Städte wollen E-Tretroller besser mit dem ÖPNV kombinieren

An den E-Tretrollern, die seit mehr als zwei Monaten durch die Städte flitzen, scheiden sich die Geister. Fluch oder Segen? Städtetag und Gemeindebund haben nun «Handlungsempfehlungen» vorgelegt.

Berlin (dpa) - «Hippes Touristenspektakel» - oder sinnvoller Beitrag zu einer Verkehrswende? In Großstädten haben E-Tretroller bisher eher für Probleme gesorgt: Zugeparkte Gehwege, wildes Abstellen, betrunkene Fahrer.

Doch die E-Scooter könnten unter optimalen Bedingungen vor allem für kürzere Fahrten eine sinnvolle Ergänzung zu einem städtischen Mobilitätssystem werden. Dafür müssten die Städte strategisch vorgehen und bestimmte Regeln durchsetzen. Das geht aus Handlungsempfehlungen des Städtetags und des Gemeindebundes an Kommunen hervor. Das Papier liegt der Deutschen Presse-Agentur vor.

Obwohl es in Deutschland noch keine umfangreiche Analyse gebe, würden sich seit der Erlaubnis für die Roller Mitte Juni problematische Tendenzen zeigen. So erreiche die Nutzung der Roller bisher das Ziel, im Innenstadtverkehr die Autos zu ersetzen, kaum. Nach bisherigen Erfahrungen und Analysen in den USA und Frankreich würden die Fahrten mit den E-Tretrollern am häufigsten Fußwege ersetzen, schreiben die Autoren der Denkfabrik Agora Verkehrswende.

In Frankreich gaben 47 Prozent der Befragten an, sie seien ohne die Roller zu Fuß gegangen, weitere 29 Prozent hätten ansonsten Bus oder Bahn genommen. Zudem seien die E-Scooter ab einer mittleren Strecke teurer als Busse und Bahnen und Leihräder.

Die Verleihsysteme der E-Roller müssten daher eng mit dem öffentlichen Personennahverkehr verzahnt werden. «Je nahtloser die Leihroller in den ÖPNV integriert werden, desto eher besteht die Chance, dass ÖPNV-Kunden diese als neue Option auf der ersten und letzten Meile wahrnehmen.»

Am Rand von Großstädten sowie in kleineren Städten seien derzeit oft aber keine Leihrollerangebote verfügbar. «Gerade dort, wo die Leihroller den ÖPNV stärken könnten, fehlt das Angebot.» Weiter heißt es: «Nur wenn das private Auto in den Städten an Attraktivität verliert, werden neue Mobilitätsdienstleistungen wie Elektroleihroller eine Chance haben, positive Wirkungen entfalten zu können.»

In den Handlungsempfehlungen für die Städte und Gemeinden heißt es nun, Leihroller sollten «nicht ausschließlich als Problem», sondern gleichermaßen als Chance verstanden werden - die es als Beitrag für einen klimaverträglichen Stadtverkehr zu nutzen gelte.

«Ob sich die Elektroleihroller schlussendlich nur als hippes Touristenspektakel erweisen oder ob sie sich langfristig als ernstzunehmende Mobilitätsoption in den Städten und Gemeinden etablieren können», hänge im Wesentlichen von der Integration der Leihangebote in den Stadtverkehr ab.

Empfohlen werden feste Aufstellpunkte und Parkzonen für die E-Tretroller. Außerdem Sperrzonen, wie es sie in einigen Großstädten, etwa in Berlin direkt vor dem Brandenburger Tor, bereits gibt. Bisherige Parkplätze für private Pkw könnten für die Roller reserviert werden. Auch die Radwege, auf denen Rollerfahrer vor allem unterwegs seien, müssten ausgebaut werden. Zudem könnte die Zahl der E-Scooter in den jetzt schon engen Innenstadtbereichen begrenzt werden. In «nachfragestarken Bereichen» komme es ansonsten zur Überlastung des Stadtraums.

Das Papier geht auch auf die Öko-Bilanz der E-Scooter ein. «Wie alle anderen Fahrzeuge auch beginnen Elektrotretroller ihren Lebenszyklus mit einem "ökologischen Rucksack".» Dieser werden bei den Rollern unter anderem durch die Batterie «gefüllt». Hinzu kommen die «nicht vernachlässigbaren» Treibhausgasemissionen, die auf die Herstellung der Fahrzeugteile aus Aluminium zurückzuführen seien.

Für den Betrieb gelte: «Je höher der Anteil an grünem Strom im Netz, desto klimafreundlicher sind Elektrotretroller unterwegs. Wegen eines verhältnismäßig geringen Energieverbrauchs der Fahrzeuge könne auch ein geringes Ersetzen von Pkw-Fahrten bereits zu deutlichen CO2-Einsparungen in der Gesamtbilanz führen.

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