Die Gefahr durch Dooringunfälle wird in der Regel unterschätzt. (Archivfoto)
Die Gefahr durch Dooringunfälle wird in der Regel unterschätzt. (Archivfoto) Bild: Sebastian Gollnow/dpa
Panorama
Unfälle mit Autotüren: Das Risiko in Großstädten bleibt hoch

Sensoren, Pufferzonen, Warnsysteme: Warum trotz neuer Technik und Regeln Unfälle mit offenen Türen in Großstädten wie Berlin Alltag bleiben – und wie es sicherer werden könnte.

Berlin.

Das Risiko von Unfällen mit offenen Autotüren ist in Großstädten wie Berlin besonders hoch und wird nach Überzeugung von Verkehrssicherheitsexperten nach wie vor unterschätzt. Eine bundesweite Statistik zu den sogenannten Dooring-Unfällen gibt es nicht. "Nur wenige Bundesländer erfassen diese Unfälle separat in den Verkehrsunfallanzeigen der Polizei. Berlin gehört dazu", sagte die Leiterin der Unfallforschung im Gesamtverband der Versicherer (GDV), Kirstin Zeidler, der Deutschen Presse-Agentur. "Hier sind Dooring-Unfälle häufiger als in ländlicheren Gebieten oder in Städten mit weniger dichtem Auto- und Fahrradverkehr." 

Bei solchen Unfällen verursachen Autofahrer oder andere Autoinsassen durch das plötzliche Öffnen einer Autotür den Sturz eines Radfahrers. Im Oktober sorgte der Fall der in Berlin geborenen Schauspielerin Wanda Perdelwitz für Schlagzeilen. Die 41-Jährige starb nach einem solchen Unfall in Hamburg an ihren schweren Verletzungen. 

"Dooring-Unfälle sind ein unterschätztes Phänomen", sagte Zeidler. Im Jahr 2024 gab es davon berlinweit 392 – knapp acht Prozent der fast 4.950 Radunfälle mit Verletzten und Getöteten. 2015 waren es 533, ein Anteil von nicht ganz zehn Prozent. "In den letzten zehn Jahren gab es in der Hauptstadt also einen leichten, wenn auch langsamen Rückgang dieser Unfälle", sagte Zeidler. 

Verkehrssicherheitsexpertin Kirstin Zeidler wünscht sich mehr Aufmerksamkeit für das Risiko durch Dooringunfälle. (Archivfoto)
Verkehrssicherheitsexpertin Kirstin Zeidler wünscht sich mehr Aufmerksamkeit für das Risiko durch Dooringunfälle. (Archivfoto) Bild: Jens Kalaene/dpa

Sicherheitsstreifen können Risiken verringern

Dennoch wäre noch mehr möglich: "Seit 2010 sehen die Regelwerke bundesweit einen Sicherheitsstreifen von bis zu 75 Zentimetern zwischen parkenden Autos und dem Radverkehr vor, wenn Radwege neu angelegt oder umgebaut werden", so die Expertin. In Berlin seien diese Pufferzonen auch zunehmend zu sehen. "Aber etliche bestehende Radwege haben leider noch keine und sollten diesen Sicherheitsstreifen unbedingt bekommen", sagte Zeidler. 

Inzwischen gebe es auch technische Lösungen, sogenannte Dooring-Warner: Sensoren im Fahrzeug erkennen, wenn sich von hinten ein Radfahrer nähert, und warnen mit akustischem oder optischem Signal, bevor Insassen die Tür öffnen, erklärte Zeidler. "Noch besser sind Systeme, die die Türen sogar kurzzeitig blockieren. Wir haben uns schon länger dafür ausgesprochen, dass es Dooring-Warner in allen Fahrzeugen geben sollte." (dpa)

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