Armes Würstchen

Womit ein wahrer Grillmeister Deutschlands Brutzelkönig wurde

So nicht.

Sein oder Nichtsein? Das ist die Frage, die Shakespeares Hamlet sich stellt. Bei einem durchschnittlichen Grillabend ist die Auswahl nicht größer: Steak oder Würstchen? Das ist die Frage, die der Grillmeister im heimischen Garten an die Runde richtet. Dem Deutschen Grillmeister allerdings, der Sonntagabend bei den Deutschen Grillmeisterschaften im hessischen Fulda gekürt worden ist, wäre das viiiiiiiiel zu einfach.

Schwein oder nicht Schwein? Damit fängt es ja schon mal an. Sicher, auch Lieschen Griller und Otto Normalverbrater legen mittlerweile schon mal einen Gemüsespieß oder eine Halloumi-Scheibe auf den Rost. Doch womit Dirk Poerschke, ein Mann aus Bayern, in Fulda den Titel holte, ist schon top. Statt Steak oder Würstchen hieß es da: eine von drei Variationen aus dem Beef Brisket, also der im heißen Rauch gegarten Rinderbrust, glasiert mit einer Himbeer-Pflaumen-Sauce? Oder doch lieber veggie: also Paprika-Zucchini-Röllchen auf einem Ricotta-Polenta-Keks mit lauwarmem Lauch-Fenchel-Salat inklusive Grünkerncroutons? Damit wurde der Unterfranke unser aller Brutzelkönig.

Sterne am Himmel scheinen beim Grillabend nicht mehr zu reichen. Sterneküche muss es sein. Irgendwie greift da zwischen Senftöpfen und Ketchupflaschen die Dekadenz der deutschen Dry-Ager um sich, die laut Branchenverband der Barbecue-Industrie mehr als eine Milliarde Euro jährlich für Grills und Outdoor-Küchen ausgeben. Und natürlich dem Dry Aged frönen, dem gut abgehangenen Stück Rindfleisch aus der Reifekammer.

Doch Vorsicht: Wer hier nicht mit dem Bratenthermometer agiert, hat schnell mal ein paar hundert Euro auf dem Rost verbrannt. Eine Roster ist da nicht so empfindlich. Deshalb sollten wir es besser nicht ganz aus der schönen neuen Grillwelt verbannen: das Würstchen, das arme. Ulrich Hammerschmidt

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