Der "Usain Bolt" der Möpse

Wie eine neue Heldengeschichte mit vier kurzen Beinen geschrieben werden könnte

"Am tiefsten unter den Hunden steht unleugbar der Mops", heißt es in Alfred Brehms "Tierleben". Der berühmte Zoologe hatte nichts übrig für das tierische Artefakt. Doch die Geschichte des Mopses ist ambivalent: Könige und Dichter liebten oder verschmähten ihn - je nach Epoche und Zeitgeist. Bei uns machte Loriot den Mops zum Kult, ohne "den ein Leben zwar möglich, aber sinnlos ist".

Keine seiner Eigenschaften wirkt zweckmäßig im Sinne einer natürlichen Ordnung - weder seine viel zu kurzen Beine, noch sein gebärunfreudiges Becken, noch sein röchelnder Atemapparat. Doch es gibt auch Möpse, die sehr schnell rennen können. So wie die viereinhalbjährige Emma. Sie ist die Favoritin beim diesjährigen Mopsrennen in Berlin. Schließlich hat sie schon die beiden Rennen in den Jahren davor gewonnen. Am Samstag im Stadtteil Lichtenrade hat Emma etwa 60 vierbeinige Konkurrenten. Ein Sprecher des Rennens sprach schon vom "Usain Bolt der Möpse". Ein Titel, der Erwartungen weckt. In den Vorjahren legte Emma die mörderische 50-Meter-Strecke in jeweils unter sechs Sekunden zurück. Andere brauchten dafür mindestens zehn Sekunden. Emma ist also auf der Jagd nach dem Triple. Gewinnt sie erneut, hätte die Welt der Möpse wieder eine Heldin- nach Fortuné, dem Schoßhündchen von Napoleons Geliebter Josephine. Dieser kaiserliche Mops soll dem großen Feldherrn in der Hochzeitsnacht mit ihrem Frauchen die Stirn geboten und ihm ins Bein gebissen haben. Danach hörten die Heldenlegenden mit Möpsen auf. Bis Emma kam.

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