Wo kommt die Unzufriedenheit 30 Jahre nach dem Mauerfall her?

Mauerfall 89: Die Grenzöffnung vor 30 Jahren erschloss den DDR-Bürgern eine neue Welt. Aber wo ist das Gefühl von Handlungsmacht geblieben? Eine Betrachtung von Ronny Schilder

Wörter unterliegen der Abnutzung. Sie geraten durch ritualisierten Gebrauch außer Form. Das macht die Sachen, die sie bezeichnen, nicht schlechter, aber unkenntlich. "Freiheit" ist so ein Wort. "Wissen wir noch, was es bedeutet, für alles demonstrieren zu können?", fragte Anfang Oktober die bayerische Politikerin Barbara Stamm durchaus besorgt bei einer Feier zur deutschen Einheit in der "Freiheitshalle" Hof. Schüler aus Plauen und Hof präsentierten ein Projekt zur "Freiheit": Sie hatten diskutiert und Zitate über "Freiheit" auf Postkarten gedruckt.

Man sollte Schülern eines freien Landes sicher beibringen, was "Unfreiheit" bedeutet. Wenn "Freiheit" aber öffentlich all zu sehr beschworen wird, keimt der Gedanke auf, dass irgendetwas nicht stimmt. DDR-Bürger haben das gelernt. Mit den Norm-Argumenten der Sonntagsredner hält eine realistische Erhebung der Befindlichkeit der Menschen, ihre "Freiheit" betreffend, womöglich nicht Schritt.

Die früheren DDR-Bürger stehen seit 1990 im Verdacht, die "Freiheit" nicht verstanden und durch ihr Gemaule über dieses oder jenes entehrt zu haben. Wie weit das Unverständnis reicht, führte diese Woche Walter Momper vor, der Bürgermeister (West-)Berlins in der Zeit des Mauerfalls. In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte Momper Richtung Osten: "Ich weiß nicht, wie die sich die Freiheit vorgestellt haben, ob jeder hier nur das machen kann, was er für richtig hält." Für Ostdeutsche gebe es "keinen Grund zu jammern".

Klar hätte er die kritische Haltung vieler Ostbürger auch daraufhin untersuchen können, ob sie uns etwas Wichtiges über das Menschsein verrät. Das macht aber Mühe. Formelhafte Belehrung nicht. Der "Jammerossi" der 1990er-Jahre, eine im Westen erfundene rhetorische Figur - für Leute wie Momper ist sie quicklebendig. Wie der "Besserwessi" im Osten. Unverständnis auf der einen Seite, Undankbarkeit auf der anderen - und dazwischen eine Nachwendegeneration, die diese Debatten kaum nachvollziehen kann.

Vielleicht sollten wir das Schlagwort "Freiheit" für einige Zeit den Hasselhoffs oder Westernhagens ganz überlassen. Von Ost-West-Debatten ist die "Freiheit" nicht bedroht. Wie ignorant müssten DDR-Bürger sein, um zu ignorieren, welche Öffnung etwa der Mauerfall für sie bedeutet hat. Schon Tage vorher sprach Stefan Heym in einer klassisch gewordenen Rede auf dem Berliner Alexanderplatz über die Empfindung, es habe einer "die Fenster aufgestoßen nach all den Jahren der Stagnation, der geistigen, wirtschaftlichen, politischen, den Jahren von Dumpfheit und Mief, von Phrasengewäsch und bürokratischer Willkür, von amtlicher Blindheit und Taubheit". Heym pries hier den aufrechten Gang - mit Mauerfall und Reisefreiheit führte der Weg dann zu den Toren hinaus. Die Zeit der Diktatur einer Weltanschauung, die verbot, sich die Welt anzuschauen, war vorbei. Welch ein Privileg, das erlebt zu haben! Die Freude der Menschen konnte echter nicht sein.

Aber die "Freiheit" zu erlangen - aus einem Gefängnis entlassen zu werden - bedeutet noch nicht automatisch: Erleben von Handlungsmacht. Das ist die andere, die aktive Seite der Freiheit. Ihr Schwesterbegriff. Eine These: Woran es heute mangelt, das ist nicht "Freiheit", sondern das Gefühl von Handlungsmacht. Und das nicht nur im Osten.

