EU-Empfehlung: Keine Symptome, kein Test auf Corona

Experten der EU-Kommission haben Standards dafür entwickelt, wer wann auf das Virus Covid-19 getestet werden soll. Denn die Tests reichen nicht für alle.

Brüssel.

Wer soll in welcher Phase auf das Coronavirus getestet werden? Die Brüsseler EU-Kommission hat Standards von ihrem wissenschaftlichen Beirat ausarbeiten lassen, damit die Ärzte und Behörden in den 27 Mitgliedsstaaten künftig nach denselben Kriterien vorgehen. Außerdem sollen die Vorgaben dafür sorgen, dass im Fall fehlender Tests nur diejenigen überprüft werden, bei denen das vordringlich ist. Denn, so die Kommission, "rechtzeitige und genaue Labortests sind ein wesentlicher Bestandteil", um die Wirkungsweise des Virus, seine Verbreitung und seine möglichen Anpassungen verstehen zu können. Unter Umständen müssten die "Teststrategien auch noch weiterentwickelt werden, sollte sich die epidemiologische Situation verändern".

Die Mediziner und Behörden in den 27 Mitgliedsstaaten sollen nach diesem Vorschlag in fünf Stufen vorgehen:

1. Oberste Priorität haben Klinikpatienten mit ernsten Atemwegserkrankungen. Sie werden als erste getestet.

2. Zur zweitwichtigsten Gruppe gehören Personen mit akuten Erkrankungen der Atemwege sowie Mitarbeiter im Gesundheitswesen mit Symptomen. Dies soll auch dann gelten, wenn die Betroffenen nur erste, leichte Anzeichen einer möglichen Infektion mit dem Virus zeigen.

3. Dann folgen Menschen mit akuten Infektionen wie Lungenerkrankungen, Krebs, Herzinsuffizienz, Nieren- oder Leberkrankheiten, Bluthochdruck, Diabetes und Immunschwäche. Bei dieser Personengruppe handelt es sich um jene, die noch nicht stationär behandelt wurden.

4. Es folgen ältere Patienten mit chronischen Krankheiten.

5. Zur letzten Gruppe zählen all jene, die in Regionen leben, in denen die Pandemie bereits aufgetreten ist. Auch in den Fällen, in denen die medizinischen Ressourcen knapp sind, dürfen diese Betroffenen zunächst zurückgestellt werden.

Patienten, die bereits als positiv bestätigt wurden, sollen vorerst kein zweites Mal getestet werden. Alle Untersuchungen, so regt die EU-Kommission an, müssten in den Händen der Hausärzte sowie der Kliniken liegen. Ob auch Menschen einem Test unterzogen werden, die zwar Kontakt mit Infizierten hatten, aber keine Symptome zeigen, könne vor Ort und freiwillig entschieden werden. Mobile Drive-In-Teststationen begrüßte die Behörde, weil sie ein Beitrag dafür seien, den Kontakt mit dem medizinischen Personal auf das Notwendigste zu beschränken.

Die Empfehlungen hat das gerade erst aufgestellte Expertenteam der Europäischen Union erarbeitet, sie müssen nun noch mit den Mitgliedsstaaten fest vereinbart werden. Von deutscher Seite gehören dem Team der Präsident des Robert-Koch-Institutes, Robert Wieler, sowie der Leiter des Instituts für Virologie der Berliner Charité, Christian Drosten, an.

Bewegung gibt es inzwischen auch bei der von der EU-Kommission eingeleiteten zentralen Beschaffung von medizinischen Produkten. "Mit der ersten Einrichtung der gemeinsamen europäischen Reserve von medizinischer Notfallausrüstung setzen wir die Solidarität der EU in die Tat um", erklärte die Präsidentin der Kommission, Ursula von der Leyen. Es geht dabei in erster Linie um medizinische Ausrüstung für die Intensivpflege wie Beatmungsgeräte, persönliche Schutzausrüstungen wie wiederverwendbare Schutzmasken sowie Impfstoffe, Therapeutika und Labormaterial.

Geplant ist, dass die Produkte von mehreren Mitgliedsstaaten gelagert und von dort aus auf die EU verteilt werden. Bisher haben sich mehr als ein halbes Dutzend Regierungen darum beworben, solche Zentren zur Vorratshaltung aufzubauen. Die Kosten werden zu 90 Prozent von der EU getragen. Bisher wurden dafür 50 Millionen Euro bereitgestellt.

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