Zahlungsstopp aufgehoben: «Gorch Fock» soll wieder segeln

Die Sanierung der «Gorch Fock» hat sich zu einem Debakel entwickelt, bei dem die Kostenexplosion und Untreue-Vorwürfe Schlagzeilen machten. Nach einem dreimonatigen Zahlungsstopp soll es ab Montag weitergehen. Kurs: Weltmeere.

Berlin (dpa) - Die nach Vorwürfen der Korruption und Untreue gestoppte Sanierung des Segelschulschiffs «Gorch Fock» geht weiter.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) einigte sich mit er neuen Leitung der beauftragten Elsflether Werft AG auf eine Aufhebung des seit 12. Dezember geltenden Zahlungsstopps. Im Gegenzug wurden strengere Kontrollregeln, mehr Transparenz und eine strikte Kostengrenze vereinbart.

Von der Leyen sprach am Donnerstag in Berlin von einem «schmerzhaften und bitteren Weg der Erkenntnisse, was schief gelaufen ist». Die «Gorch Fock» sei noch nicht außer Gefahr. Aber: «Es gibt jetzt eine gute Chance, dass die «Gorch Fock» wieder auf den Weltmeeren segeln wird.» Der alte, im Januar entlassene Werft- Vorstand wies indes Vorwürfe zurück, er habe sich persönlich bereichert.

Bei der Sanierung war es zu einer Kostenexplosion von 10 auf bis zu 135 Millionen Euro gekommen, wovon bisher 69 Millionen Euro bezahlt wurden. In der Vereinbarung mit der Werft («Verpflichtungserklärung») ist nun vorgesehen, dass das Schiff zunächst für weitere 11 Millionen Euro bis zum Sommer schwimmfähig werden soll.

Danach wird die Bark für maximal 48 Millionen Euro hochseetauglich gemacht. Alle drei genannten Posten ergeben einen Betrag von 128 Millionen Euro. Hinzu kommen von Anfang an vereinbarte Beistellungen des Bundes von 7 Millionen Euro, die «Fremdleistungen und Managementreserve», die Überholung des Motors sowie die Anpassung des Kraftstoffsystems umfassen. Damit ergibt sich der Betrag von 135 Millionen Euro.

«Diese Vereinbarung führt dazu, dass wir nun auch den Zahlungsstopp aufheben können», sagte die Ministerin. Die Werft habe sich auch zu einer «open book policy» verpflichtet. «Das heißt, dass die Elsflether Werft vollumfänglich ihre Bücher öffnen wird, uns damit Einsicht in ihre eigenen Auftragskalkulationen geben wird und auch Einsicht ermöglicht in die Angebote und Kalkulationen der Unterauftragnehmer.»

Der neue Aufsichtsratschef der Werft, Pieter Wasmuth, sagte: «Wir haben die letzten Wochen genutzt, Transparenz zu schaffen». Zentrales Ziel sei es, Vertrauen herzustellen und die Arbeitsplätze zu sichern. Die neue Führung der Elsflether Werft AG will das Projekt nach der am 30. Januar erfolgten Ablösung der alten Spitze wegen Untreue-Vorwürfen wieder auf Kurs bringen. Die «Gorch Fock» liegt seit über drei Jahren in einem Dock, das die Werft in Bremerhaven anmietete.

Der sicherheitspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Tobias Lindner, kritisierte, von der Leyen habe die Entscheidung getroffen, ohne die im Raum stehenden Vorwürfe des Rechnungshofs vollständig aufzuklären. «Wer in dieser Situation vorschnell das Sanierungsdesaster um die Gorch Fock fortsetzt, geht nicht verantwortungsvoll mit Steuergeldern um.»

Der haushaltspolitische Experte der FDP, Karsten Klein, betonte: «Das ist die letzte Chance der Bundesregierung in Sachen Gorch Fock.» Der Linken-Verteidigungspolitiker Alexander Neu bemängelte, die Steuerzahler erhielten für dieses «Nostalgieprojekt» keine verbindlichen, sondern weiterhin nur ungesicherte Aussagen.

Die Elsflether Werft hatte am 20. Februar ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Hintergrund der finanziellen Schwierigkeiten sind mutmaßlich veruntreute Gelder in Millionenhöhe, was von der Leyen und die neue Werftführung der vor rund sechs Wochen geschassten alten Leitungsriege zuschreiben.