Die Erfahrung, Dinge wirklich beeinflussen zu können, geht politisch durch immer komplexere Formen der Repräsentation verloren. Parlamente erscheinen entrückt, Entscheidungen sind häufig kaum mehr nachvollziehbar. Spiegelt eine fortgesetzte Große Koalition den Wählerwillen wider? Sind Reichtum, Macht und Einfluss tatsächlich nur ein Leistungslohn? Oder stellen sich da kritische Fragen über das Systemdesign? Stadt- und Gemeinderäte wägen zwar nächtelang öffentliche Belange ab. Ob die eigene Schule geöffnet bleibt oder der Bus fährt, entscheiden sie nicht.

Man kann alles rechtfertigen: die komplizierte Konsensfindung, die wachsenden Verwaltungseinheiten, die Europäische Union, den Föderalismus. Aber haben nicht vielleicht ein übersteigertes Effizienzdenken, ein allzu reduziertes Menschenbild dazu geführt, dass Demokratie zwar noch "verstanden", aber immer seltener als etwas Eigenes, Wertvolles erlebt, gefühlt, verteidigt wird?

Erklären und Belehren - die Mittel der Etablierten - helfen da wenig. Worte sind nicht alles. Der Mensch agiert mit der Welt nun einmal über die Schnittstelle seines eigenen Körpers, wie es der Philosoph Michael Crawford ausdrückt. Man konnte das sogar bei Pegida sehen, die von Teilnehmern als körperlich-direkte Erfahrung, als Wiedereinsetzung der eigenen Person in den öffentlichen Raum empfunden wurde.

Die Welt, an der die DDR-Bürger und ihre Kinder seit 1989 teilhaben, verändert sich rasant. Auf die Überwindung totalitärer Ideologien folgte ein Leerformel-Verständnis von "Wertfreiheit", das es schwer macht, in gesellschaftlichen Zusammenhängen über Gutes und Schlechtes, Wünschenswertes und Abzulehnendes zu sprechen. Alles geht. Dabei nennt Crawford eine "stabile und anspruchsvolle Vorstellung von einem guten Leben" als Voraussetzung für jede wirksame Kritik. Dass unsere Aufmerksamkeit beinahe schrankenlos von Bewusstseinsindustrien auf der Jagd nach Ertragschancen bearbeitet wird, macht es immer schwerer, sich selbst nicht als fremdbestimmt zu erleben.

Freude, so schrieb einst Friedrich Nietzsche, sei nichts anderes als das Gefühl von wachsender Macht. Die Freude an der Freiheit fühlt, wer sich als handlungsmächtig erlebt. Man sollte das als wichtigen Hinweis auf die Natur des Menschen lesen.

Zum Special: 30 Jahre nach dem Mauerfall

Bewertung des Artikels: Ø 4.8 Sterne bei 4 Bewertungen
28Kommentare
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  • 3
    0
    Hankman
    14.11.2019

    @KTreppil: Sie haben Recht. Im Potsdamer Abkommen hatten die Siegermächte Deutschland in Besatzungszonen eingeteilt - und aus diesen sollte die jeweilige Besatzungsmacht Reparationen für erlittene Kriegsschäden "entnehmen". Die sowjetische Besatzungszone - die spätere DDR - hatte die Reparationsleistungen an die Sowjetunion aufzubringen, die wiederum Polen etwas davon abgeben sollte. Über Jahre gab es Demontagen von Industrieanlagen und Infrastruktur - noch Jahrzehnte später konnte man Bahntrassen sehen, auf denen das einst vorhandene zweite Gleis demontiert worden war. In den westdeutschen Besatzungszonen gab es in den ersten Jahren nach dem Krieg auch Demontagen etwa von Industriebetrieben - sie wurden jedoch bald gebremst und endeten bereits 1950. Die Besatzungsmächte zogen auch Tausende Fachkräfte aus Deutschland ab.

