Der Veggiehai: Warum dieser Fleischfresser unter den Fischen auch gerne mal ins Gras beißt

Für Horrorfilme ungeeignet: der Schaufelnasenhammerhai.

Für Sie berichtet: Ulrich Hammerschmidt

Der Himmel ist blau. Das Meer, es schimmert grün. Eine Frau im schwarzen Bikini schwimmt der Sonne entgegen. Dann geht die Kamera unters Wasser. Zeigt weiße Zähne. Die trägt ein Haifisch im Gesicht. Schwenk auf die Beine der Badenden. Harter Schnitt. Das glasklare Wasser färbt sich dunkel. Ein blutroter Schleier zieht durchs Bild.

Klappe! Im Kasten ist damit eine Szene, wie man sie aus Horrorfilmen kennt. Nüchtern betrachtet, hat man wieder mal gesehen, wie ein normaler Hai sich ernährt. Fleisch ist sein Gemüse. Das bringt ihm den Ruf ein, eine Killermaschine zu sein. Das ist die Wahrheit. Aber wie so oft nur die halbe. Es gibt solche und solche, wie Forscher aus Florida und Kalifornien nun berichten. Nicht alle Haie sind mutmaßliche Mörder.

Der Kleine Hammerhai, der mit der Schaufelnase, sieht nicht nur komisch aus - er ist es auch. Und zwar der Einzige aus einer großen, furchteinflößenden Familie, der sich nicht nur von kleineren Fischen, Krebsen oder Meeresschnecken ernährt - sondern überwiegend vegetarisch. Womit der meist rund ein Meter lange Sphyrna tiburo, wie ihn Biologen nennen, in die Kategorie der Flexitarier fällt. Ein echter Allesfresser.

Bisher nahm man an, dass der Schaufelnasenhammerhai das Seegras bei der Suche nach fressbarem Kleinvieh eher zufällig verschluckt. Nun fand man unter anderem mit Bluttests heraus: Er kann es ordentlich verdauen, zieht Nährstoffe daraus. Gemüse ist also sein Fleisch.

Auffällig geworden war dieser Außenseiterhai bereits 2001. Da brachte ein Weibchen in einem Zoo in den USA ein Junges zur Welt - ohne dass ein Männchen im Spiel war oder künstliche Befruchtung. Ein Fall von Parthenogenese - Jungferngeburt. Die bei Blattläusen, Wasserflöhen oder manchen Fischen - grob gesprochen - so funktioniert: Bestimmte Hormone spielen der Eizelle eine Befruchtung vor, worauf diese sich zu teilen beginnt und zu einem Organismus reift. Zwei Dinge sind also überflüssig in der Hammerhaiwelt: Männer und Fleisch.

Guter Filmstoff. Natürlich Science-Fiction. Titel? Im Namen der Schaufelnase.

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