Petri Heil

Wie ein britisches Dokument von 1666 belgischen Fischern helfen soll

Wir schreiben das Jahr 2021. Ein wackerer britischer Premierminister namens Boris hat die gesamte EU-Fangflotte aus den eigenen Hoheitsgewässern vertrieben. Die ganze? Nein, mutige flämische Fischer fahren weiter in die Irische See und werfen dort ihre Netze aus. In London kann man nichts dagegen tun.

So fangen Märchen an. Die unglaubliche Geschichte beginnt um 1656. König Charles II. ließ sich in Brügge nieder. Als er 1666 das Städtchen, das damals noch am Meer lag, wieder verließ, war er so angetan von den Menschen, dass er 50 Fischern ein "Privileg" ausstellte. Sie sollten "für ewig" in den britischen Hoheitsgewässern fischen dürfen.

Fast drei Jahrhunderte später wurde die Echtheit des Dokumentes bestätigt. In den 1970er-Jahren ließ die britische Regierung selbst das Original in London prüfen. Ein Stadtverordneter aus Brügge testete die Belastbarkeit der Schrift kurz nach der Wiederentdeckung des Dokuments 1964. Er begab sich auf ein Fischerboot und fuhr in britische Hoheitsgewässer ein, um sich festnehmen zu lassen. Sein Ziel: Er wollte einen historischen Prozess provozieren. Er wurde nicht mal verhaftet.

So dürfen die Fischer von Brügge, damit der Fisch nicht fault, derzeit (noch) ihren Fang in Häfen des Vereinigten Königreiches verkaufen. Die Reise nach Belgien würde zu lange dauern. Doch sagt man den Flamen nach, als Politiker realistisch zu sein. Dass ihr "ewiges Privileg" auch im nächsten Jahr noch gilt, glauben wohl nur wenige. Aber sticheln will man schon. Schließlich heißt "ewig" doch ewig, oder?

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