  • 2
    0
    KTreppil
    14.11.2019

    Hier finden ja inzwischen bzw immernoch ziemlich kontroverse Diskussionen statt. Die Mauer steht also noch in vielen Köpfen.
    Vielleicht kann ich manche Meinung nicht nachvollziehen, weil sich für mich nach dem 9.Nov 89 im (Schul)Alltag fürs erste nur geändert hat, dass Stabü plötzlich weg fiel, nicht der Job.
    Noch eine Anmerkung. Insgesamt bin ich nicht so geschichtlich bewandert, was die Weltkriegsreparationen betrifft, jedoch glaube ich gehört zu haben, dass die DDR auch an die Sowjetunion einiges zu "reparieren" hätte. Aus den Erzählungen meiner Großeltern hörte ich heraus, dass die Nachkriegszeit auch in der DDR alles andere als leicht war. Muss das jetzt wirklich gegenseitig abgerechnet werden?

  • 2
    1
    Nixnuzz
    14.11.2019

    @Interessierte: Wenn ich ihr literarisches Engagement so sehe, fällt mir eine zwar nie gesehene aber Bruchstückhafte Gemeindeschwester auf der Schwalbe ein. Der Slogan: Privat vor Staat hat zu den jetzigen Lebensbedingungen geführt und die Struktur "VEB" dürfte vielleicht noch auf Bahn, Bundeswehr und Autobahn zutreffen. Ansonsten wäre das wohl eine Google-Abfrage wert, nach der Unternehmen mit mehr als 50% Staatsanteil aufzulisten wären. Die soziale V(ollv)ersorgung ist an die entsprechenden Unternehmungen abgetreten worden. Mit der Wende wurden auch im Westen Staats-Betriebe "out-ge-sourced" wobei manchmal leitendes Personal Starthilfe zur Übernahme von staatlicher Seite bekam. Schenker Deutschland AG, steht zwar DB dran, läuft aber nach privatwirtschaftlichen Strukturen durch damals Hrn. Müller.

  • 5
    2
    ChWtr
    14.11.2019

    Ein wichtiger Aspekt in der Betrachtung MUSS sein, dass man selbstbestimmt leben kann. Wer das verleugnet, leugnet noch vieles mehr. Ich weiß, auch hier kann man Einwände vorbringen und meckern. Man ist halt nie zufrieden und ein Freier Geist kann mich hier des Straftatbestandes (wegen Bezeichnung DDR = Unrechtsstaat) bezichtigen und hätten wir noch diese Deutsche Undemokratische Diktatur würde ich jetzt ganz fix von eben diesem weggeschlossen. Keine Träne also der DUD und Osgar schlussfolgert völlig richtig.

    Im Übrigen wird sehr oft vergessen, dass man was tun MUSS, um sich zu verwirklichen. Wer das will, macht das auch. Und wer es nicht kann und will, sollte mit der Solidargesellschaft nicht hadern. Wenn ein Unternehmer nichts unternimmt, geht es ganz schnell abwärts, aber ganz schnell. Da sehr oft noch die Mentalität vorherrscht, der Staat muss es richten - tut diese Denkweise richtig weh. Aber wie gesagt, Eulen nach Athen (...)

  • 2
    3
    Nixnuzz
    14.11.2019

    @Interessierte: Es waren die Kriegsschuldzahlungen für die Zerstörungen im 1. WW in den westlichen Staaten. Wenn Ihnen bei Ihren Westtouren immer nur die Dreck- und Schmuddelecken zu gesicht gekommen sind, frag ich mich aber, warum aus diesen Ecken nicht die Abwanderung nach Osten in das Land der blühenden Industrien stattgefunden hat. Nach dem 2.WW gab es divergierende Ansichten zum Umgang mit West-D. bis hin zur Wüstenvorstufe. Es kamen aber dann die Überlegungen zum Tragen, das man einem nackten Mann nix mehr wegnehmen kann aber ihm zum Überleben dann ständig entsprechendes Material aus den eigenen Vorratskammern bereitstellen muss. Was es dann noch alles an "Reparationsauflagen" oder Einschränkungen für uns Wessies noch gab (Montan-Union etc. sowie NATO als Waffenkontroll-System etc.) - OK - Geschichte. Schätze Sie sind da umfassender informiert. Zumindest hab ich als Mietwagenfahrer zuhause Weihnachten 1973 die bei uns stationierten britischen höheren Dienstgrade nach deren Beförderungsfeier von dem Kasernen-Casino nach Hause gefahren. Heute ist meine Heimatstadt von eigenem als auch befreundetem "Besatzungsmilitair" befreit und es blüht Handel und Wandel in den alten Bezirken und Restgebäuden - inklusive Casino für Otto-Normal-Bürger.

