Einmal um die ganze Welt

Er zählt bis heute zu den größten Weltentdeckern: Am 20. September 1519 stach Ferdinand Magellan in Spanien in See, um eine Westpassage zu den lukrativen Gewürzinseln zu erschließen. Dabei umrundete er erstmals die Erde.

Vor 500 Jahren hatten die Weltmächte Spanien und Portugal ihre Einflussbereiche im Vertrag von Tordesillas in eine östliche und westliche Hälfte des Globus geteilt. Da die östliche Route durch den Indischen Ozean bereits von den Portugiesen beherrscht wurde, hatten die Spanier großes Interesse an der Erschließung eines westlichen Seeweges zu den Reichtum versprechenden "Islas Especieirias" ("Gewürzinseln") - in jenen Tagen wurde Pfeffer wie Gold gehandelt: Mutige Entdecker zur See waren gefragt!

Neuere Quellenfunde deuten darauf hin, dass der als Ferdinand Magellan bekannte Entdecker um 1480 als Fernão de Magalhães in eine Familie normannischer Einwanderer im portugiesischen Vila Nova de Gaia in der Nähe der Hafenstadt Porto hineingeboren wurde. Seine Vorfahren gehörten zum Kleinadel, Fernando kam als junger Bursche an den Hof des portugiesischen Königs Manuel I. (der "Glückliche") und machte als Seefahrer Karriere. Er gelangte nach Indien und Mosambik, beteiligte sich an einem Feldzug gegen die Mauren und wurde in Marokko so schwer verwundet, dass er Zeit seines Lebens humpelte.

Aus Verärgerung über seinen Brötchengeber, der ihm eine Solderhöhung verweigerte, widerrief er seine portugiesische Staatsangehörigkeit und flüchtete 1517 nach Sevilla, um spanischer Staatsbürger zu werden. Am 22. März 1518 erhielt Magellan vom spanischen König Karl I. den Auftrag, innerhalb der westlichen Welthälfte "Inseln, Festländer, reiche Gewürzvorkommen und andere Dinge" zu entdecken. Die einzig erhaltene zeitgenössische Beschreibung von Magellans Erscheinungsbild stammt von dem Missionar Bartolomé de las Casas, der den Seefahrer in seiner "Historia de las Indias" als "kleinwüchsig und unscheinbar, aber wacker in seinen Gedanken und zu großen Taten aufgelegt" beschrieb. Der spanische König machte Magellan zum Admiral und Generalkapitän und stellte ihm für die Expedition fünf Dreimaster mit rund 500 Tonnen Laderaum zur Verfügung. Die Besatzung bestand aus 237 Mann. Magellans Flaggschiff war die "Trinidad", zu den vier Begleitschiffen gehörten die "San Antonio" (Kapitän Juan de Cartagena), die "Concepción" (Kapitän Gaspar de Quesada), die "Victoria" (Kapitän Luis de Mendoza) und die "Santiago" (Kapitän João Serrão).

Ausgangspunkt der Reise war das andalusische Sanlúcar de Barrameda am Atlantik. Magellan erreichte im Januar 1520 die Ostküste Südamerikas und schließlich die weit ins Land hineinreichende Mündung des Rio de la Plata. In der tiefen Bucht hoffte er vergeblich auf eine Durchfahrt nach Westen. Als der Erfolg ausblieb und Magellan eine drastische Kürzung der Lebensmittelvorräte anordnete, kam es zur offenen Rebellion: Die meisten spanischen Seeleute wollten sich zudem nicht länger "dem Portugiesen" unterordnen. Die Verschwörung wurde jedoch vom Generalkapitän niedergeschlagen. Der Italiener Antonio Pigafetta schrieb in das Logbuch: "Juan de Cartagena wurde vor aller Augen gevierteilt, nachdem ihm die Gnade einer letzten Beichte erwiesen worden war. Luis de Mendoza entkam nur dadurch demselben Ende, dass er trotz seiner Fesseln zu flüchten versuchte und bei diesem Fluchtversuch erstochen wurde."

