Der Naschzwang

Warum wir für unsere Sucht nach etwas Süßem eigentlich gar nichts können

Die Leber ist ein Alleskönner. Ein wahres Multitalent. Sie speichert Vitamine, produziert Galle, reinigt den Körper von Giften. Und die Leber wächst, so heißt es, mit ihren Aufgaben - ein Witz, den sich nicht nur Mediziner erzählen, wenn es um die Fettleber geht. Zu oft zu tief ins Glas geschaut. Und schon wird die Leber dicker. Und wir mit dazu: Denn wer im Übermaß den Alkohol liebt, der mag meist auch Süßes. Die Lust zu naschen kann eine Sucht sein.

Gründe dafür, die uns als Entschuldigung dienen, gibt es viele: Stress, chronisch niedriger Blutzuckerspiegel oder fiese Kollegen, welche die Naschschalen im Großraumbüro immer wieder mit kleinen Kalorienbomben füllen. Und jene, die für diesen verführererischen Nachschub sorgen, sind nicht selten solche, die zwar selbst auch Süßes mögen, aber kein Gramm zu viel auf den Rippen haben. Wie gemein. Seit zwei Forscher der Universität Kopenhagen die Genusssucht des Menschen etwas genauer studierten, haben wir für unseren Naschzwang eine Ausrede mehr. Erdbeereis zum Frühstück, Kekse zu Mittag, Schokolade am Abend. Der Drang ist groß. Die Erklärung dafür wiegt etwa 1500 bis 2000 Gramm: die Leber. Genauer gesagt ist es ein Hormon, welches das Organ im Oberbauch des Menschen produziert.

FGF21 nennt die Wissenschaft das Hormon, das normalerweise den Appetit auf Süßes zügelt. Ist das Gen, das den Bauplan für FGF21 enthält, aber leicht mutiert, stimuliert das die Neigung zu Alkohol-, Tabak- oder Zuckerkonsum. Lebensstil und Stoffwechsel von 6500 Dänen wurden untersucht, um dies zu belegen. Und vom Naschzwang sind übrigens nicht nur Dicke befallen.

Dass die Leber ans Großhirn Signale sendet, ist nicht neu. Schon die Ärzte der Antike ahnten: Dieses Organ ist der Sitz menschlicher Schwächen. Der Volksmund nahm dieses medizinische Fachwissen auf und spricht von der Laus, die einem über die Leber gelaufen ist, oder von einer beleidigten Leberwurst. Das heißt nichts anderes als: Die Leber schießt Stoffe in den Körper, die unsere Gefühle steuern. Die Leber ist eben ein Alleskönner - ist eine Stimmungskanone.

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