Die Deutsche Bahn kontrolliert die von ihr eingesetzten Fahrzeuge mit verschiedenen Zugbeeinflussungssystemen.
Die Deutsche Bahn kontrolliert die von ihr eingesetzten Fahrzeuge mit verschiedenen Zugbeeinflussungssystemen. Bild: Julian Stratenschulte/dpa
Panorama
Mit welchen Sicherheitssystemen die Bahn arbeitet

Spezielle Systeme sollen Unfälle auf Schienen verhindern. Welche Technik in Deutschland bereits im Einsatz ist und welche Pläne die EU zwecks einer europäischen Vereinheitlichung verfolgt.

Berlin.

Nach dem schweren Zugunglück im Süden Spaniens mit Dutzenden Toten stellt sich die Frage nach der Sicherheit in Deutschland. Eine zentrale Rolle spielen Zugbeeinflussungssysteme. Sie sorgen dafür, dass Züge zum Stehen kommen, wenn Signale nicht beachtet oder die zulässigen Geschwindigkeiten nicht eingehalten werden.

Sicherheitssysteme im deutschen Fern- und Nahverkehr

Im rund 33.000 Kilometer großen Netz der Deutschen Bahn sind nach Angaben einer Sprecherin seit 2018 alle Strecken mit einem Zugbeeinflussungssystem ausgerüstet. Die Punktförmige Zugbeeinflussung (PZB) wurde dabei nach ihren Worten flächendeckend verbaut.

Das elektronische System beruht auf punktuellen Überprüfungen an bestimmten Stellen der Strecke durch Sensoren an Gleis und Fahrzeug. Wenn ein Zug ein Haltesignal überfährt, wird automatisch eine Zwangsbremsung eingeleitet. Außerdem überwacht das System, ob die zulässige Geschwindigkeit überschritten wird. Das soll Kollisionen verhindern. Allerdings hat das System Schwächen: Nach einem Bericht der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung ist es möglich, dass Lokführer die automatisch eingeleitete Zwangsbremsung unter Umständen aufheben können.

Eher im Fernverkehr auf Hochgeschwindigkeitsstrecken ist die Linienzugbeeinflussung (LZB) gefragt. Im Gegensatz zur punktförmigen Überwachung der PZB hat die LZB die gesamte Strecke im Blick. Der Zug wird dadurch permanent geführt. Das System kommt nach Angaben der Bahn-Sprecherin auf rund 8 Prozent des Streckennetzes zum Einsatz.

Ziel ist ein digitales System in den EU-Ländern

Von solchen Systemen gibt es mehr als 20 verschiedene in Europa. Diese sollen abgelöst und damit vereinheitlicht werden. Nach Vorstellung der Europäischen Union soll das European Train Control System (ETCS) als Standard die nationalen Sicherungssysteme ersetzen und den grenzüberschreitenden Verkehr sicherer und effizienter gestalten. Bei ETCS werden Informationen wie Geschwindigkeit, Signalstellung und erlaubte Fahrwege digital und direkt in die Lokführer-Kabine übertragen. Das System überwacht die Geschwindigkeit und hält automatisch Sicherheitsabstände ein.

In Deutschland steht der ETCS-Ausbau allerdings noch am Anfang. Allianz pro Schiene kritisiert, dass Ende 2024 nur rund 1,6 Prozent des Bundesschienennetzes mit der Technik ausgerüstet gewesen seien. Der Interessenverband sieht das vom Bund gesetzte Ziel in Gefahr, das gesamte Netz bis spätestens 2040 umzurüsten. Zuletzt gab es bei der Sanierung von Bahnstrecken teilweise eine Doppelausrüstung mit ETCS und PZB - beispielsweise bei der Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim. (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
Das könnte Sie auch interessieren
06.02.2026
4 min.
Ehemalige Ausflugsgaststätte im Erzgebirge: Warum dieses Haus eine ungewisse Zukunft hat
Andreas Schwarczenberger, Vorsitzender des Historischen Bergbauvereins Aue, der sich im Parkschlösschen in Aue ein Vereinsdomizil geschaffen hat.
Das Parkschlösschen in Aue befindet sich in einem schlechten Zustand. Dennoch hat sich jetzt ein Käufer gefunden, die Stadt will es nicht. Die Vereine, die es aktuell nutzen, stehen vor einer ungewissen Zukunft.
Heike Mann
05.02.2026
2 min.
Notlage auf der Klingenthaler Alm: Jetzt greift die Oberbürgermeisterin ein
Stadt sagt Schnee und Glätte Kampf an: Jetzt wird die Straße Zur Alm befahrbar gemacht.
Seit Wochen geht es für die Bewohner nur durch Tiefschnee zu Fuß auf die Klingenthaler Alm. Jetzt organisiert die Oberbürgermeisterin einen Winterdienst. Auch, um den Weg für Handwerker freizumachen.
Daniela Hommel-Kreißl
28.01.2026
5 min.
Oma-Look oder Upcycling: Gebrauchte Pelze feiern Comeback
Pelze sind wieder salonfähig - vor allem, wenn es gebrauchte Stücke sind.
In Berlin steht die Fashion Week an. Da geht es um neue Trends. Vintage-Freunde setzen dagegen auf einen alten Klassiker, ein Thema, das immer wieder polarisiert: Pelz. Was steckt dahinter?
Anne Holzki und Anja Sokolow, dpa
11.01.2026
2 min.
Wie Lawinen entstehen – und was sie so gefährlich macht
Selbst vergleichsweise geringe Schneemengen stellen eine Lawinengefahr dar. (Symbolbild)
Gleich mehrere tödliche Unglücke gab es am Wochenende wegen Lawinen in den Alpen. Oft genügt eine instabile Schicht, um ganze Hänge zum Abrutschen zu bringen. Wie solche Schwachstellen entstehen.
12:15 Uhr
2 min.
Brand in Voigtsdorf: „Paar Minuten später wäre das Wohnhaus dran gewesen“
Symbolbild: Eine Einsatzkraft der Feuerwehr steht neben einem Einsatzfahrzeug.
Das Nebengelass eines Wohnhauses stand am Samstag in Voigtsdorf in Flammen. Wehrleiter Tobias Müller berichtet vom Einsatz mit 51 Einsatzkräften. Der Schaden ist hoch.
Cornelia Schönberg
12:15 Uhr
4 min.
Nach Ofarims brisanten Aussagen reagiert sein Anwalt
Gil Ofarim hat sich im Dschungelcamp nun doch eingehend zum Prozess in Leipzig geäußert. (Handout)
Juristisch ist der Davidstern-Skandal seit mehr als zwei Jahren vom Tisch. Doch jetzt äußert sich Gil Ofarim mit brisanten Behauptungen zu seinem Prozess. Und dann meldet sich auch noch sein Anwalt.
von Jonas-Erik Schmidt und Taylan Gökalp, dpa
Mehr Artikel