Alles außer putzig!

Warum Eisbären den Menschen inzwischen notgedrungen auf die Pelle rücken

Jugendliche sind mitunter weitsichtiger als Politiker. Ein Schild der Klima-Demonstranten, die am Samstag in Flensburg protestierten, zeigte zwei putzig gezeichnete Eisbären. "Was ist, wenn unsere Eisscholle schmilzt?", fragt der eine. "Dann gehen wir einfach nach Amerika. Da gibt es ja keinen Klimawandel", sagt der andere. Die Realität, die das Schild kritisieren soll, ist allerdings keineswegs putzig. Das spüren Anrainerstaaten des stetig schrumpfenden Eisschilds im Polarmeer zunehmend, wenngleich aktuell nicht auf amerikanischer, sondern auf russischer Seite Alarm geschlagen wird.

Auf der sibirischen Insel Nowaja Semlja riefen Behörden wegen einer Eisbär-Plage den Notstand aus. Seit Dezember nähern sich Bären dort Siedlungen, berichtet die Nachrichtenagentur Tass. Mindestens 52 Tiere wurden nahe dem Ort Beluschja Guba gesichtet. Einige hätten Menschen angegriffen, Häuser besucht. Die Bären seien kaum abzuschrecken. Laut der Umweltorganisation WWF hängt das Problem mit dem Klimawandel zusammen. Im Oktober erreichte das Eis im Polarmeer seine drittgeringste Ausdehnung seit 1979. Wenn kein Eis da ist, auf dem sie Seehunde jagen können, suchen die Eisbären andere Nahrung. Siedlungsabfälle locken an. Auf Nowaja Semlja schließt man Abschüsse der an sich streng geschützten Eisbären nicht mehr aus. Auch in Grönland kam es 2018 zu vielen Konfrontationen, weil Bären sich Menschen näherten. Auf der Baffininsel beobachtete Filmer Paul Nicklen 2017 einen verhungernden Eisbären, der in Mülltonnen Nahrung suchte. Auf Twitter wurde das National-Geographic-Video fast zehn Millionen Mal geklickt.

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