  • 7
    3
    osgar
    14.11.2019

    @Interessierte, ja mir gefällt es außerordentlich gut in diesem Deutschland. Ich hab einen Superjob, der auch im Osten sehr gut bezahlt wird. Ich kann reisen wohin ich will und was für mich das Wichtigste ist, ich muss mir nicht ständig von einem Parteisekretär sagen lassen, dass ich nur auf Kosten der Arbeiterklasse studiert habe. Nach Ihrem ständigen Wehklagen hier bin ich mir ziemlich sicher, dass Sie mir das bestimmt auch so gesagt hätten. Es muss Ihnen doch unheimlich auf den Geist gehen, wenn Sie jeden Morgen in diesem verhassten Deutschland aufwachen.
    Sie diffamieren hier doch Jeden, der in diesem Deutschland angekommen ist und nicht Ihrer Meinung ist.

  • 3
    4
    Interessierte
    14.11.2019

    Es ist schon schlimm gewesen , diese Euphorie , die sind in die Arbeitslosigkeit gerannt , denn 1 Jahr später war der größte Teil arbeitslos .....
    Und wann hatte der Kohl die Eier ´ran bekommen , im März ?

    Die Arbeitslosenquote kletterte von 10,3 Prozent im Jahre 1991 auf knapp 15 Prozent im Jahr 1992
    https://www.zeit.de/2010/39/Wiedervereinigung/seite-3

    >
    Die DDR ist wenigstens vom Anspruch her - ein Staat der ´Sekundärtugenden` gewesen.
    https://educalingo.com/de/dic-de/sekundartugend

    Das Leben des Einzelnen war eingebunden in eine Art kollektiver Sinnerfüllung.
    Fleißige Arbeit im Betrieb und ´gesellschaftliche Tätigkeit` im Wohnbezirk wurden geehrt und geachtet … ( heute nennt man das Ehrenamt …

    Was viele Menschen in der Gesellschaft vermissen, ist die Brüderlichkeit, zu der auch die Gerechtigkeit gehört …( das erfüllt der Westen wohl ?

  • 5
    7
    Blackadder
    14.11.2019

    @Interessierte: Die ewige Opferrolle.... das ist so ermüdend.

  • 3
    6
    Interessierte
    14.11.2019

    @osgar , Ihnen gefällt es wohl in dem ach so schönen Deutschland mit der errungenen Freiheit und der Demokratie , wo jeder mit jedem machen kann , was er will und jeden diffamieren kann ?
    Die Politiker und Unternehmer wehren sich gerade dagegen , haben es aber über 30 Jahre mit den Ostdeutchen selber so gemacht ...

  • 2
    1
    Interessierte
    14.11.2019

    @Nixxnutz , ich habe die Nachfahren der Altnazis kennen gelernt und war nicht nur in Superstädten , wo es mir gar nicht gefallen hat - gleich nach der Wende - und ich entsetzt war und die Dreckecken gesehen hatte und mich gefragt hatte , wo denn der gesamte Glanz ist , welcher uns nun wohl vorgegauckelt wurde ...
    Und was heißt denn WW ( Wirtschaftswunder ? ) oder meinen Sie den 1./2. WK
    Ich dachte , gehört zu haben , die Reparationszahlungen wurden dem Westen erlassen und dazu noch Geld gegeben , damit der wieder auf die Beine kommt ?

    Ich meinte aber den Umgang mit den Ostdeutschen und was sich die Westler alles so angemaßt haben - über 30 Jahre hinweg und diese sich nun heute wundern ....

