Ein Näschen für Bares

Weshalb ein Schäferhund in Düsseldorf Geld riechen kann

Wir können den Braten riechen, bevor wir ihn sehen. Somit ist die Nase ein Frühwarnsystem. Ist etwas faul, essen wir es nicht, weil es stinkt. Valeriansäure zum Beispiel: Sie ist besonders pfui. Eine winzige Dosis genügt - und wir rümpfen die Nase. Denn sie riecht nach Käse, nach Schweiß. Nach Käsefüßen.

Doch schlechter Geruch ist nicht immer und für jeden gleich ein schlechter Geruch. Aromen wie Valerian-, Essig- oder Buttersäure werden von Bakterien produziert. Sie kommen im Käse vor. Tummeln sich aber auch an warmfeuchten Fußsohlen. Limburger, Harzer Rolle, alte Socken: Das eine können wir riechen. Warum das andere nicht?

"Gerüche sind sehr komplex, und wie wir sie bewerten, hängt auch vom Kontext ab", sagt Hanns Hatt. Der Forscher von der Ruhr-Universität Bochum ist ein Experte für Fußgeruch. Leuten, die den Miefmix eigentlich nicht riechen können, zeigte er zum Gestank keine verschwitzten Schuhe, sondern ein wirklich leckeres Stück Käse. Ergebnis: Der Geruch wurde nun als angenehm empfunden. Das Gehirn riecht mit. Und registriert das, was wir an Erfahrung abgespeichert haben. Den guten Braten, den schlechten Braten.

Pecunia non olet. Behauptet der alte Lateiner. Von wegen: Geld stinkt doch! Nach der verdruckten Farbe, nach Papier. Und gibt man einem Hund eine Wurst zur Belohnung, nachdem er Geldscheine erschnüffelt hat, dann merkt er sich das. Auch das nennt man: Konditionierung. Das Gehirn riecht mit.

Ein besonderes Näschen für Geld hat Luke, drei Jahre alt, ein Schäferhund des Zolls. Seit kurzem ist er am Flughafen Düsseldorf im Einsatz - als Nasenarbeiter, der darauf trainiert ist, Banknoten zu riechen. Euro, US-Dollar, britische Pfund, türkische Lira. Aber nur bündelweise. Ab 10.000 Euro. Denn die müssen bei einer Reise über die Grenze der EU dem Zoll gemeldet werden.

Was Luke kann, macht kein zweiter in Deutschland: Bargeld am Menschen erschnüffeln. Alles andere - ein Koffer voller Fisch, ein Wurstbrot - lässt ihn kalt. Sechs Monate ist er im Dienst. Auch er riecht den Braten, bevor er ihn sieht. Und war dabei sehr gut: Erschnuppert hat die Spürnase bisher 1,2 Millionen Euro insgesamt. 

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