Die Vorstände weisen Vorwürfe einer persönlichen Bereicherung kategorisch zurück. «Es ging bei allen Aktivitäten, die stattgefunden haben, immer darum, der Werft zu helfen, und nicht, uns persönlich zu bereichern», sagte Ex-Vorstand Marcus Reinberg der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Er verwies zudem darauf, dass die Obergrenze von 128 Millionen Euro bereits im März 2018 genannt worden sei, und zwar vom alten Vorstand. Gegen Reinberg und seinen damaligen Vorstandskollegen laufen bei der Staatsanwaltschaft Osnabrück Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue.

Nach Worten des vom Amtsgericht Nordenham in Niedersachsen bestellten Sachwalters Per Hendrik Heerma hat der alte Werft-Vorstand Millionen Euro für Zwecke gezahlt, deren Hintergrund aufgeklärt werden müsse. «Das hat die Zahlungsfähigkeit der Werft massiv gefährdet», sagte er der dpa.

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10Kommentare
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  • 2
    0
    ralf66
    18.03.2019

    @Hinterfragt, nein ich habe nichts in den falschen Hals bekommen, ich bezog mich nur in meinem Beitrag darauf, dass Sie den Äppelkahn Gorch Fock einstampfen wollen, dass sehe ich anders, weil die seemännische Ausbildung von Marinekadetten auf Segelschulschiffen in Deutschland, ob nun NVA, Bundeswehr, Kriegsmarine und kaiserliche Marine eine militärische Tradition ist, die nicht auch noch vor die Hunde gehen soll. Was hier organisatorisch und in Bezug auf Finanzen, bei der Instandsetzung der Gorch Fock völlig schief läuft, dafür kann die Tradition nichts, dafür ist von der Leyen endverantwortlich, dass sie natürlich vom militärischen Handwerk keine Vorbildung hat und ihre Entscheidungen, die Meinungen ihrer Berater sind, ist das nächste Problem. Man sieht diese Frau meistens nur umgeben mit Zivilisten, ich frage mich schon lange, ob die Bundeswehr in der Führung, überhaupt noch von Offizieren geführt wird, oder von Beratern und Geschäftsleuten? Übrigens, vieles in Ihrem letzten Beitrag teile ich voll und ganz.

  • 3
    4
    Interessierte
    16.03.2019

    @ralf , man nimmt doch nichts aus der DDR , auch wenn das viel , viel besser war als bei uns hier , diese Errungenschaften meidet man generell , diesen Stolz hat man , auch wenn man davon noch etwas lernen kann und außerdem noch schneller voran kommen kann und sogar noch Geld sparen kann , außerdem gibt es da zwei Schiffe , eines wurde durch die Treuhand verkauft …

  • 2
    2
    Hinterfragt
    16.03.2019

    @ralf66; Oooops, irgendwie haben Sie da was in den falschen Hals bekommen. ;-)

    Meine Aussage zur Tradition, bezog sich einzig und allein auf die "Traditionsarbeit" von Frau v.d.L..
    Nach deren Ansicht ja alles was mit den beiden WK zu tun hat, milde ausgedrückt, umstritten ist.
    Da müssen in Kasernen, Relikte wie Bilder, Ausrüstung, ... entfernt werden, usw..
    Ich stehe voll zur Tradition der deutschen Militärgeschichte (selber in beiden Teilen der Armeen gedient). Macht mich das jetzt auch zum Nazi?

    Nur als Beispiel, wurde die Masse der EINSATZBEREITEN Geräte und Ausrüstung der NVA, verschrottet bzw. verschleudert.
    Selbst gesehen:
    Nagelneue Kraftstoffkanister wurden ausgelegt und mit dem Panzer überfahren - hätte da nicht auch der "Westsprit" drin gehalten?
    Ich könnte Ihnen noch viele Weitere Beispiel für diesen Irrsinn geben.

    Bei den ersten Übungen nach der Wende, haben wir mit W50/ L60 die MAN LKW der "alten" BW in Nochten aus dem Sand und durchs Gelände gezogen ...
    Warum hat man die nicht übernommen?

    Mein Kommandeur hat mir mal auf die Frage, warum man die gute "Kaschi" nich übernommen hat, gesagt "Man will doch nicht wegen jeder Patrone zu den Russen gehen müssen". Diese Waffe hat eine Tradition, ist fast unverwüstlich, ...
    G36, der BW - ohne Worte!
    Ein weiteres Relikt z.B. ist das MG3.

    Der Wikipediaauszug, war für die gedacht, die nicht wissen, wer Gorch Fock war und welche Rolle er und das Schiff (1. Version) in der Geschichte gespielt hat.