  • 1
    0
    acals
    12.11.2019

    Find ich toll Herr Freigeist wie Sie antworten - " Idee eines wahren Sozialismus" ...

    in Mathe hatten wir am Ende immer wie folgt geschrieben, ich kann das hier auch angeben:

    w.z.b.w.

    Herzlichen Dank!

  • 4
    1
    Nixnuzz
    12.11.2019

    @Freigeist14: Ok! Danke! Weiterhin Alles Gute und: Die Gedanken und Tastaturen sind frei...

  • 4
    1
    Freigeist14
    12.11.2019

    Herr Nixnuzz@ ich arbeite im Beschäftigtenverhältnis - zum Glück ohne Brüche - in einer Druckerei ,die zum selben Konzern gehört wie die Freie Presse CVD .

  • 4
    3
    Nixnuzz
    12.11.2019

    @Freigeist14: "Nixnuzz@ mit Links sollte man hier vorsichtig sein." Hmm - jetzt hab ich ein Begriffs-Problem. Zum einen meine Zustimmung, das Links hier etwas problematisch ist. Andererseits fehlt in meinen grauen Zellen die bewußte Nennung im Kommentar. Vielleicht gehen Sie da nochmal auf @acals zu? Wollte selber nur wissen, wie ihre Brötchen-Verdienst-Bedingungen sind? Noch Arbeitnehmer oder sogar Arbeitgeber - oder Nutzniesser von anderer Leute Arbeit?

  • 6
    1
    Freigeist14
    12.11.2019

    acals@ vielleicht gehts Ihnen nun besser nach Ihren pastoralen Verriss . Das die DDR - Gesellschaft fast nichts mit der Idee eines wahren Sozialismus zu tun hat ,erkannte auch der letzte Ministerpräsident der DDR . Warum verweisen Sie nicht aufs Neue Testament ? Ich weiß : Jesus wäre heute ein Linker und Sozialist .

  • 2
    2
    Freigeist14
    12.11.2019

    Nixnuzz@ mit Links sollte man hier vorsichtig sein . Ohne mich jetzt zu erklären : Suchen Sie einmal nach dem Vorabdruck des Buches von Daniela Dahn "Der Schnee von gestern ist die Sintflut von heute " auf der seriösen Website "Rubikon " . Daniela Dahn ist eine vortreffliche Publizistin ,die u.a. die Demo vom 4.11. 1989 mitorganisierte .

  • 1
    7
    acals
    12.11.2019

    Da sehen Sie mal, Herr freigeist, was 40 Jahre Diktatur im Osten angerichtet haben - selbst fuehrende Blockfloeten haben keine klaren Bilder gesehen ...

    ... wie wohltuend da doch Willy Brandt, der spontan am 9.11. formulierte "Jetzt waechst zusammen was zusammen gehoert." Darauf hat der ostdeutsche Waehler gesetzt und gebaut , und so gewaehlt. Mehrheitlich und demokratisch, wie zuvor 40 Jahre nicht moeglich.

    Natuerlich haben Sie, Herr freigeist, ein Problem das Ihren Predigten keiner mehr zuhoeren will - auch nicht die Sachsen neulich, als die hiesige Linke den Sozialismus neu auflegen wollte. Sie wissen jetzt, wie sich die Propheten des alten Testamentes gefuehlt haben - lesen doch auch bei dieser Religion/diesen Persoenlichkeiten ein wenig nach, das hilft Ihnen bestimmt ueber diese fuer Sie schweren Tage hinweg.

  • 3
    4
    Nixnuzz
    12.11.2019

    @Freigeist14: "...10 Tage nach der Maueröffnung..." also noch 1989. Wieviel politische Wahlen mit sich ändernden Mehr- und Minderheiten wurden seit dem bestimmt? Ein mittlerweile größerer Teil der Bewohner der NBL's scheint "zufrieden" hiermit zu sein. Andere sollen sogar wirtschaftlich Fuß gefasst zu haben. Und wovon bezahlen Sie ihre Brötchen? Wer unterhält Sie mit seiner Hände Arbeit und dessen Sozialabgaben? Entschuldigen Sie bitte meine Vorurteile mangels besserer Kenntnis.

