Coronavirus: Fast alle Bundesländer schließen die Schulen

Zahlreiche Staaten schließen ihre Grenzen für Ausländer. Auch Deutschland reagiert immer drastischer auf die Corona-Krise. Millionen Eltern sind mit einer völlig neuen Situation konfrontiert.

Berlin (dpa) - Millionen Menschen müssen sich nach diesem Wochenende um die Betreuung von Kita- und Schulkindern kümmern. Aus Sorge vor einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus schließen die meisten Bundesländer Schulen und Kitas.

Deutschlands Nachbarländer Tschechien, Polen und Dänemark riegeln wegen der Coronavirus-Gefahr fast vollständig oder ganz ihre Grenze für alle Ausländer ab. Die Bundesliga unterbrach ihren Spielbetrieb. Die Bundesregierung sagte Unternehmen umfassende Finanzhilfen zu.

Europa ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jetzt weltweit die am schwersten von der Coronavirus-Pandemie betroffene Region der Welt. In Europa würden mehr Infektionen und Todesfälle gemeldet als in allen anderen Ländern außerhalb Chinas zusammen, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. «Europa ist jetzt zum Epizentrum der Covid-19-Pandemie geworden», sagte er. «Es werden jeden Tag mehr Fälle gemeldet als auf der Höhe der Epidemie in China

Bis Freitagnachmittag kündigten 14 Bundesländer flächendeckende Schulschließungen an: Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz, Hessen, das Saarland, Berlin, Brandenburg, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen.

Die meisten Länder wollen die Schulen und Kitas bis zum Ende der Osterferien geschlossen halten, also bis Mitte oder Ende April. Sachsen will am Montag zunächst die Schulpflicht aussetzen, Lehrer, Schüler und Eltern sollen auf diese Weise Zeit bekommen, sich auf Schulschließungen vorzubereiten. Den genauen Zeitpunkt will die Landesregierung kommende Woche festlegen. In Mecklenburg-Vorpommern wolte das Kabinett am Samstag entscheiden, ob flächendeckende Schließungen notwendig sind.

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, hält nichts von flächendeckenden Schulschließungen. Im rbb-«Inforadio» sagte er am Freitag: «Flächendeckende Schulschließungen machen in meinen Augen überhaupt keinen Sinn, weil die Folgeprobleme bei Familie, bei Krankenhäusern und bei allen anderen einfach viel größer sind.» Schulschließungen in Regionen mit besonders vielen Infektionen seien aber sinnvoll.

Mehrere Bundesländer haben Besuche in Altenheimen untersagt oder zeitlich beschränkt. Dazu zählen etwa Bayern, Baden-Württemberg, NRW und Hessen. Einzelne Heime haben jedoch auch eigene Regulierungen. Menschen, die aus Risikogebieten zurückkehrten, wird ein Besuch vierlerorts untersagt.

US-Präsident Donald Trump rief wegen der Ausbreitung des Coronavirus in den USA einen nationalen Notstand aus. Mit der Maßnahme würden weitere Bundesmittel in Höhe von bis zu 50 Milliarden Dollar zur Bekämpfung des Coronavirus freigesetzt, sagte Trump. Nach Angaben der nationalen Gesundheitsbehörde CDC wurden in den USA mehr als 1600 Infektionen und mehr als 40 Todesfälle registriert.

Der Zentralrat der Muslime (ZMD) appellierte an die Moscheegemeinden in Deutschland, wegen des Coronavirus die Freitagsgebete auszusetzen. Die Bundeswehr begann eine erste Amtshilfe für das zivile Gesundheitswesen und unterstützt eine Fieberambulanz in Koblenz.

In Deutschland sind neben nun acht Todesfällen bislang mehr als 3200 Infektionen mit dem neuen Coronavirus bekannt. Das geht aus einer Auswertung der Deutschen Presse-Agentur hervor, die die gemeldeten Zahlen der Bundesländer berücksichtigt. Die Todesopfer in Deutschland waren zwischen 67 bis 89 Jahre alt. Zudem starb ein 60-jähriger Deutscher in Ägypten.

Die österreichische Regierung schloss im Kampf gegen das Coronavirus für zunächst eine Woche viele Geschäfte und stellt zudem Gebiete in Tirol unter Quarantäne. Ausländische Gäste dürften aber noch ausreisen, sagte Innenminister Karl Nehammer. In Paris schloss der Louvre seiner Pforten.

Die Bundesregierung will Unternehmen mit unbegrenzten Kreditprogrammen helfen. Über einen drastisch erhöhten Garantierahmen bei der Staatsbank KfW könne eine halbe Billion Euro zur Verfügung gestellt werden, sagte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Die Regierung stelle der KfW zunächst 20 Milliarden Euro zur Verfügung. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) sagte: «Es gibt keine Grenze nach oben bei der Kreditsumme, die die KfW vergeben kann.»

Die Ankündigung umfangreicher Staatshilfen im Kampf gegen die Folgen der Coronavirus-Krise stützte den deutschen Aktienmarkt am Freitag. Der Dax stieg zunächst wieder dicht an die Marke von 10.000 Punkten.

Die Wirtschaft in der Europäischen Union wird nach Einschätzung der EU-Kommission wegen der Coronavirus-Krise dieses Jahr schrumpfen. Ursprünglich war mit 1,4 Prozent Wachstum für 2020 gerechnet worden - nun werde das Wachstum «unter Null fallen, womöglich sogar erheblich», sagte ein hoher Kommissionsbeamter in Brüssel.

