Gerade das Theaterspielen empfand Hamel als großes Glück.
Gerade das Theaterspielen empfand Hamel als großes Glück. Bild: picture alliance / dpa
Panorama
TV-Star mit Bühnen-Leidenschaft - Lambert Hamel ist tot

Bösewicht, Kanzler, Familienvater - das Fernsehpublikum mochte Lambert Hamel in unterschiedlichsten Rollen. Auf der Bühne war er mehr als 50 Jahre lang vor allem in klassischen Stücken zu sehen.

München.

Er gehörte zu den bekanntesten Gesichtern im deutschen Fernsehen - auch wenn seinen Namen nicht gleich jeder parat hatte: Lambert Hamel. In Krimis spielte er oft den Fiesling oder den Bösen, auch Polizist, Arzt und Bischof war er schon - und der Einheitskanzler Helmut Kohl. Mit seiner schauspielerischen Vielfalt feierte Hamel auch auf der Bühne Erfolge. Am vergangenen Freitag (13. Februar) ist Hamel im Alter von 85 Jahren gestorben.

Wie seine Familie der Deutschen Presse-Agentur mitteilte, verstarb er nach kurzer, schwerer Krankheit. Der Schauspieler, geboren in Ludwigshafen, lebte bereits seit Jahrzehnten in München. Vor der Kamera war er in den vergangenen Jahren kaum noch gestanden.

Motiviert durch Aufregung und Adrenalin

Umso häufiger war sein Gesicht in früheren Jahrzehnten im TV und auf den Theaterbühnen zu sehen. An Rollenangeboten hatte es dem Charakterdarsteller auch in fortgeschrittenem Alter nicht gemangelt. Die Rollen seien einfach auch älter geworden, hatte er vor rund zehn Jahren vor seinem 75. Geburtstag gesagt. "Erst hat man plötzlich Kinder und dann spielt man den Opa." Jedes Alter werde gebraucht. "Ich kann einem Jungen nicht den "Hamlet" wegspielen und ein Junger mir nicht den "Lear"."

Gerade das Theaterspielen empfand er als großes Glück. "Die Bühne heilt. Wenn ich in der Garderobe bin und dann auf die Bühne gehe, ist alles gut. Die Aufregung, das Adrenalin - das motiviert."

Intendant: "Danke, Lambert Hamel!"

Sein letztes festes Theater-Engagement hatte er am Münchner Residenztheater, wie die Bühne mitteilte. "Lambert Hamel war ein ganz Großer des Münchner Theaters und unserer Kunst", sagte Staatsintendant Andreas Beck. "Aufführung für Aufführung war dieser gedrungen und bürgerlich erscheinende Schauspieler nicht nur besonders bemerkenswert in seinem Spiel, sondern überraschte durch Poesie, die er verströmte, durch seine polternde Hemmungslosigkeit auf der Szene und seine ungeheure Wandlungsfähigkeit."

Abschließend schrieb Beck: "Danke, Lambert Hamel, ich danke Ihnen mit Ihrem Publikum so sehr für so vieles!" 

"Ich wäre nicht gerne auf einen Typen festgelegt", sagte Hamel vor Jahren.
"Ich wäre nicht gerne auf einen Typen festgelegt", sagte Hamel vor Jahren. Bild: Ulrich Perrey/dpa

Schon früh wollte der gebürtige Pfälzer Schauspieler werden - auch wenn sein Vater davon nicht begeistert war. Wie Hamel in Interviews erzählte, sagte der Vater seinen beiden Schwestern einst: "Werdet mal was, damit Ihr den Hungerleider durchfüttern könnt." Das habe ihn zusätzlich angespornt. Hamel studierte Theaterwissenschaft und Philosophie und besuchte die Bochumer Schauspielschule. Noch während seiner Ausbildung wurde er an das Deutsche Schauspielhaus Hamburg geholt. Damit begann seine Karriere, die ihn von Bochum über Köln nach München führte.

"Ich wäre nicht gerne auf einen Typen festgelegt"

Als seine Paraderolle gilt die des "Theatermacher" in dem gleichnamigen Stück von Thomas Bernhard. Erfolge feierte er auch in Stücken von Molière, Kleist, Lessing und Shakespeare. Unter Hamels Fernsehrollen sticht vor allem die des Einheitskanzlers hervor: Er mimte 2005 in dem TV-Doku-Drama "Deutschlandspiel" Helmut Kohl. 

Außerdem spielte er in den ZDF-Dora-Heldt-Verfilmungen mit, beim "Bergdoktor", hatte Episodenrollen in "Der Alte", im "Tatort" oder bei "Pfarrer Braun". 2019 stand er für "Und tot bist Du! Ein Schwarwaldkrimi" unter der Regie von Marcus O. Rosenmüller vor der Kamera. Hamel zeigte sich vor Jahren froh, dass er viele verschiedene Charaktere habe spielen dürfen. "Ich wäre nicht gerne auf einen Typen festgelegt." (dpa)

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