Zwei Frauen wollen Wagenknecht beerben

Kampf um die Fraktionsspitze der Linken: Nach Caren Lay aus Sachsen gibt es nun eine weitere Bewerberin.

Berlin.

Der Linken im Bundestag steht eine Kampfkandidatur um die Nachfolge der scheidenden Fraktionsvorsitzenden Sahra Wagenknecht bevor. Nach der stellvertretenden Fraktionschefin Caren Lay aus Sachsen kündigte nun die niedersächsische Abgeordnete Amira Mohamed Ali ihre Bewerbung an. "Unsere Fraktion kann viel mehr erreichen, wenn wir gemeinsam unser Potenzial ausschöpfen, wenn wir mehr und konsequenter miteinander arbeiten statt uns gegenseitig zu hemmen", schrieb die 39-Jährige an ihre Fraktionskollegen.

Sie sehe es als zentrale Aufgabe für den Fraktionsvorsitz an, die Zusammenarbeit zu fördern, heißt es in dem Brief. "Ein funktionierendes Team" sei wichtig für den Erfolg. Es gehe ihr um Inhalte und Argumente, "nicht um Personen oder Lager". Die Linke habe die Verantwortung, "an einem Strang zu ziehen", betont die Politikerin, die seit 2017 im Bundestag sitzt. Die in Hamburg geborene Tochter einer Deutschen und eines Ägypters wird dem deutlich linken Flügel der Partei zugeordnet. Mohamed Ali hat ihren Wahlkreis in Oldenburg. Im Bundestag arbeitet sie in den Ausschüssen für Verbraucherschutz und Landwirtschaft.

Mohamed Alis Aufruf zu mehr Geschlossenheit dürfte der Versuch sein, die untereinander tief zerstrittenen Strömungen in der Bundestagsfraktion zusammenzubringen. Genau dies war der bisherigen Fraktionsdoppelspitze aus Dietmar Bartsch und Sahra Wagenknecht nicht gelungen. Während Bartsch bei der für nächsten Dienstag geplanten Wahl des Fraktionsvorstands erneut antritt, zieht sich Wagenknecht aus gesundheitlichen Gründen zurück. Das hatte sie bereits im Frühjahr angekündigt. Ihr Mandat will Wagenknecht behalten. Der 50-Jährigen wird von Kritikern in der eigenen Partei vorgeworfen, für die Zerwürfnisse und Richtungskämpfe in der Linken maßgeblich verantwortlich zu sein. Viele Genossen sahen in der 2018 von Wagenknecht gegründeten Sammlungsbewegung "Aufstehen" den Versuch einer Spaltung der Partei. Auch von "Aufstehen" zog sich Wagenknecht im Frühjahr zurück.

Mohamed Ali erläutert in dem Schreiben an ihre Fraktionsmitglieder, es gebe in der Linken "immer wieder hohe Reibungsverluste", die mit dafür verantwortlich seien, dass die Partei nicht mehr als Kraft wahrgenommen werde, "die zu den großen gesellschaftlichen Diskussionen etwas beizutragen hat". Sie sei überzeugt, dass der Linken im Bundestag "ein frischer Blick auf unsere Zusammenarbeit gut tut".

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