  • 9
    3
    Freigeist14
    11.11.2019

    Auch wenn heute so getan wird ,als sei das Ende der Reise die BRD - Gesellschaft ,sagte z. B. Lothar de Maiziére (CDU) 10 Tage nach der Maueröffnung zu "Bild am Sonntag" ,Zitat : "Ich halte Sozialismus für eine der schönsten Visionen menschlichen Denkens (...) Wenn Sie glauben ,das die Forderung nach Demokratie zugleich die Abschaffung des Sozialismus beinhaltet , dann müssen sie zur Kenntnis nehmen , daß wir unterschiedlicher Auffassung sind (...) Die Einheit sei nicht Thema der Stunde ....(...)

  • 7
    7
    Nixnuzz
    11.11.2019

    @osgar: Gut so! 1grüner. Sehr geehrte @Interessierte, ich schlage mal vor, sich eine Fahrradtour durch die alten Bundesländer zu gönnen. Nicht nur eine vorgeplante "Holyday-Tour" sondern von Jugendherberge zu Jugendherberge. Nehmen Sie sich die Zeit. Lernen Sie die Kinder und Enkel der Alt-Nazis und andere Nationalitäten in der freien Wildbahn meines täglich Lebens kennen. Schliessen Sie nicht immer von Lebenssituation in den Superstädten der NBL auf die Lebensweise in den ABL's. Stimmt: Wir hatten nach WW2-Ende Rückenwind zum Wiederaufbau. Ein kleinwenig geholfen hatten die Erfahrungen der Siegermächte auch aus den Friedensverträgen nach dem WW1. Zu wenig Luft zum Überleben erzeugte den Hass, der mit zum Gewinn der Nazis beitrug. Die eingezogenen Reparationen in Saarland und Ruhrgebiet waren nicht die gewünschten Ausgleichsleistungen, und wenn Geld Gewinn bringen soll, muss es sich bewegen. Und das ging nur durch Arbeit und Wirtschaft. Wieviel tatkräftige junge Männer als Besatzungssoldaten wurden gleichfalls der Industrie Frankreichs und Groß Britaniens vorenthalten? Und wie sollten die Schuldverschreibungen aus dem 1.WW unsererseits abbezahlt werden? Das waren gestundete Summen von privaten Großgeldhäusern, die wir Wessies erst Ende der 1970er Jahre erledigt hatten.

  • 5
    11
    osgar
    10.11.2019

    Ich finde es ausgesprochen schade, dass es kein Refugium gibt, in das man die Ewiggestrigen und Unzufriedenen schicken kann. Dort könnten sie dann ihre Ostalgie pflegen und von der ach so schönen DDR-Vergangenheit träumen.
    Gewisse Interessierte Kreise könnten sich vielleicht mal darüber Gedanken machen.

  • 14
    7
    Interessierte
    10.11.2019

    Die Unzufriedenheit - war schon über die 30 Jahre da , weil der Westen mit uns gemacht hatte , was er wollte und uns ´umerziehen+mitnehmen+diktieren` wollte , was wir nicht (nochmals) wollten und wenn wir uns gewehrt hatten , nannten uns die Besserwessis dann Jammerossis ....
    Und der christliche Westen , welcher uns ´seinen Westen´ übergestülpt hatte , steht jetzt nach 30 Jahren - neben den gebauten Glaspalästen und vor dem Scherbenhaufen - und wundert sich über die Wahlen der Atheisten .....

