Alles Schein

Kaum Symbolkraft, null Kaufkraft: Marx-Spielgeld bringt Profit für Trier

Die Stadt Trier hat 170.000 Exemplare eines Null-Euro-Scheins mit dem Bildnis von Karl Marx verkauft. Und die Nachfrage reißt nicht ab. Wie viel nach Abzug der Kosten erlöst werden, behält der Chef-Touristiker der Karl-Marx-Geburtsstadt für sich. Er verrät nur, man habe die Scheine bisher in 64 Länder verschickt.

Ist das Geld gut angelegt? Kommt darauf an. Zum Gegenwert von ein paar Null-Euro-Scheinen aus Trier kriegt man einen Jutesack der Bundesbank mit über 50.000 Euro, okay, geschreddert. Oder ein Halbe-Million-Deutschmark-"Brikett", gut geschreddert und gepresst. Wer partout ein Bild von Marx in seinem Geldbeutel mit sich herumtragen will, kann 100 DDR-Mark nehmen, die gibts inzwischen sogar vergoldet (50 Euro). Der alte Papierschein kostet noch 10 Euro (oder Oma fragen, die hat bestimmt noch einen).

Was die Käufer wohl am Null-Euro-Marx so antörnt? In Trier vermutet der Tourismuschef, es hänge mit der "starken Marke Marx" zusammen und mit dem "Bezug zur Marxschen Geldtheorie". Tatsächlich hatte Marx zeitlebens fast nur theoretisch Geld, aber das ist hier nicht gemeint. Alles, was sich über die volkswirtschaftliche Geldtheorie zu wissen lohnt, steht bei Kurt Tucholsky: "Für Geld kann man Waren kaufen, weil es Geld ist, und es ist Geld, weil man dafür Waren kaufen kann. Jede Wirtschaft beruht auf dem Kreditsystem, das heißt auf der irrtümlichen Annahme, der andre werde gepumptes Geld zurückzahlen. Wenn die Unternehmer alles Geld im Ausland untergebracht haben, nennt man dieses den Ernst der Lage. "

Bleibt zu klären, was Trier mit den Erlösen aus dem Verkauf der Null-Marxe anstellt. Da liest man zum Beispiel, dass man dort "Hexengeld" aus der Stadtkasse ins Kirchensäckel überweist, seit 400 Jahren, 362,50 Euro im Jahr. Das hängt mit der Verbrennung eines Amtmanns und Unirektors als "Hexenmeister" anno 1589 zusammen.

Karl Marx kann man da im Nachhinein nur beglückwünschen, dass die Hexenjagd zu seiner Zeit in Trier schon außer Mode war, und man sein Ansehen nur noch im Souvenirladen foltert.

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