Massenwanderung chinesischer Wollhandkrabben an der Nordsee

Vor Jahrzehnten kamen sie als blinde Passagiere von China aus nach Deutschland. Aufgrund günstiger Bedingungen und weniger natürlicher Feinde konnten sie sich gut entwickeln. Massen von ihnen strömen nun für nur einen einzigen Grund an die Nordseeküste.

Thedinghausen/Berlin (dpa) - Chinesische Wollhandkrabben sind derzeit auf dem Weg an die Nordsee teils in großer Zahl unterwegs.

In Thedinghausen sind es Hunderte: «Nachts und in der Dämmerung wandern sie in Massen», sagte Sönke Haverich von der Gemeinde im Kreis Verden. Bisher seien die Tiere nur vereinzelt wahrgenommen worden, plötzlich seien sehr viele da. «Ich kann mir durchaus vorstellen, dass der ein oder andere Angst hat, dort zu fahren, wenn die Krabben zu Hunderten die Straße überqueren.» Um die Unfallgefahr zu verringern, wurden Warnschilder aufgestellt.

Die Tiere, die ihren Namen von den behaarten Scheren haben, stammen aus China. Mit Frachtschiffen kamen sie nach Deutschland und breiteten sich vor allem in der Nähe der Nordseeküste aus. Erstmals nachgewiesen wurden Wollhandkrabben 1912 in der Aller, einem Nebenfluss der Weser. Die ausgewachsenen Tiere leben im Süßwasser. Am Ende ihres Lebens laufen sie zur Paarung und Eiablage Richtung Nordsee. Dem Naturschutzbund (Nabu) zufolge werden bis zu 900.000 Eier pro Tier im Brackwasser abgelegt.

Wie viele Wollhandkrabben derzeit in Deutschland leben, ist unbekannt. «Sie können sich in unseren Breiten recht gut entwickeln», sagt Arne von Brill vom Nabu in Verden. Die Zahl der Feinde sei gering, nur wenige Vögel wie Möwen und Reiher fräßen die Krabben. Nach einem vom Bundesamt für Naturschutz in Bonn veröffentlichten Dokument wurden selbst in Baden-Württemberg schon Wollhandkrabben nachgewiesen.

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