Die "Santiago" erlitt auf einer Erkundungsfahrt Schiffbruch, die "San Antonio" segelte entgegen Magellans Befehl zurück nach Spanien. Mit den drei restlichen Schiffen setzte er die Reise fort, im Oktober 1520 fand er dann endlich den lang gesuchten Seeweg nach Westen zwischen Patagonien und der vorgelagerten Insel Feuerland. Die etwa 600 Kilometer lange Meerenge wurde später Magellanstraße genannt. Am 28. November erreichte der Entdecker die Südsee und nannte den Ozean wegen der ruhigen See "mar pacifico" ("friedliches Meer").

Doch der gefährlichste Teil der Reise sollte noch folgen. Für die Überquerung des Pazifiks benötigte die kleine Armada 110 Tage. Die Weiterfahrt glich einem Selbstmordkommando. Schon bald gab es an Bord kein frisches Wasser mehr, die Seeleute mussten mit Würmern und Rattenkot durchsetzten Zwieback, in Salzwasser gedünstetes und geröstetes Leder oder Suppe aus Sägespänen essen. Ein Großteil der Matrosen erkrankte an Skorbut. In ihrer Verzweiflung kauften sie sich gegenseitig Ratten ab, um diese zu verspeisen. Mindestens 21 Menschen starben.

Blickt man heute auf die Karte des Südpazifik wird die Tragik der 5000 Kilometer langen Reiseroute Magellans sichtbar: Haarscharf schrammte er an einer Vielzahl von Inseln vorbei, auf denen er sich hätte versorgen können. Als er mit seiner Crew im März 1521 auf der Insel Guam erstmals wieder Festland betrat, waren alle bis aufs Äußerste erschöpft. Zu Ehren König Phillips II. wurden die neu entdeckten Inseln später "Philippinen" genannt.

Auf der kleinen Insel Mactán kam es am 27. April zu Auseinandersetzungen mit Einheimischen. "Der ungleiche Kampf währte über eine Stunde. Auch als ein vergifteter Pfeil den rechten Oberschenkel des Generalkapitäns durchbohrte, zog sich dieser nicht zurück. Dann verwundete ihn noch eine Lanzenspitze im Gesicht. Als die Insulaner bemerkten, dass Magellan mit seinem verletzten rechten Arm kaum mehr vermochte, den Degen aus der Scheide zu ziehen, warfen sie sich auf ihn und töteten ihn", notierte Pigafetta. Nach dem misslungenen Angriff und dem Verlust der "Concepción" konnten nur noch wenige Seeleute fliehen. Unter dem Kommando des Führungsoffiziers Juan Sebastián del Cano erreichten die "Victoria" und die "Trinidad" die Molukken. Da das Flaggschiff inzwischen leckgeschlagen war, konnte einzig die "Victoria" die Rückfahrt antreten. Am 6. September 1522 erreichten nur noch 18 Überlebende wieder spanischen Boden. Sie brachten rund 26 Tonnen Gewürze heim. Auch wenn Magellan selber nicht nach Europa zurückkehrte, gilt er als erster Weltumsegler.

"Die Geschichte der Globalisierung ist die Geschichte des Kolonialismus. Globalisierungskritik, wie sie etwa von nationalistischen Populisten artikuliert wird, hat oftmals eine Schieflage. [...] Es waren die Schiffe unter Magellan, die Anfang des 16. Jahrhunderts den Globus umrundeten und damit einen globalen Kommunikationsraum geschaffen haben, der bis heute nachwirkt", sagt Geschichtsprofessor Jürgen Zimmerer von der Universität Hamburg, einer der führenden Kolonialismusforscher in Deutschland.

Eine Weltumsegelung war nie Magellans Ziel - die westliche Seeroute hatte sich als unpraktisch und viel zu weit erwiesen. Zudem war der Nachweis der Erde in Kugelgestalt nicht von allzu großer Bedeutung, da in europäischen Gelehrtenkreisen daran zu jener Zeit längst kein Zweifel mehr bestand.

Die Leistung war dennoch epochal: Nach Magellan wurden Raumsonden, Galaxien, Pinguine, Schiffe und Teleskope benannt. Vor allem in Spanien und Portugal gilt der Entdecker als Gigant der Geschichte: Zum 500-jährigen Jubiläum seiner Reise werden auf der iberischen Halbinsel Ausstellungen, Konzerte, und Theateraufführungen veranstaltet: Bis 2022 sind Feiern anlässlich der "iberischen Heldentat" geplant, wie Spaniens Vizeregierungschefin Carmen Calvo die Fahrt Magellans nennt.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...