Das über Artgrenzen hinweg verstandene Lächeln

Ein Blick wie der vom freundlichen Buddha scheint eine erstaunliche Wirkung auch auf Vierbeiner zu haben.

Kommt sie, oder kommt sie nicht? Hauskatzen verhalten sich oft wie eine unberechenbare Diva. Sie gehorchen eher ihren eigenen Impulsen als den Aufforderungen oder Bitten ihrer zweibeinigen Halter. Aber laut einer englischen Studie gibt es einen Trick, wie man sie gewogen stimmen kann.

Das Forscherteam um Tasmin Humphrey von der University of Sussex untersuchte, ob sich Katzen anlocken lassen, indem der Mensch ihnen gegenüber einen bestimmten Gesichtsausdruck annimmt. So weiß man schon länger, dass sie eher aggressiv werden, wenn man sie mit entblößten Zähnen anlächelt, weil sie das als Bedrohung interpretieren. Doch welche Mimik müssen wir präsentieren, damit sie eben gerade nicht aggressiv werden, sondern vielleicht sogar unsere Nähe suchen?

Eine naheliegende Antwort darauf könnte sein, dass man es so macht wie die Katzen selbst, wenn sie freundlich gestimmt sind: nämlich die Augenlider langsam bis zur Hälfte schließen, sodass die Augen zu Schlitzen werden, die sich aufeinander zubewegen. "Wir finden diese Mimik interessanterweise auch bei Hunden, Pferden und Kühen, wenn sie gestreichelt werden", erläutert Humphrey. Was deutlich macht, dass sie über die Artengrenzen hinweg verstanden wird - und deswegen könnte sie auch vom Menschen in Richtung Katze funktionieren.

Humphrey und ihr Team überprüften diese Vermutung, indem sie einen Menschen in die Nähe von 24 Hauskatzen brachten. Er zeigte dabei entweder einen neutralen Gesichtsausdruck, oder aber er blinzelte langsam mit den Augen. Danach streckte er den Tieren die Hand entgegen - als Geste der Einladung, zu ihm zu kommen. Katzen und Mensch waren sich unbekannt, sie trafen in dem Experiment das erste Mal aufeinander.

Es zeigte sich, dass die Tiere mehr als doppelt häufig die Einladung des Zweibeiners annahmen, sofern der ihnen zugeblinzelt hatte. Außerdem zeigten sie ihm deutlich häufiger ihr eigenes schlitzäugiges "Cat-Smile", als wenn er ihnen mit neutralem Gesichtsausdruck begegnete. Zwei- und Vierbeiner lächelten sich also gegenseitig an. Wohlgemerkt mit geschlossenem Mund und sich langsam schließenden Augenlidern, so wie es dem alten Buddha nachgesagt wird.

Wer also Kontakt mit einer Katze aufnehmen will, sollte trainieren, sie buddhamäßig, mit langsam und freundlich blinzelnden Augen anzulächeln. Es könnte ihm am Ende auch in der aktuellen Corona-Krise im Umgang mit seinen eigenen Artgenossen nützen. Denn der unter den Masken verborgene Mund verbreitet sehr viel Unsicherheit und Distanz, und da hilft es, wenn man seinem Gegenüber sein Lächeln mit den Augen zu signalisieren vermag.

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