Todesrisiko auf E-Bike höher als auf Fahrrad

Nur gut fünf Prozent aller Fahrräder sind mit einem Elektromotor ausgerüstet. In tödliche Unfälle sind die Fahrer dieser Pedelecs jedoch viel häufiger verwickelt. Eine Versicherung hat das Risiko berechnet.

München (dpa) - Die Gefahr eines tödlichen Unfalls mit einem Pedelec ist nach Berechnungen der Allianz viel höher als mit einem normalen Fahrrad ohne Motor. Eine größere Unfallgefahr besteht demnach keineswegs nur für Senioren.

«Über alle Altersgruppen zusammengefasst ist das Getötetenrisiko im Fünf-Jahresmittel auf dem Pedelec dreimal so hoch wie auf dem herkömmlichen Rad», sagte Jörg Kubitzki, Unfallforscher bei Europas größtem Versicherer. Im vergangenen Jahr kamen nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes auf deutschen Straßen 445 Radfahrer ums Leben, davon 89 mit einem Pedelec.

Von den geschätzt 77 Millionen Fahrrädern in Deutschland sind nach einer Studie des Bundesverkehrsministeriums bislang vier Millionen als Pedelecs mit Motorantrieb unterwegs, gut fünf Prozent. Der Anteil der getöteten Pedelec-Fahrer an allen tödlich verunglückten Radlern beträgt in der Allianz-Zeitreihe aber fast 18 Prozent. 2018 saßen 20 Prozent aller tödlich verunglückten Radfahrer laut Destatis auf einem Pedelec, im ersten Quartal 2019 sogar gut 25 Prozent.

Die Allianz hat für ihre Berechnung die Unfallzahlen des Statistischen Bundesamts in Beziehung zu den geschätzten Fahrkilometern gesetzt, die das Bundesverkehrsministerium in der Studie «Mobilität in Deutschland» veröffentlicht hatte. «Pedelecs sind auch dann gefährlicher gegenüber nicht motorisierten Fahrrädern, wenn die Fahrleistung beider Fahrzeugarten berücksichtigt wird», sagte Unfallforscher Kubitzki.

Demnach kommen im statistischen Schnitt pro Milliarde gefahrener Kilometer 11,64 Pedelec-Fahrer ums Leben, die vergleichbare Quote für nicht motorisierte Fahrräder liegt bei 8,96. Pedelec ist der Fachbegriff für die gängigen E-Bikes mit einer Höchstgeschwindigkeit von 25 Kilometern pro Stunde, bei denen die Fahrer noch selbst in die Pedale treten müssen.

In Hamburg verunglückte am Samstag der Fahrer eines besonders schnellen E-Bikes tödlich. Er stürzte nach Angaben der Polizei mit dem S-Pedelec. Wie es zu dem Unfall kam, war zunächst unklar. Bei S-Pedelecs steht das S für Speed, also Schnelligkeit. Bei ihnen funktioniert die Tretunterstützung bis zu Tempo 45. S-Pedelecs gelten verkehrsrechtlich nicht mehr als Fahrrad, sondern als Kleinkraftrad.

Bei Gummersbach prallte ein E-Bike-Fahrer ohne Helm gegen eine Wand und verletzte sich lebensgefährlich. Der 51-Jährige hatte nach Angaben der Polizei auf einer stark abschüssigen Straße die Kontrolle über sein Rad verloren.

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1Kommentare

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    broe2001
    28.07.2019

    Diese Risikoberechnung der Allianz geistert schon seit Tagen durch das Internet und wird offensichtlich ohne Hinterfragen häufig zitiert. In der gleiche Ausgabe der FP, ein paar Seiten weiter, berichten Sie über Diamant und die exorbitanten Steigerungen der Fertigungszahlen dank Pedelecs in der Vergangenheit und geplant in der Zukunft.
    Pedelecs sind nicht gefährlicher als normale Fahrräder, denn ab 25km/h wird nicht mehr unterstützt. Jeder halbwegs trainierte Radfahrer erreicht diese Geschwindigkeit locker in der Ebene. Aber Pedelecs ermöglichen es vielen Menschen, die aus verschiedenen Gründen das Fahrradfahren bisher gemieden haben, diese gesunde Art der Fortbewegung wieder oder neu zu entdecken. Und ja, bei ungeübten Radfahrern ist die Unfallgefahr sicher erhöht.
    Aus meiner Sicht wird von der Versicherungswirtschaft systematisch daran gearbeitet, diese Fortbewegungsform als gefährlich zu diskreditieren und auf eine Versicherungspflicht des Pedelecfahrens hinzuarbeiten.
    Wäre es nicht mal an der Zeit zu untersuchen, wie viele Menschen sich mit Pedelec überhaupt oder auch mehr körperlich betätigen und welchen volkswirtschaftlichen Mehrwert dieser „Gesundheitszuwachs“ bringt?
    J. Rößler



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