19Eurostaaten. Sorge macht ihnen die finanzielle Lage vieler Unternehmen. Es wird befürchtet, dass die Zahl der Firmenpleiten steigt. (dpa)


Israelische Städte ködern Impfmuffel mit Essen 

Über 200.000 Impfungen gegen das Coronavirus sind in Israel zu Spitzenzeiten pro Tag vorgenommen worden. Das Land gehört mit seiner Kampagne zu den weltweiten Vorreitern. Doch zuletzt nahm die Impfbereitschaft der Israelis deutlich ab. Zwei Städte wollen nun auf kulinarischem Weg Anreize für Impfmuffel schaffen.

In Tel Aviv sollen Gratis-Mahlzeiten Unentschlossene am Dienstag in mobile Impfstationen in den Stadtteilen Jaffa und Kirjat Schalom locken. Wer von den Einwohnern sich dort impfen lässt, der erhält dazu in Jaffa Hummus und Knafeh, in Kirjat Schalom Pizza und Kaffee. Beide Gegenden weisen hohe Infektionszahlen auf. Ähnlich geht Bnei Brak bei Tel Aviv vor, eine vor allem von strengreligiösen Juden bewohnte Stadt. Dort gibt es als Bonus eine Portion des klassischen Sabbatgerichts Tschulent. (dpa)

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22 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 7
    4
    Pixelghost
    16.02.2021

    Die Bild-Unterschrift besagt, dass der Junge den Abstrich im vorderen Nasenbereich macht. Der muss sich das Stäbchen also nicht bis ans Gehirn schieben.

    Das Problem ist die Sicherheit dieser Tests.
    Und wenn sie dann sicher sein sollten – so sicher, dass man sie auch wirklich verwenden kann und ein sicheres Ergebnis bekommt – steht die Frage, wann der vorgezeigte Test gemacht wurde. Vor ner halben Stunde oder der letzte vor drei Tagen. Und weil es lästig ist - oder zuviel Geld kostet zeigt man einen alten Test vor. Das, Kind ist aber infiziert und könnte das Virus übertragen.

    Rinzip Waffe geladen, nicht geladen...Eine Waffe ist so lange als geladen zu betrachten bis man sie kontrolliert und entladen hat. Sprich: jemand ist so lange als infiziert zu betrachten bis man ihn getestet hat und er negativ ist.

    Und wer bei der Armee war sollte dieses Prinzip doch kennen. So schwer war das doch damals gar nicht. Außer man war ein Horst und hat sich verzählt…

  • 11
    16
    620390
    16.02.2021

    Wie kann man solch ein Bild in die Zeitung setzen? Ich würde nie von einem Kind verlangen, mit einem Wattestab in der Nase zu bohren, nicht mal, wenn ein Erwachsener daneben sitzt.
    Wie viel damit falsch gemacht werden kann und ungenau sind, wissen wir doch. Man soll das Geld nutzen, um flächendeckend schnell an Impfungen zu gelangen, welche nötiger sind, um den Virus ein Garaus zu zeigen!