Zehntausende setzen mit Greta Thunberg Zeichen fürs Klima

Sie ist die Symbolfigur für den weltweiten Klimaprotest: Greta Thunberg. Nach Auftritten vor den Vereinten Nationen in New York und beim Weltwirtschaftsforum in Davos ist die 17-Jährige erneut nach Deutschland gekommen, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren.

Hamburg (dpa) - Greta Thunberg, die HipHop-Combo Fettes Brot und eine Schweigeminute: Zehntausende Menschen haben am Freitag in Hamburg zusammen mit der schwedischen Klimaaktivistin ein Zeichen für einen entschlosseneren Kampf gegen die Erderhitzung gesetzt.

Zwei Tage vor der Bürgerschaftswahl in der Hansestadt forderten die Teilnehmer auf Plakaten entschlossene politische Initiativen für mehr Kliamschutz. Auf Transparenten war unter anderem zu lesen: «Wir streiken bis ihr handelt» und «The earth is on fire». Die Polizei sprach von rund 20.000 Teilnehmern, die Organisatoren von 60.000.

«Die Entscheidungsträger verhalten sich immer noch so, als ob alles gut wäre und die Wissenschaft wird immer noch ignoriert», sagte Thunberg. «Das ist das Jahr 2020. Und wir müssen jetzt echtes Handeln sehen», sagte die 17-Jährige. «Die Krise ist hier und jetzt und nicht in der fernen Zukunft. (...) Wir sind müde, konstant außen vor gelassen zu werden.» Sie wisse nicht, wie Politiker ihren Kindern in die Augen schauen können, während sie ihnen die Zukunft stehlen. «Wenn genug Menschen mitmachen, den Wandel voranzutreiben, dann kann der Wandel auch gelingen.»

Zu Beginn der Demonstration unter dem Motto «Hamburg wählt Klima» legten die Teilnehmer eine Schweigeminute ein. Sie gedachten damit der Opfer der mutmaßlich rassistisch motivierten Gewalttat mit zehn Todesopfern im hessischen Hanau. «Wir sind traurig, wir sind wütend», sagte Yavuz Feroglu vom kurdischen Dachverband Nav-Dem. Auch zahlreiche Politiker waren zu der Demonstration gekommen, darunter die Grünen-Chefs Robert Habeck und Annalena Baerbock sowie die grüne Hamburger Spitzenkandidatin Katharina Fegebank.

Musiker und Künstler, darunter die Hamburger Hip-Hop-Band Fettes Brot, engagierten sich ebenfalls. «Es ist für uns eine große Ehre, dabei zu sein», sagte ein Bandmitglied. Nach dem Kurzkonzert zog der Demonstrationszug - angeführt von Greta Thunberg und der deutschen Aktivistin Luisa Neubauer - vom Heiligengeistfeld über den Rathausmarkt, Jungfernstieg und Gänsemarkt durch die Innenstadt. Bei der U-Bahnbrücke am Rödingsmarkt seilten sich zwei Aktivsten der Umweltgruppe Robin Wood ab und entrollten ein Plakat mit der Aufschrift «Klimawandel - schneller als die Politik erlaubt».

Schülerin Fabia Klein war extra aus Bayern angereist. «Das könnte die letzte Wahl sein, um noch einen effektiven Klimaschutz zu erreichen», meinte die 17-Jährige. In Bayern sind am 15. März Kommunalwahlen. Julia Zwick aus Hamburg kam für ihren kleinen Sohn. «Ich möchte, dass er, wenn er so alt ist wie ich, auch noch in einer lebenswerten Welt leben kann», sagte die 33-Jährige. Ulrike Ebeling, 53, die sich seit den 1980er Jahren für Umweltschutz einsetzt, ist wütend, dass es so lange dauert, bis sich etwas bewegt. «Das ist schon alles seit Jahren bekannt und es ist erschreckend, dass nichts davon umgesetzt wird», meinte die Wissenschaftlerin.

Wetterextreme haben in diesem und im vergangenen Jahr drastisch vor Augen geführt, was der Menschheit blüht, wenn die Erderhitzung nicht eingedämmt wird: Mehr gigantische Wirbelstürme wie über Ostafrika, verheerende Waldbrände wie in den USA und Australien und weiter dramatisch schwindende Eismassen an den Polen und in den Gletschergebieten. Schon jetzt hat sich die Erde nach Befunden des Weltklimarats um gut ein Grad aufgeheizt im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. Und die vergangenen vier Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Vor fast genau einem Jahr - am 1. März - hatte die schwedische Klimaaktivistin das erste Mal an einem Klimastreik in Hamburg teilgenommen. Ende September hatten sich an einem weltweiten Aktionstag nach Schätzungen von Fridays for Future weltweit rund vier Millionen Menschen beteiligt. Allein in Deutschland waren demnach rund 1,4 Millionen Menschen auf der Straße.


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6Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    0
    Zeitungss
    23.02.2020

    Von den sonst so grünen Befürwortern hier keine einzige Zeile ??? Ich gehe davon aus, meine gestrigen Zeilen passen nicht so recht ins gewünschte Konzept, möglicherweise kommt aber auch die Erleuchtung durch, dass die grünen Vorstellungen nicht überall gelten.
    Bei Bedarf stelle ich meine etwas realistische Denkweise um, es sollte nur ein Konzept vorhanden sein, welches nicht nur aus ABSCHALTEN und VERBOTEN besteht.

  • 5
    0
    Freigeist14
    23.02.2020

    Zeitungss@ das "grüne Geschrei" schließt in Hamburg "Verantwortung " und "Bündnistreue" der Grünen Partei mit ein . Deshalb auch kein Wort über "Defender 2020" .

  • 8
    2
    Zeitungss
    23.02.2020

    Ja, man sieht eben was wirklich dahintersteckt. Auch in Hamburg haben die Wahlsieger (wer auch immer) heute 18.01 Uhr ihre Wahlversprechungen vergessen. Die ganze Zeit grünes Geschrei und hier Totenstille schon merkwürdig, oder ???

  • 7
    1
    Freigeist14
    22.02.2020

    Zeitungss@ mit Klimastreik und FFF rennt man heute offene Türen ein . Doch nachfragen, welche Institution einer der größten Klimakiller der Welt ist - besser nicht tief schürfen . Da vergeht dem Establishment das Lachen .

  • 9
    1
    Zeitungss
    22.02.2020

    Die Anlandung der Truppen aus den USA erfolgt nicht in Hamburg sondern in Bremerhaven. Dorthin finden die Symbolfigur, ihre Anhänger und die grüne Spitze wohl nicht ? Den CO2-Ausstoß dieser Aktion berechnet komischerweise auch kein Mensch, wo man doch sonst federführend dabei ist, ist doch jeder Handwagen in der Herstellung schon berechnet. Grüne Politik ist nun einmal schwer zu verstehen und zwar in allen Bestandteilen, zumal man hier hätte Flagge zeigen können und dem Hamburger Wahlkampf hätte es mit Sicherheit auch nicht geschadet.

  • 13
    3
    1371270
    21.02.2020

    Ich denke mal, in China hätte Greta ein größeres Betätigungsfeld.