  • 11
    0
    OlafF
    09.11.2019

    @Ralf: Mag Herr Walter Momper, uns belehren wie er will. Aber... er spricht zumindest aus, was Viele "in den gebrauchten Bundesländern" denken, auch wenn so manch einer nicht mitreden könne. Der Vergleich zur Unfreiheit in der DDR zur heutigen Freiheit: Die Mauer steht im Moment in Mitten unserer Gesellschaft. Diese zu überwinden braucht es des Streites und nicht der Anpassung...und der Angst vorm Widerwort. Das zu erkennen gibt mir ein Gefühl der Freude, auch wenn ich Nietzsche nicht gelesen hab.

    https://www.welt.de/politik/deutschland/article203016090/Momper-ueber-Ossis-Weiss-nicht-wie-die-sich-Freiheit-vorgestellt-haben.html

  • 14
    5
    ralf66
    09.11.2019

    Na wo her kommt denn die Unzufriedenheit, hohe Lebenshaltungskosten, niedrige Einkommen, Längere Arbeitszeiten wie im Westen, zu viel Überstunden der Neubundesbürger lebt um zu arbeiten, der Altbundesbürger arbeitet um zu leben.

  • 18
    0
    KTreppil
    09.11.2019

    Der 9.Nov 89 ist wohl einer dieser Tage, wo jeder noch genau weiß, was er an diesem Tag gemacht hat. Auch ich bin dankbar und froh, dafür dass es den Tag gab und für alles was dann kam.
    Die Unzufriedenheit unser Zeit rührt für mich eher daher, dass wir mit der Wiedervereinigung ja auch die Unvollkommenheit und Probleme der damaligen BRD mit übernommen haben. Auch da war bekanntlich nicht alles perfekt.
    Diese Probleme traten dann für jeden von uns früher oder später zutage und die Probleme haben sich auch mit uns weiterentwickelt. Die Frage ist, wie wir gemeinsam mit den Problemen umgehen.

  • 15
    0
    Nixnuzz
    09.11.2019

    Der Artikel ist eine gute Zusammenfassung. Speziell: "Dass unsere Aufmerksamkeit beinahe schrankenlos von Bewusstseinsindustrien auf der Jagd nach Ertragschancen bearbeitet wird, macht es immer schwerer, sich selbst nicht als fremdbestimmt zu erleben." Unsere Überlebensinstinkte seit der Steinzeit sind heutzutage der ausgefuxten Geld- und Materialwirtschaft unterzogen. Und findet tagtäglich statt. Ich finde es nachdenkenswert, sich darüber klarzuwerden, das die nachbarschaftliche Material- und Wertewirtschaft weitestgehende zerlegt wurde. Entscheidungsprozesse bis zur Beschaffung von Klo-Papier sind heutzutage der weltweiten Materialbeschaffung und Verteilung unterworfen. Warum gibt es das Kneippensterben? Warum mussten Jugendclubs nach der Wende "entsorgt" werden? Warum denkt jetzt ein Politker über ein "Staatsdienst-Jahr" laut nach? Wo ist die DDR-Zwangsdemokratie aufgrund der Versorgungslage VOR ORT in die Verwaltungsdemokratie der Neuen BRD nach GANZ WEIT WEG verlagert worden? Wo fängt die Entscheidungsignoranz an - auf welcher Betroffenheitsebene? Das Steuer-Jahrbuch mit den losgelösten Kostenpflichtigen Einzelentscheidungen Marke "Fürchterlich" zeigt den täglichen Wahnsinn auf. Ist "Staatsgröße" immer noch besser als regionales Handeln? Ok - ich kann den Spagat nicht auflösen und muss den Regeln dieses Systems persönlichkeitsbedingt folgen. Als Rentner lebe ich jetzt auf anderer Leute Arbeit und Kosten. Ich hoffe, das in diesem Staat diese Art des Zusammenlebens friedvoll weiter geht. Ohne EDV-Netz funktioniert kannste kein neues Klopapier bestellen - oder wer hat noch das Neue Deutschland auf Halde?....

  • 24
    8
    Maunzili
    09.11.2019

    Alle Dauerkritiker des Mauerfalls sollten sich einmal nur kurz überlegen, wenn die DDR heute existieren würde. Was sie in den vergangenen 30 Jahren nicht hätten tun können.

  • 29
    9
    ChWtr
    09.11.2019

    Es ist ein guter Tag heute - 30 Jahre sind vergangen.
    Ich erinnere mich gern daran - in Demut. Es gibt kein Klagen oder Jammern. Wir sollten dankbar sein.



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