Immer öfter gefährden Drohnen den Luftverkehr

Fluglotsen sind beunruhigt über die steigende Zahl der Drohnen-Vorfälle im zivilen Flugverkehr. Die Zahlen sind niedrig, legen aber rasant zu.

Chemnitz.

Im vergangenen Jahr haben Piloten und Tower-Lotsen der Deutschen Flugsicherung (DFS) 158 Zwischenfälle gemeldet. 125 davon ereigneten sich im Großraum eines Flughafens. Der größte deutsche Flughafen in Frankfurt am Main war 31 Mal betroffen, Berlin-Tegel 17 Mal, Schönefeld 9 Mal. Aus Dresden gingen zwei Vorfälle in die Statistik ein.

Seit 2015 werden die Zahlen von der bundeseigenen DFS erfasst. Mit der Verbreitung von Drohnen wächst die Dynamik: 2015 wurden 14 Vorfälle registriert, 2016 bereits 64. 2017 waren es 88. 2018 hat sich die Zahl wiederum um 80 Prozent auf 158 erhöht.

Seit 2017 gilt in Deutschland eine Verordnung, die den Flugbetrieb von Drohnen regelt. So dürfen in einer Sperrzone von 1,5 Kilometern um einen Flughafen keine Drohnen geflogen werden. Ute Otterbein von der DFS hält die Regelung für ausreichend: "Mehr Gesetze können kein Fehlverhalten verhindern." Jörg Radek, Vorstandsvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GDP) für die Bundespolizei, spricht von klaren Verhältnissen: "Das Verbot besteht und wird von der Polizei auch durchgesetzt." Verstöße können als "gefährlicher Eingriff in den Luftverkehr" mit bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden.

Das Meldesystem der DFS, das auf Sichtungen der Lotsen und Piloten setzt, entstand in Reaktion darauf, dass ein Flugradar die Drohnen nicht erfasst. Die Flugsicherung und die Deutsche Telekom arbeiten seit 2016 daran, Drohnen über das vorhandene Mobilfunknetz sichtbar zu machen. Erste Feldversuche seien erfolgreich gewesen, so DFS-Sprecherin Otterbein.

Wie die 2017 von der Bundesregierung erlassene "Drohnenverordnung" bekennen sich die Akteure der Flugsicherung in Deutschland zur fairen und sicheren Integration der Drohnen in den Luftraum. Drohnen gelten als Zukunftstechnologie: Sie können Blutkonserven überbringen oder die Wartung schwer zugänglicher Anlagen übernehmen. Die Handelsplattform Amazon hat einen Flugkorridor oberhalb von sechzig Metern für gewerbliche Warentransporte vorgeschlagen. Schon jetzt genießen gewerbliche Anbieter größere Freiräume als Hobbypiloten.

Drohnen ab einer Startmasse von 250 Gramm müssen vom Halter gekennzeichnet werden, damit sich dieser im Schadensfall ermitteln lässt. Über die geltenden Gesetze hinaus spricht sich die Deutsche Flugsicherung für eine Registrierungspflicht von Drohnen aus. Eine europäische Regelung sei absehbar, sagte dazu die DFS-Sprecherin am Montag.

Die Verfolgung von Drohnenpiloten, die gegen bestehende Gesetze verstoßen, fällt als "Gefahrenabwehr" in die Zuständigkeit der Polizei - der Bundespolizei im Bereich der Flughäfen und im umliegenden Gelände die jeweilige Landespolizei. Für die Eigensicherung sind die Flughafenbetreiber zuständig.

Die Zahl der Drohnen in Privatbesitz wird von der DFS auf rund eine Million Exemplare geschätzt. Eine genaue Statistik fehlt. Kleinere Modelle sind im Handel für unter 100 Euro zu bekommen.

Bei einer Kollision mit einem Flugzeug verursachen Drohnen bei glimpflichem Verlauf etwa eine Beule in der Aluminiumhaut. Wenn Piloten sie entdecken, können sie die Gefahr umfliegen. Fluglotsen reagieren auf Drohnensichtungen am Flughafen beispielsweise, indem sie vorübergehend keine Start- oder Landefreigabe erteilen. Tagelange Sperrungen eines Flughafens wie in London-Gatwick im letzten Dezember sind in Deutschland noch nicht vorgekommen. Allerdings musste zum Beispiel eine Lufthansa-Maschine aus München nach Köln-Bonn im April 2018 ungeplant in Düsseldorf landen, weil sie wegen einer Drohnenbegegnung am Zielflughafen keine Landeerlaubnis erhalten hatte.

Brenzlig würde eine Kollision in der Luft, wenn zum Beispiel größere Teile aus der Flugzeugaußenwand herausbrächen und in ein Triebwerk gerieten. Im Allgemeinen gilt die zivile Luftfahrt als sicher: 2017 war das Jahr mit den wenigsten Unfällen in der Luftfahrtgeschichte, 2018 galt als eines der zehn sichersten Jahre. Angesichts der Dynamik von Vorkommnissen mit unbemannten Fluggeräten raten Experten aber zu erhöhten Anstrengungen, dass es so bleibt. Die Deutsche Flugsicherung fährt Aufklärungskampagnen zum "richtigen" Drohnenflug und hat eine (für die Nutzer kostenlose) App entwickelt, die über geltende Regeln für die Verwendung von Drohnen in Deutschland informiert.

Jörg Radek, Vorstandsvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GDP) für die Bundespolizei, appelliert an das Verantwortungsbewusstsein der Drohnennutzer. Er sagte der "Freien Presse" am Montag: "Wer mit Drohnen versucht, einen Flughafen zu überfliegen und den Flugverkehr zu stören, löst eine Gefahr mit unabsehbaren Folgen aus und gefährdet damit unschuldige Passagiere!"

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