"Puff!" - Warum ein alter Loriot-Sketch erst 2022 seinen bösen Hintersinn verliert

Heiligabend läuft "Weihnachten bei Hoppenstedts", Silvester "Dinner for One". Seit Jahrzehnten dasselbe Programm. Das kann daran liegen, dass beide Sketche so aktuell geblieben sind. "Dinner for One": Noch nie zuvor dürften so viele Neunzigjährige bei guter Gesundheit Geburtstag gefeiert haben wie heute. "Weihnachten bei Hoppenstedts": Atomkraftwerke können "Puff!" machen, das weiß seit Tschernobyl und Fukushima nun wirklich jedes Kind.

Die Neunzigjährigen werden gerade mehr - die Atomkraftwerke weniger. Neunzigjährige Atomkraftwerke werden wir in Deutschland nicht mehr sehen, vorausgesetzt, die Energiewende kommt voran und die öffentliche Meinung macht in dieser Frage keine Sprünge mehr. Natürlich gibt es Mitmenschen mit erhöhter Risikobereitschaft, die den Kernenergie-Ausstieg für dumm und überflüssig halten. Leider hat noch keiner von denen seinen Keller oder Garten als Endlager hergegeben, wo die ausgeglühten Stäbe dann 250.000 Jahre erschöpft vor sich hinknistern könnten. Das Endlager bleibt ein ungelöstes Problem.

Am Silvestertag ist nun ein weiterer Reaktor abgeschaltet worden, wie es nach Fukushima beschlossen worden war. Das Ende von Block B im Atomkraftwerk Gundremmingen ist ein Meilenstein, denn es war ein Block des Atomkraftwerks mit der früher größten Leistung. 1977 kam es dort fast zum "Puff". Radioaktives Kühlwasser strömte in das Reaktorgebäude ein. Ergebnis: Wirtschaftlicher Totalschaden. Block A wurde danach stillgelegt, die Blöcke B und C gingen 1984 in Betrieb. Noch 2012, also nach Fukushima, befürwortete das bayerische Umweltministerium eine Leistungserhöhung. Jetzt, nach der Abschaltung des Blocks, sind noch sieben Atomkraftwerke hierzulande in Betrieb. Block C in Gundremmingen geht 2021 vom Netz, der letzte Kernreaktor auf deutschem Boden Ende 2022.

Und falls dann noch einmal Opa Hoppenstedt vor den Augen seines teilnahmslosen Enkels einen Brennstab in den Spielreaktor schiebt, die Anlage "Puff!" macht und ein Loch in den Fußboden reißt, können wir darüber lachen, ohne uns noch Sorgen zu machen.

Bewertung des Artikels: Ø 1 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...