Mehr als wehende Fuchsschwänze und flache Witze

Die Werbung war vollmundig: "Jeder Mann ein Manta-Mann". Vor 50 Jahren, am 25. September 1970, präsentierten die Opel-Händler ihr neues Coupé. Fast zwei Jahrzehnte lief das kultige Auto vom Band.

Wild und schön. Urbild der Stärke. Schnell ist er. Und wendig. Stolz in jeder Bewegung. Er liebt die Einsamkeit der Starken. Nichts fürchtet er - aber von Ihnen wird er sich meistern lassen." Mit dieser hochtrabenden Ankündigung startete damals die Opel-Kampagne. Der Erfolg ließ dann auch nicht lange auf sich warten. Allein in Deutschland wurden bis zum Jahreswechsel 22.000 Kaufverträge abgeschlossen, in Europa waren es sogar rund 56.000.

Der Manta gilt bis heute als das Aushängeschild für Opels goldene Epoche: Ab 1967 brachten die Rüsselsheimer weitere Klassiker wie den Commodore, den GT oder den Ascona auf den Markt. Mit Schwung ließ der Autobauer den Ruf der Spießer-Marke hinter sich und emanzipierte sich vom Mutterkonzern General Motors (GM).

Dabei war die Manta-Entwicklung vor allem der Konkurrenz geschuldet. Anfang 1969 hatte Ford auf Basis des britischen Cortina das sportliche Capri Coupé im Stil der US-Muscle-Cars auf dem Brüsseler Autosalon vorgestellt. Opel musste auf "die Bedrohung aus Köln" reagieren, und so wurde aus dem geplanten Kadett C der Ascona A und aus der Kadett Coupé-Variante der eigenständige Manta. "Für die Entwürfe blieben nur wenige Wochen Zeit", erinnert sich Opels damaliger Chefdesigner George Gallion.

Auch zur Namensfindung trug Gallion ein gutes Stück bei. "Tiernamen passten zum Zeitgeist, in den USA gab es den Ford Mustang, den Plymouth Barracuda und die Corvette Stingray (Stachelrochen), wir entschieden uns ebenfalls für einen Rochen, den Manta", blickt Gallion mehr als 50 Jahre zurück, "doch wir fanden keine geeigneten Vorlagen." Also musste er in geheimer Mission zum berühmten französischen Meeresforscher Jacques Cousteau nach Paris reisen, um Fotos von im Wasser schwebenden Manta-Rochen aus dem Roten Meer zu erhalten.

Die Rechte am Autonamen "Manta" hatte Chuck Jordan, Chefdesigner bei GM, dem Italiener Giorgio Giugiaro bei einem Mittagessen abgeschwatzt; selbstverständlich gegen eine entsprechende Bezahlung. Giugiaro entwarf u. a. den Lotus Esprit, den Fiat Panda, den Lancia Delta und den VW Golf I. Werksintern lief das Projekt Manta unter dem Arbeitstitel "longnose coupé" ("Langen-Nase-Coupé). Das kompakte Auto bot fünf Sitzplätze und einen großen Kofferraum, drei Ausstattungslinien (Standard, Luxus und SR) verfügten zwischen 60 bis 90 PS. Der Neupreis für das günstigste Modell betrug 8559 D-Mark. Während der fünfjährigen Bauzeit ergänzten verschiedene Sondermodelle wie "Holiday", "Plus", "Swinger" und "Sommer-Bazar" die Angebotspalette. Bis zum Sommer 1975 wurden knapp 500.000 Manta A gebaut. Die zweite Auflage des Teufelsrochens startete optisch geglättet und gestreckt mit zwei Varianten im Programm. Der letzte von 557.940 gebauten Manta B lief im August 1988 im Werk Antwerpen vom Band.

In den 1980er- und 1990er-Jahren wurde das Auto mit dem Teufelsrochen-Emblem zum Objekt der Begierde von Tuning-Liebhabern. Der "Fluch" traf vor allem den Manta B, das Urmodell blieb weitestgehend verschont. 1991 kamen die Filme "Manta, der Film" sowie vier Wochen später "Manta, Manta" (mit Til Schweiger als Berti und Tina Ruland als Uschi) in die Kinos. Den Soundtrack dazu lieferten "Die Ärzte" mit "Wir fahren Manta, Manta". Im selben Jahr erschien von der Gruppe "Norbert und die Feiglinge" auch der Song "Manta". Angeblich inspiriert durch eine Saalwette in Thomas Gottschalks Sendung "Wetten, dass ...?" vom März 1991 wurden Mantawitze immer populärer. Der typische Mantafahrer als Stereotype für diese Art von Proll heißt gern Manni, spricht vorzugsweise im Ruhrpott-Slang und trägt Goldkettchen, Cowboystiefel sowie eine Vokuhila-Frisur. Aus dem bei jeder Temperatur geöffneten Seitenfenster lässt er stets seinen Ellenbogen herausragen, das getunte Auto mit Spoiler ist tiefer gelegt, an der Antenne prangt ein Fuchsschwanz und an der Heckscheibe ein Kenwood-Aufkleber. Die Beifahrerin des Machos ist eine blonde Frisöse, deren Intellekt auf niedrigem Niveau sich seinem hervorragend anpasst. Seine größten "Feinde" sind VW-Golf-GTI-Fahrer ("Golfkrieg"). Eine beliebte Start Line für die Witze lautet: "Steht ein Manta vor der Uni..."

Erst vor wenigen Monaten hat der Opel-Vorstandsvorsitzende Michael Lohscheller Gerüchte über ein Comeback des Mantas befeuert, 2022 könnte es eine elektrifizierte Neuauflage des Kult-Opels geben: "Diese Manta-Idee ist schon gut", weckte er bei allen Fans neue Hoffnungen.

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