Tiefseetaucher: Warum Quietscheentchen nicht nur in der Badewanne schwimmen

In einem guten Haushalt geht nichts verloren. In einem schlechten leider auch. Was dazu führt, dass sich auf einen strahlenden Rekord ein kleiner Schatten legt. 10.928 Meter - nie zuvor ist ein Mensch so tief getaucht wie Victor Vescovo. Der Amerikaner hat dies nun mit einem U-Boot geschafft. Und landete so fast am Grund des Marianengrabens im Pazifik. Am Witjastief 1 - der tiefsten bekannten Stelle der Weltmeere. Vier Stunden war der 53-Jährige dort unterwegs. Drei unbekannte Tierarten hat er entdeckt. Und etwas Müll: einen Plastebeutel sowie ein Bonbonpapier - in elf Kilometern Tiefe.

Dass die Tüte, von der Vescovo im Explorers Club in New York berichtete, so tief hat sinken können, klingt unglaublich. Fakt ist: Mehrere Tonnen Plastik landen Jahr für Jahr in den Ozeanen. Als nächstes will der Taucher die rosaroten Schnecken untersuchen, die er in der Marianenrinne aufgesammelt hat. Mit dem Ziel, herauszufinden, wie viel Kunststoff die Tiere in sich haben.

Bei den 29.000 Quietscheentchen, Plastikfröschen und Gummibibern, die 1992 über Bord gingen, ist das klar: garantiert 100 Prozent. Bei unruhiger See hatte die "Tokio Express", ein Frachter, einen Container mit der bunten Fracht verloren. Seitdem sind die Plastetiere auf Kreuzfahrt, werden von gewaltigen Wirbeln durchs Wasser getrieben.

27 Jahre lang hat Curt Ebbesmeyer, ein Meeresbiologe aus den USA, die Reisen der ruhelosen Badewannentiere über tausende Seemeilen dokumentiert. Anhand der Prägung des Spielzeugherstellers kann man sie eindeutig identifizieren. Die jüngsten Strandgutfunde waren: ein Biber in Texas, ein Frosch in Schottland. Und in Maine in den USA wurde eine Ente angespült. Blassgelb, von einem Vogel angepickt.

Ziemlich kaputt sahen auch die Weinflaschen aus, die man jetzt in Zeithain bei Meißen aus der Erde grub. Dort, wo August der Starke 1730 seine Truppen zur Schau gestellt hat. Die hellgrünen Scherben erzählen von einem Trinkgelage der Soldaten. Und vom Problem mit dem Müll, der sich über Jahrhunderte hält. Dessen historische Bedeutung erkannten die Archäologen, aber erst auf den zweiten Blick. Er stand schon bereit: der Altglascontainer.

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