Seenotretter Claus-Peter Reisch in Weimar ausgezeichnet

Als Kapitän eines Schiffs der Seenotrettungsinitiative Mission Lifeline half er Migranten. Inzwischen steht Claus-Peter Reisch vor Gericht - erhält aber auch Auszeichnungen für sein Tun.

Weimar (dpa) - Der Kapitän des zivilen Seenotrettungsschiffs «Lifeline», Claus-Peter Reisch, ist mit dem «Löwenherz»-Ehrenpreis der Hilfsorganisation Human Projects ausgezeichnet worden. «Sein alternativloser friedensstiftender Weg bei der Rettung schiffbrüchiger Menschen im Mittelmeer ist beispielhaft in einer Zeit, in der an den Grenzen Europas Menschen sterben, weil ihnen absichtsvoll die Rettung verweigert wird», hieß es in der Jury-Begründung. Das teilte die Hilfsorganisation am Dienstagabend bei der Preisverleihung in Weimar mit. Das Preisgeld von 5000 Euro geht an die Dresdner Seenotrettungsinitiative Mission Lifeline.

Reisch hatte im Juni vergangenen Jahres mit der «Lifeline» Migranten aus dem Mittelmeer gerettet. Tagelang wurde das Schiff blockiert. Es durfte erst in Malta anlegen, nachdem mehrere EU-Staaten zugesagt hatten, die Flüchtlinge aufzunehmen. Der Kapitän wurde verhaftet und vor Gericht gestellt, die «Lifeline» festgesetzt. Der Vorwurf lautete, das Schiff sei nicht ordnungsgemäß registriert gewesen.

Reisch sagte «MDR Aktuell» zuvor, er vermisse bei den Gerichtsterminen in Malta Hilfe seitens der Bundesregierung: «Die Botschaft ist zwar immer mit zwei Personen bei den Verhandlungsterminen vertreten, aber ich kann nicht erkennen, dass das für mich irgendeinen Nutzen hat.»

«Der Auftrag, den wir heute haben, lautet, dass wir keine Menschen ertrinken lassen dürfen», sagte Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) in seiner Laudatio am Dienstagabend. Es müsse dafür gekämpft werden, dass Humanität die Grundlage des Handelns sei. Zu oft sei aber das Gegenteil zu erleben. Ramelow pflegt laut Staatskanzlei seit vielen Jahren eine freundschaftliche Beziehung zu Reisch.

Quasi zeitgleich zur Preisverleihung wurde bekannt, dass die EU einen umstrittenen gegen Schleuserkriminalität gerichteten Marineeinsatz vor der libyschen Küste vorübergehend aussetzen möchte - bei der Operation wurden auch Migranten aus Seenot gerettet. Hintergrund ist Uneinigkeit unter den EU-Ländern über Aufnahme der Geretteten.

Mission Lifeline ist derweil weiterhin auf der Suche nach einem neuen Schiff, wie Sprecher Axel Steier am Dienstag sagte. Bemühungen um ein Charter-Schiff aus den Niederlanden seien geplatzt. Zudem plane die Hilfsorganisation eine Aktionswoche: Vom 16. bis 21. Juni rufe sie private Jacht-Besitzer im Mittelmeer zu einer Demo auf See auf.

Human Projects ist eine Hilfsorganisation aus Baden-Württemberg. Mit dem «Löwenherz» will sie Menschen auszeichnen, die sich besonders für eine friedliche Welt einsetzen. Bisherige Preisträger sind der Liedermacher Konstantin Wecker, der ehemalige sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow und das Oberhaupt der Tibeter, der Dalai Lama.

Dem Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen zufolge kamen 2018 mindestens 2275 Menschen auf dem Weg über das Mittelmeer ums Leben. Kritiker von Rettungsaktionen sind etwa der Ansicht, dass durch solche Hilfen für Schlepper und Migranten die Schwelle sinke, etwa auf seeuntaugliche Boote zu setzen.

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