Angewedelt

Warum Fächer wieder in Mode kommen

Hitze in Deutschland. Da kommt jede Abkühlung recht. Eine Dusche, der Sprung ins Freibad, ein leckeres Eis - oder ein Fächer. So wie einst Modezar Karl Lagerfeld immer einen bei sich hatte. Der wollte sich damit aber nicht Kühlung verschaffen, sondern sich vor dem Mundgeruch der anderen schützen. Heißt es.

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts ging die Europäerin von Stand nicht ohne ihren Fächer vor die Tür. Sie kühlte damit ihren erhitzten Kopf, kämpfte gegen die Ohnmacht in zu engen Korsetts und sandte verschlüsselte Botschaften. Flirten mit Fächer etwa war früher eine beliebte Kunstform des Anbändelns. Und wer kennt sie nicht - die feurigen Flamencotänzerinnen mit Fächer. Olé. In Bielefeld steht eines von drei Fächermuseen weltweit. Es bewahrt die Kostbarkeiten der Jahrhunderte auf. Zum Beispiel den bunt bemalten Hochzeitsfächer der französischen Kaiserin Eugénie von 1853. In der Welt der Haute-Couture sind die Fächer längst wieder gefragte und kostspielige Accessoires.

Natürlich gibt es auch für die korrekte Handhabung des Fächers eine Etikette: Er wird in die rechte Hand genommen, der Daumen umfasst den Fächerkopf mit dem Dorn, an dem die Streben zusammenkommen. Dann wird der Fächer in einem 180-Grad-Winkel geöffnet und so gehalten, dass er exakt eine parallele Linie zu einer gedachten Tischplatte bildet. Alles klar?

Mit zunehmender Hitze sieht man die Fächer auch hierzulande wieder häufiger - auch beim profanen Eisessen. Allerdings sind die meist aus Plastik oder dünnem Holz, das mit Stoff beklebt wird. "Volksfächer" sozusagen. Machen aber immer noch mehr her als die Mini-Ventilatoren mit USB-Stick. Männer zieren sich noch - vermutlich aus Angst, damenhaft zu wirken. Und eine Speisekarte oder der Bierdeckel tun es schließlich zur Not auch.

Aber Vorsicht in Coronazeiten: Die Salzburger Festspiele haben jetzt den Kühlung spendenden Gebrauch von Fächern während der Vorstellungen strikt untersagt. Weil dadurch infektiöse Aerosole seitlich im Publikum verteilt werden. Hygieneregeln gelten schließlich auch für den Fächer.

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