Foodwatch-Test: Mineralölspuren in Milchpulver für Babys

Es geht um sensible Lebensmittel für Kleinkinder - und Stoffe, die darin nichts zu suchen haben. Das ruft Verbraucherschützer und die Politik auf den Plan. Weitere Untersuchungen sollen folgen.

Berlin (dpa) - In mehreren Milchpulver-Produkten für Säuglinge sind laut der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch Rückstände potenziell krebserregender Mineralöle gefunden worden.

Bei drei von vier in Deutschland gekauften Produkten seien Verunreinigungen mit aromatischen Kohlenwasserstoffen (MOAH) nachgewiesen worden, teilte Foodwatch mit. Es bestehe keine akute Gesundheitsgefahr, sagte ein Foodwatch-Sprecher auf Anfrage. Die beiden Unternehmen, Vived und Nestlé, teilten mit, die Ergebnisse sehr ernst zu nehmen.

Foodwatch fordert eine Null-Toleranz beim Gehalt dieser Stoffe in Lebensmitteln - einen gesetzlichen Grenzwert gibt es bisher nicht. Es geht um Werte zwischen 0,5 und 3 Milligramm pro Kilo. Die Organisation, die sich auf unabhängige Laboranalysen berief, forderte einen sofortigen Verkaufsstopp und den Rückruf der betroffenen Produkte in Deutschland und Österreich. Eltern sollten Kinder vorsorglich nicht mit betroffenen Produkten füttern, hieß es.

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) sagte mit Blick auf die Testergebnisse, sie verlange hier Transparenz. «Wenn sich herausstellt, dass Baby- oder Säuglingsmilch der Gesundheit unserer Kleinsten schaden könnte, darf sie nicht im Supermarkt landen.» Lebensmittel müssten sicher sein.

Das Ministerium erläuterte, die vorliegenden Daten müssten analysiert werden. Angestrebt werde dazu eine europäische Lösung, weil die Lebensmittel EU-weit gehandelt würden. Deutschland habe dafür gesorgt, dass die EU-Kommission tätig geworden sei und Daten aus allen Mitgliedstaaten auswerte. Zudem werde ein Verordnungsentwurf zu Lebensmittelverpackungen aus Altpapierstoffen vorbereitet. Ziel sei eine Verpflichtung für Unternehmen, diese so zu gestalten, dass Mineralölrückstände nicht in das Lebensmittel übergehen können. Laut Foodwatch wurden die Rückstände in «Beba Optipro Pre, 800 g, von Geburt an» und «Beba Optipro 1, 800 g, von Geburt an» von Nestlé nachgewiesen, außerdem in der «Novalac Säuglingsmilchnahrung Pre, 400g». Die hinter Novalac stehende Kölner Firma Vived teilte mit, dass sie die Testergebnisse sehr ernst nehme und mit dem Hersteller entsprechende Untersuchungen eingeleitet habe. «Inwieweit die Vorwürfe nachvollziehbar sind, können wir zurzeit noch nicht beantworten», so Vived. Auch Nestlé teilte am Abend mit, den Bericht sehr ernst zu nehmen. «Wir möchten allen Müttern und Vätern versichern, dass die Babys weiterhin sicher mit unserer Säuglingsnahrung gefüttert werden können.» Die Produkte erfüllten alle lebensmittelrechtlichen Vorschriften in Deutschland und der EU, hieß es in der Mitteilung des Unternehmens. Der Lebensmittelverband Deutschland erklärte generell, dass es eine Nulltoleranz für Mineralölkohlenwasserstoffe und ähnliche Substanzen «auch aufgrund der umweltbedingten und folglich unvermeidbaren Grundbelastung kaum geben» könne. Aus heutiger Sicht sei dies auch gesundheitlich nicht problematisch. Die Lebensmittelwirtschaft arbeite aber kontinuierlich daran, zur Reduzierung des Eintrags beizutragen.

Dass solche Ölbestandteile in geringen Mengen aus Verpackungen auf Lebensmittel wie Reis übergehen können, ist seit Jahren bekannt. Als Ursache standen bisher vor allem recycelte Kartons im Fokus: Für die Herstellung wird bedrucktes Altpapier verwendet, und die Druckfarben können Mineralöle enthalten. Foodwatch vermutet im aktuellen Fall, dass Weißblechdosen, in denen manche Hersteller ihr Milchpulver anbieten, Quelle der Verunreinigungen sein könnten.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bezeichnet diese Art von Verunreinigungen auf seiner Webseite generell als «unerwünscht». Übergänge auf Lebensmittel sollten minimiert werden. «Eine gesundheitliche Bewertung ist aufgrund der unzureichenden Datenlage nicht möglich», hieß es. Bei früheren Funden von Mineralölspuren, etwa in Schokolade aus Adventskalendern, verwiesen Experten auf geringe tägliche Aufnahmemengen.

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