Biedenkopf - Der Rückkehrer

Biedenkopfs Alterssitz wird womöglich noch kein Ruhesitz

Der 88-jährige Kurt Biedenkopf erzählt ja gern, dass er einstens gar nicht sächsischer Ministerpräsident hatte werden wollen. Kurt Masur musste ihn für Sachsen gewinnen, sein Parteifreund Lothar Späth für die Kandidatur. Als Rückenwind dürfte Biedenkopf empfunden haben, dass sein alter Chef und Widersacher Helmut Kohl nichts davon hielt. Eigensinn und eine hohe Meinung von sich selbst waren "Bieko" immer eigen. Auch im Alter wirkt er von Selbstzweifeln frei.

Nach Biedenkopfs Amtszeit, die von 1990 bis 2002 dauerte und eine sehr präsente First Lady den Sachsen als Bonus bescherte, zogen die Biedenkopfs ins bayerische Chiemgau. An der Elbe blieben sie immer präsent und geschätzt, auch wenn das Bild der Aufbaujahre manchen Kratzer bekam. Den Sachsen entgelten sie ihre Beliebtheit durch freundliche Fürsprache: Nazis, Pegida, AfD? Alles halb so wild. Manchmal sei halt der Osten nicht so weit. Vorigen Herbst, als Stanislaw Tillichs Rückzug schon im Kaffeesatz geschrieben stand, bediente Biedenkopf die populäre Lust nach Abrechnung und zweifelte Tillichs Kompetenzen an - seines eigenen politischen Ziehsohns immerhin. Da war es wieder fast wie früher. Licht aus, Spot an: "König Kurt" in aller Munde.

Jetzt kehren sie nach Dresden zurück. Das Haus am Chiemsee sei verkauft, hieß es am Wochenende in der Süddeutschen Zeitung. Und die Sächsische Zeitung verriet, das neue Domizil liege im alten Wasserwerk Saloppe auf Loschwitzer Flur. Ein Ruhesitz - oder mischt Kurt Biedenkopf politisch noch ein bisschen mit? Ambitionen nicht ausgeschlossen: Zehn, zwölf Jahre, "wenn der Herrgott es gut meint", sagt er, die habe er ja noch.

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