    Nur habe ich eben du diesem skandalgebeutelten Schiff eine ablehnende Haltung.
    Wenn man bedenkt welche finanziellen Mittel dort "verschleudert" werden.
    Das ist meine Meinung und diese wurde mir gerade heute wiederum bestätigt:

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundeswehr-teure-deko-nieten-fuer-gorch-fock-a-1258075.html

    Eine Kadettenausbildung kann man auch der heutigen Zeit angemessen, mit allem Drum und Dran auch auf einem modernem Schiff machen.

    Wenn man bedenkt, wie es um die aktuelle Einsatzbereitschaft der BW steht, dass die Masse an Gerät heruntergewirtschaftet/ kaputt ist, sich Soldaten für die Auslandseinsätze Ausrüstung selber Kaufen, ... verstehe ich es nicht, dass man dann hier so viele Gelder verbraucht.

    Und glauben Sie mir wenn es um Einsatzbereitschaft von Technik/ Gerät geht, weiß ich , wovon ich rede.
    In Zeiten der NVA wären bei dieser "Quote" (KTE sagt Ihnen was?) nur einer Dienststelle, dort niemand am Abend einfach so nach Hause gegangen....
    Heute betrifft es die komplette Bundeswehr.

    Auch bin ich gegen die derzeitig Aussetzung der Wehrpflicht, die derzeitigen Zustände mit Personal habe ich seinerzeit schon vorhergesehen.

  • 3
    3
    ralf66
    16.03.2019

    @Hinterfragt, was Sie von alten militärischen Traditionen halten weiß ich nicht und es ist mir auch egal! Fakt ist, dass das Segelschulschiff Gorch Fock, als Ausbildungsschiff für Seekadetten weiter fahren sollte, weil diese militärische Tradition, die Grundbegriffe und den Zusammenhalt in der Seefahrt von Grund auf zu lernen nicht falsch ist, eine weiterführende Ausbildung auf modernen Schiffen der Marine schließt sich an. Die Geschichte der Gorch Fock I und II war mir übrigens auch ohne Wikipedia bekannt, dass Festhalten, Marinekadetten auf dem Segelschulschiff Gorch Fock weiterhin auszubilden, dass Schiff fahrtüchtig zu halten, hat meiner Meinung nach nichts damit zu tun, mit den Unzulänglichkeiten die bei der Planung im Zuge der Instandsetzung des Schiffes finanziell und organisatorisch entstanden sind!

  • 5
    1
    Hinterfragt
    15.03.2019

    @ralf66; "...Traditionen in der Bundeswehr aufspüren und abschaffen..."
    Noch ein Grund diesen Äppelkahn einzustampfen ...

    "...Sie ist ein neueres Schwesterschiff der bereits im Jahr 1933 gebauten ersten Gorch Fock und wie diese nach dem Schriftsteller Gorch Fock benannt, der in der Skagerrakschlacht auf der Wiesbaden fuhr und fiel. .."
    wikipedia.de

  • 4
    1
    ralf66
    15.03.2019

    @Interesierte, nee ich glaube das würden die nicht haben wollen, man achtet ja bei der Bundeswehr genau darauf, dass man nicht mit falschen Tradition in Kontakt kommt, übrigens wahrscheinlich das Einzige, was von der Leyen ohne Berater kann, falsche Traditionen in der Bundeswehr aufspüren und abschaffen.

  • 2
    2
    Interessierte
    15.03.2019

    Da gibt es doch noch das DDR-Schulschiff , was noch in Ordnung ist , das will man wohl nicht ???

  • 7
    1
    Zeitungss
    15.03.2019

    In einer gestrigen abendlichen Satiresendung kam der Vorschlag auf, diesen Pott gleich als Flugzeugträger umzubauen, da Deutschland ein solches Statussymbol fehlt. Ich hoffe, Frau v.d.L. und ihr Beraterteam haben diese Sendung nicht auch gesehen.

  • 6
    0
    Hinterfragt
    15.03.2019

    "...Damit ergibt sich der Betrag von 135 Millionen Euro. ..."
    Welcher definitiv noch nach oben gehen wird ...
    Es ist ein Millionengrab!

    Das Geld sollte man lieber in die Ausrüstung/ Wartung investieren, um die ganzen Einsätze zu stemmen.
    Mit diesem Kahn kann man z.B. in der Wüste nichts anfangen und auch für die Landesverteidigung ist dieser reinweg irrelevant ...

  • 7
    0
    Freigeist14
    14.03.2019

    Das die zuständige und verantwortliche Ministerin nach diesem "Debakel " noch immer auf ihrem Posten verharren kann muß tiefere Gründe haben . Ich vermute ,das Hauptquartier der NATO möchte weiter auf eine willfährige Ministerin bauen , die zuverlässig am 2% Ziel der Aufrüstung festhalten will .



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