Gil Ofarim präsentiert sich in einem aktuellen RTL-Posting lächelnd, Ende November 2023 (r.) räumte er vor gericht ein, dass alle Vorwürfe gegen ihn zutreffen. (Montage)
Gil Ofarim präsentiert sich in einem aktuellen RTL-Posting lächelnd, Ende November 2023 (r.) räumte er vor gericht ein, dass alle Vorwürfe gegen ihn zutreffen. (Montage) Bild: Montage: Instagram.com/IBES, dpa
Panorama
Gil Ofarims Antisemitismus-Lüge in Leipzig: Fans wollen das RTL-Dschungelcamp boykottieren

Schon bald startet die neue Staffel von „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!“ auf RTL. Doch nun gibt es ordentlich Knatsch im Netz. Grund: einer der Teilnehmer und seine Vergangenheit.

Leipzig.

Ob Känguru-Hoden essen, in ekliger Brühe plantschen oder Heulkrämpfe vor laufender Kamera: Seit über 20 Jahren schalten Freunde gepflegter Trash-TV-Abgründe bei „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“ (IBES) ein, um mehr oder weniger bekannten Promis beim Alltag im australischen Fernseh-Busch zuzusehen. Doch eine Personalie sorgt jetzt für Ärger unter den IBES-Fans.

Kaum hat RTL bekannt gegeben, wer dieses Jahr ins Dschungel-Camp einziehen wird, ist Feuer unterm Dach. Denn neben Kandidaten, wie etwa Hardy Krüger jr., Mirja du Mont oder Simone Ballack wird auch Gil Ofarim in Australien erwartet. Ofarim… da war doch was?

Erfundener Vorfall in Leipzig

Im Oktober 2021 meldete sich der jüdische Sänger in einem Video vor dem Westin-Hotel in Leipzig und behauptete, ein Hotelmitarbeiter („Herr W.“) habe ihn dort antisemitisch diskriminiert wegen seiner Davidstern-Kette.

Das Video ging viral, sorgte für jede Menge Empörung im Netz und vor dem Hotel gab es Proteste. Wer Vorurteile gegenüber Sachsen hegte, fühlte sich damals bestätigt. Der betroffene Hotelmitarbeiter wurde zunächst suspendiert und bekam teils Morddrohungen.

Bochum im April 2025: Ofarim steht mit seinem Programm „Korrektur der Zeit“ auf der Bühne des Musikclubs „Matrix“.
Bochum im April 2025: Ofarim steht mit seinem Programm „Korrektur der Zeit“ auf der Bühne des Musikclubs „Matrix“. Bild: Bernd Thissen/dpa

Das Problem: Ofarim hatte die Vorwürfe frei erfunden. Und schnell kamen Zweifel an seinen Schilderungen auf. Im März 2022 erhob die Staatsanwaltschaft Leipzig Anklage gegen den Musiker, Anfang November 2023 kam es zum Prozess.

Die Vorwürfe gegen Ofarim: falsche Verdächtigung, Verleumdung, Betrug, versuchter Betrug und Falschaussage an Eides statt.

Ende November 2023 räumte Ofarim ein, dass alles nur erfunden war: „Die Vorwürfe treffen zu. Ich möchte mich entschuldigen. Es tut mir leid. Ich habe das Video gelöscht.“ Das Verfahren wurde gegen eine Zahlung von 10.000 Euro eingestellt, die teils an die jüdische Gemeinde in Leipzig ging.

Zentralrat: Ofarim „muss Konsequenzen tragen“

Danach war der Musiker bei vielen Fans unten durch. Der Zentralrat der Juden in Deutschland kritisierte Ofarim in einem Statement.

Der einstige Teenie-Schwarm habe „all denen, die tatsächlich von Antisemitismus betroffen sind, großen Schaden zugefügt“. Und: „Neben der Öffentlichkeit hat er auch die jüdische Gemeinschaft belogen.“ Der Zentralrat fügte an: „Er muss in jeder Hinsicht die Konsequenzen für seine Lüge tragen.“

Eine Weile wurde es relativ still um Ofarim. Im März 2025 gab er dem TV-Sender RTL und dem Magazin „Stern“ Exklusiv-Interviews, bezeichnete das Leipzig-Video als den größten Fehler seines Lebens.

Auch sei er wegen posttraumatischer Belastungsstörungen und Alkoholproblemen acht Monate in einer Tagesklinik behandelt worden. So mancher warf dem Musiker anschließend vor, sich selbst als Opfer zu stilisieren.

Nun gibt es wieder Wirbel um Gil: Nachdem RTL bekannt gab, wer alles in den TV-Dschungel einzieht, sahen viele User rot, es hagelte Boykott-Aufrufe.

Nutzer greifen RTL wegen Ofarim-Teilnahme an

Auf dem Instagram-Kanal der Show notiert etwa ein User recht neutral: „Ich glaube, mit Gil Ofarim habt Ihr Euch keinen Gefallen getan und verliert dadurch einige Zuschauer.“

Andere sind da weniger zimperlich im Ton. „Gil Ofarim hat das Leben eines Menschen komplett zerstört, Menschen, die tatsächlich Opfer von Antisemitismus wurden, geschadet und wenn man sich aktuelle Interviews von Ihm anschaut, dann wirkt es nicht wirklich so, als würde er die Schuld bei sich suchen, sondern er inszeniert sich weiterhin als das arme Opfer“, erbost sich ein anderer. Und: „Kurz gesagt: RTL gibt hiermit jemandem eine Bühne der mehreren Menschen massiv geschadet hat und bis heute denkt, er sei das Opfer.“

Eine Userin kündigte derweil an: „Ok, die erste Staffel, die ich nicht gucken werde. Gil ist für mich einfach nicht tragbar mit dem, was er getan hat.“ Damit ist sie keineswegs alleine.

„Dieses Jahr ohne mich, wegen Gil“, heißt es etwa unter dem RTL-Posting. Oder: „Ne, also da bin ich raus. Gil Ofarim eine Plattform zu geben. Da habt Ihr mich definitiv verloren. Die erste Staffel, die wir nicht anschauen.“

Zahlreiche IBES-Fans verfassen ähnliche Boykott-Ankündigungen, immer wieder verlangen die (Nicht-) Zuschauer, dass RTL sich schämen solle – und Ofarim ausladen.

RTL reagierte unter einem Kommentar so: „Gil Ofarim hat sich für den Vorfall rund um seine falschen Anschuldigungen juristisch verantwortet. Gleichzeitig umfasst sein Weg als Musiker und Schauspieler deutlich mehr als die damaligen Ereignisse. Wie er heute mit seiner Vergangenheit umgeht, erfahren wir schon bald.“

Die neue IBES-Staffel startet am 23. Januar um 20.15 Uhr auf RTL sowie dem Streamingdienst RTL+. (phy)

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