Mit Netz und Harpune

Wie die europäische Raumfahrtbehörde zur kosmischen Müllabfuhr werden will

Wer denkt, dass Müll nur ein irdisches Problem ist, der irrt. Wir Menschen schaffen es, auch den Weltraum nach und nach zuzumüllen. Der Erdorbit gleicht einer Müllhalde. Abgebrannte Raketenoberstufen, tote Satelliten, von Astronauten verlorenes Werkzeug - und 166 Millionen große und kleine Schrottteile kreisen um unseren Planeten. Jetzt soll mal wieder aufgeräumt werden. Doch bislang galt stets: viel Müll, viele Ideen, aber wenig Geld.

Immerhin fliegt der Schrott mit mehreren Zehntausend Kilometern pro Stunde quasi über unsere Köpfe hinweg. Geht das so weiter, muss selbst die internationale Raumstation ISS Slalom fliegen. Nun hat der Bremer Raumfahrtkonzern Airbus Defence and Space eine neue Idee vorgestellt: ein sternförmiges Netz, das dem Müll entgegenfliegt, es dabei auffängt und sich rasch um ihn herum zuzieht. Möglich machen das kleine Motoren an den sechs Enden. "Damit der Fisch, den man gefangen hat, nicht mehr entwischt", sagte Projektleiter Ingo Retat. Müllfischer im All? Zumindest stinkt er nicht, der Müll. Oder doch?

Gerade wurde das Bremer Fangnetz zum ersten Mal erfolgreich im Weltraum getestet. Im Sommer startete ein Forschungssatellit von der ISS ins Weltall, der mit Netz und zusätzlich einer Harpune Objekte einfangen soll. Das Netz samt Beute trudelt einfach in die unendlichen Weiten auf und davon. Mit einer Harpune würde der eingefangene Schrott über eine Leine eingeholt. Klingt nach Science-Fiction. Die beste Lösung wäre natürlich, Müll zu vermeiden. Ist aber bei der zunehmenden Kommerzialisierung der Raumfahrt illusorisch. Vor 15 Jahren hatten sich 13 Raumfahrtagenturen Richtlinien gegeben, was mit Satelliten am Ende ihrer Lebensdauer geschehen muss. Hält sich nur keiner daran. Netz, Harpune oder Plasmastrahl zum Abbremsen des Schrotts. Viele Ideen, aber man ahnt es schon: Eher kommt noch die Gelbe Tonne im All zum Einsatz als diese teure Müllabfuhr.

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