Schall und Rauch

Wie ein neues Gesetz ungeliebte Vornamen in die zweite Reihe verbannt

Dichterfürst Goethe hielt Namen für eine flüchtige Erscheinung. Im "Faust" heißt es: " Ich habe keinen Namen dafür! Gefühl ist alles; Name ist Schall und Rauch." So wie Faust sehen es heutzutage aber nicht alle. Für sie sind etwa Vornamen wichtig.

Nicht jeder hat wie der schneidige Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg gleich zehn davon. Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Buhl-Freiherr von und zu Guttenberg wäre korrekt. Doch auch Normalsterbliche ohne blaues Blut in den Adern haben oft mehrere Vornamen. Doch mancher ist mit dem ersten Namen unglücklich, mit dem er/sie auch gerufen wird. Seit November 2018 ist es per Gesetz mit dem Formular "Bestimmung der Reihenfolge der Vornamen" möglich, ungeliebte Rufnamen ins Abseits zu stellen. Wer etwa nicht Ulrich gerufen werden will, sondern Christian, kann letzteren Namen an die erste Stelle in der Geburtsurkunde rücken.

Wozu der Aufwand? Seit der Einführung des neuen Personalausweises im Chipkartenformat 2010 werden die Namen nach der in der Geburtsurkunde angegebenen Reihenfolge in die maschinenlesbare Zone des Ausweises übernommen. Zur Zeit ist es problematisch, den im Alltag gebräuchlichen Vornamen in Reisedokumente und behördliche Unterlagen zu übernehmen, wenn dieser nicht der erste Vorname ist.

In Sachsen gab es bereits erste Anträge. Spitzenreiter ist Dresden. Im November waren es 45, im Dezember 16 und im Januar 25 Personen, die ihre Vornamen neu sortieren wollten. Kostet alles Geld. Und ein neuer Pass muss auch her. Neue Namen oder Änderungen sind nicht möglich. Bindestrich-Namen werden auch nicht geändert: Karl-Heinrich bleibt Karl-Heinrich. Da gibt es kein Pardon.

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