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Warum die Politikszene jetzt eine neue Metapher hat

Wer dieser Tage ohne Ziel durch die verregneten Frühlingstage lustwandelt, der entwickelt einen Blick für Vorgärten. Manche der heimischen Gärten scheinen von der Corona-Melancholie angesteckt, andere widersetzen sich der Gleichgültigkeit - mit typisch deutscher Akribie und Sinn für das vermeintlich Schöne in Gartenzwerggröße.

Ein neugieriger Blick über die Hecke zeigt: Zu der elektrisch betriebenen Kleinwindmühlensimulation, der Brunnenattrappe und der Hollywoodschaukel hat sich das obligatorische Gartentrampolin gesellt. Der Zustand vieler Familien-Hüpfmöbel zeigt, dass das Trampolin das Zeug zur neuzeitlichen Ruine der privaten Gartenwelt hat. Allenfalls in der kurzen Phase freudiger Anfangsbegeisterung wird das Trampolin vom Erwerber und dessen Nachwuchs kurz behüpft. Danach steht es meist ungenutzt herum. Nur selten katapultiert sich dann noch jemals ein Kinderkörper in die Höhe. So zumindest der Eindruck.

Bald könnte das Trampolin wieder in aller Munde sein. Seit bekannt ist, dass die Spitzen-Grüne Annalena Baerbock in ihrer Jugend mal eine passable Trampolin-Turnerin gewesen ist, hat das Hüpfding das Zeug zur neuen Metapher in der Politikszene. Immerhin müssen noch einige Monate bis zur Bundestagswahl kreativ überbrückt werden. Das metaphorische Potenzial des Trampolins ist schier unerschöpflich. Nichts gegen Ursula von der Leyens Dressurreiten, Rudolf Scharpings Rennradfahren oder Joschka Fischers langen Lauf zu sich selbst: Das Auf und Ab der Umfragewerte ist im Trampolin genauso drin wie die junge Hüpferin, das Auf-der-Stelle-Springen oder der Salto rückwärts, die fehlende Bodenhaftung und - vielleicht - der Sprung ins Kanzleramt. Vorbei wäre es dann für Annalena mit der Leichtigkeit des Seins hoch über dem Sprungtuch.

Aber Achtung: Nicht umsonst geben die Trampolin-Hersteller stets die Wurfweite des Tuches an, um die Fähigkeit des Geräts zu beschreiben, den Nutzer möglichst weit weg vom Startpunkt landen zu lassen. Ein weiche Landung aber ist jedem zu gönnen - auch im harten Politikbetrieb. Stephan Lorenz

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