Viele Beschäftigte Deutschlands sollen in der Coronakrise durch öffentlich finanziertes Kurzarbeitergeld vor Arbeitslosigkeit geschützt werden. Der Bundestag beschloss am Freitag in einem beispiellosen Schnellverfahren einstimmig einen Gesetzentwurf für erleichtertes Kurzarbeitergeld. Nach der Verabschiedung im Bundestag passierte er am Freitag auch den Bundesrat.

Die Fußball-Bundesliga unterbrach den Spielbetrieb und wird an diesem Wochenende nicht spielen. «Hintergrund ist unter anderem, dass sich im Lauf des Tages der Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus im Umfeld mehrerer Clubs und von deren Mannschaften ergeben hat und weitere Infektionen nicht auszuschließen sind», schrieb die DFL. Auch die Europäische Fußball-Union setzte den Spielbetrieb in der Champions League und in der Europa League aus.


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9Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
    0
    harzruessler1911
    16.03.2020

    Hier muss ich ein bißchen revidieren, am Freitag kam es wohl nur kurzfristig dazu. Wahrscheinlich als bekannt wurde, dass in Passau zwei Ärzte einer Klinik betroffen sind und man die Orthopädie Abteilung schließen musste, gab es Verunsicherung.
    Jetzt ist es ja so, aber trotzdem wollte ich es gerade rücken.

  • 3
    0
    harzruessler1911
    13.03.2020

    Arbeitskollege war gerade in Passau und wollte nach Schärding Österreich - lassen keinen deutschen mehr rein.

  • 15
    1
    tdittel
    13.03.2020

    Damit die Schulschließungen als präventive Maßnahme greifen muss dies jetzt erfolgen, sonst reden wir villeicht in ein oder zwei Wochen von krankheitsbedingter Schließung weil dann einfach schon alle krank sind.
    Bei uns in der Schule hieß es die Direktion soll sich in den nächsten Stunden bereit halten da die Entscheidung zur Schließung wohl noch fallen könnte.
    Freitags bis auf die letzte Minute damit warten ist echt ne super Idee.

  • 5
    10
    harzruessler1911
    13.03.2020

    @872... genau dieses Wischi Waschi, Verantwortung liegt bei mehmeren, mit zum Teil unterschiedlichen Ansichten... ist bei einer Notstandslage fehl am Platz. Darf jetzt unsere Regierung auch keinen Notstand ausrufen? Ist das auch Ländersache? Wenn ja, dann.. OK ich verkneifs mir...

    MWSt für Tourismus und Gastro, senken oder weg zum entlasten wie Lachhaft, - - Wo keine Einnahmen da fällt so oder so keine MwSt an..

  • 18
    1
    872889
    13.03.2020

    @Lesemuffel: Bestimmte Sachen lassen sich verfassungsrechtlich nicht ganz so einfach einheitlich regeln. Nun kann man über den Föderalismus hin und her diskutieren, den die Bundesländer jedoch außerhalb einer Krise auch kräftig verteidigen. Ich vielen Dingen müssen die Ministerpräsidenten nun einfach ihrer Verantwortung gerecht werden, nicht die Bundeskanzlerin. Sie hat mit ihren Äußerungen aber ja deutlich Signale in die Länder gesandt. Es ist Ruhe und Besonnenheit gefragt, und die strahlen (fast) alle Verantwortlichen und Experten bei allem Ernst der Lage bisher auch aus, und das ist gut so. Es ist zudem stets die Verhältnismäßigkeit von einzelnen Maßnahmen abzuwägen - dazu gibt es regional betrachtet auch große Unterschiede. Schulschließungen lösen nicht unbedingt Probleme, sie schaffen auch welche - auch wenn sie präventiv wohl unvermeidlich werden.

  • 17
    5
    harzruessler1911
    13.03.2020

    Oder, Deutschland braucht gar nicht schließen, weil dies bis dahin bereits alle anderen angrenzenden Länder gemacht haben.

  • 11
    1
    harzruessler1911
    13.03.2020

    @Lesemuffel

    Ich denke, die Wahrscheinlichkeit ist hoch das dies bald kommt.

    Eins meiner Kinder lebt in Österreich

    Ihr habe ich heute folgendes geschrieben, da mich meine Kids und Enkel am We besuchen wollten:

    Zitiere Österreich Meldung"" "WIEN - Österreich hat alle Bürger dazu aufgerufen, aus dem Ausland zurückzukehren." ""

    Befürchte das ist die Vorbereitung für Grenzschließung.

  • 15
    9
    Pixelghost
    13.03.2020

    @Lesemuffel, weil es genau um die Frage geht, die Sie im 2. Teil Ihres Kommentars gestellt haben:
    Wie erhalten wir das öffentliche Leben aufrecht, besser: Wie werden die unbedingt notwendigen Serviceleistungen für den Bürger aufrecht erhalten.

    PS: Die Eltern haben Eltern. Schon um deren Gesundheit Willen sollten sie Lösungen finden.

  • 14
    15
    Lesemuffel
    13.03.2020

    Warum in unserem kleinen Land keine einheitlichen Lösungen? Warum kein Schutz an der Staatsgrenze? Schließen ist einfach, aber werden auch Lösungen für die Eltern angeboten? Welche Mindestforderungen zur Aufrechterhaltung des öffentlichen Lebens werden definiert?