Die Chilomaten

Wie man Geschmack ins Gemüse bringt

Gab es in der DDR viele Eier, hat der Staat seinen Bürgern empfohlen: Nimm ein Ei mehr! War die Ostsee voll oder das Fleisch wurde knapp, hieß es: Zweimal in der Woche Fisch - das bereichert jeden Mittagstisch! Chinas Staatsbetriebe funktionieren heute noch so, agitieren nach Kräften, wenn es zum Beispiel um den Absatz der Tudouknolle geht.

Eigentlich ist Tudou lecker. Und beliebt in aller Welt: Tudou - die Kartoffel, von der die Chinesen nun aber mehr als genug haben. So und so. Um die Ernährung vor allem im armen Westchina zu sichern, baute man dort die Tudou massenhaft an. Ist robust, braucht wenig Wasser, macht schnell satt. Doch die Chinesen wollen keine Kartoffeln, sie mögen Reis. Und das schon seit Jahrtausenden. Was soll man da machen?

Man zwang Staatsbetriebe und Universitäten, Kartoffeln für ihre Kantinen zu kaufen. In der 14-Millionen-Metropole Chengdu zum Beispiel orderte die Hochschule wiederholt fünf Tonnen Tudou. Und rief für ihre Studenten Kartoffelfesttage aus. Das heißt: morgens Kartoffeln, mittags Pommes, abends Chips. Und zwischendurch Püree, das anfangs besonders beliebt war - aber den Knollenkonsumenten irgendwann mal zu den Ohren rauskam.

Wir hier haben besonders jetzt auch ein Problem: Wir beißen in eine Tomate, doch sie schmeckt nach nichts. Ein rot eingefärbter Wasserspeicher, den man schnell satt hat. Was tun? Botaniker aus Brasilien stellen nun im Fachblatt "Trends in Plant Science" die Tomate mit Capsaicinoiden vor - feurigen Stoffen, die sonst in Chilis wohnen. Die aber auch in den Genen einer Tomate schlummern - und nur noch mit der Genschere aktiviert werden müssten. Schnipp, schnapp, scharf.

Mag sein, dass sich in Zukunft so auch eine Kartoffel manipulieren lässt. Nur: Um ein richtiges Reiskorn zu werden, ist der Erdapfel einfach zu groß.

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