Hohjahojaho!

Wie man der deutschen Kanzlerin im Senegal Respekt entgegenbringt

Staatstragend. Pastoral. Zwei Worte und eine Bedeutung, wenn man sie mit einem gelangweilten Gähnen belegt. Der Pastor auf der Kanzel. Die Kanzlerin in Westafrika. Beides klingt nach gediegenen Ansprachen, bemüht feierlichem Protokoll. Im Senegal, wo Angela Merkel am Mittwoch zum Staatsbesuch war, klang es aber mal ganz anders.

Erst die Pflicht. Dann die Kür. Die Nationalhymne - wie üblich - gab's zur Begrüßung. Gefolgt von: "Schöne Maid, hast du heut' für mich Zeit?" So empfing man die Frau aus Deutschland mit deutschem Liedgut. Hohjahojaho! Seit Tony Marshall vor 47 Jahren diesen Schlager an die Spitze der Hitparaden sang, weiß man, wie es geht, fröhlich zu sein: "Wir singen Trallala und tanzen Hopsasa ..." So einfach ist das.

Was haben die Leute in Dakar sich nur dabei gedacht? Das geht ja goarnä! Wie respektlos - denken wir, weil der Humor uns in diesen Tagen etwas abhandenkam. Falsch - mehr Respekt einer fremden Kultur gegenüber hätten die Senegalesen kaum aufbringen können als mit der "Schönen Maid". Ohne auf die eigenen rhythmischen Schmerzgrenzen Rücksicht zu nehmen, intonierte man die Noten aus dem Urwald urdeutscher Stimmungsmusik.

Wieder falsch! Die "Maid" ist ein Mädel mit Migrationshintergrund - eine alte Melodie aus Tahiti, ein Volkslied in Polynesien: "Nau Haka Taranga". Marshalls Musikproduzent schuf mit der "Pretty Maid" gar einen Nummer-1-Hit in Australien. Reinste Weltmusik also. Ähnlich wie der zweite Song, mit dem man Frau Merkel im Senegal munter den Marsch blies: "Ja, mir san mitm Radl da"- ein Immigrant, ein Gospel, ein Kirchenlied aus den USA, als bayerisches Schunkellied eingebürgert.

Auch in der Dorfkirche von Asbach bei Schmalkalden hat man das erkannt: Pastoral war gestern. Heute gibt es in diesem Gotteshaus Bibelverse und Musik auf Knopfdruck. Zur persönlichen Auswahl. Und die passende Beleuchtung dazu - von tiefviolett bis knallbunt. Je nach individueller Stimmung. "Schöne Maid"? Warum nicht? Gibt's auch in einer Punkversion von den Toten Hosen. Hohjahojaho! Hohoho! Das fetzt. Das tut gut. Vor allem in Tagen wie diesen. Ulrich Hammerschmidt

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