Von wegen glücklich

Weshalb der am Donnerstag veröffentlichte Glücksatlas unzufrieden macht

Die Deutschen sind glücklich. Sagt die Deutsche Post. Am Donnerstag hat sie in Hamburg den achten Glücksatlas veröffentlicht: eine Studie zur Lebenszufriedenheit der Deutschen, die auf Daten von rund 30.000 Menschen basiert. Objektive Indikatoren fürs Glück, dieses höchst subjektive Gefühl, sind Mietpreise, Einkommen und die Arbeitslosenquote.

Die Autoren versuchen, Glück in eine Skala zu pressen. Die reicht von null bis zehn, und die Deutschen landen bei einem Glückswert von 7,05. Verglichen mit den Vorjahren verharrt er "auf einem stabil hohen Level", heißt es in der Studie. Klingt märchenhaft: Sie lebten also glücklich - bis an ihr Lebensende? Von wegen. Denn mit der Stabilität ist es so eine Sache: Friede, Freude - Langeweile. Die wollen die beiden Studienautoren, ein Sozialökonom und ein Geograf, nicht aufkommen lassen. Deshalb haben sie das Land in 19 Glücksregionen aufgeteilt, und machen auch vor Ländergrenzen nicht Halt: Die Württemberger etwa sind eine eigene Region, die Franken ebenso; auch die Dauerrivalen Köln und Düsseldorf gehen getrennt an den Start; dafür geht Bremen in Niedersachsen auf.

So in Gruppen gespalten, können sich die Glücklichen in den Kommentarspalten der Sozialen Medien nun aufs Beste beharken: Die Hamburger und Schleswig-Holsteiner belächeln von den obersten Rängen den Rest der Republik; die Kölner (Rang 5) triumphieren klar über die spaßbefreiten Düsseldorfer (12) - die Franken (4) über die Südbayern (8). Tja, und der Westen feixt über die Jammerossis - denn die teilen sich die hintersten Ränge, Sachsen landet dabei auf Platz 17. Dass zwischen den Glückspilzen und Pechvögeln dieser Liste nur ganze 0,6 Pünktchen liegen - geschenkt.

"Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit," schrieb der dänische Denker Søren Kierkegaard vor fast 200 Jahren. Damit hat er nur zum Teil recht. Vergleichen lässt Raum für Schadenfreude: Immerhin sind die Mieten billig in den Jammerbundesländern. Außer in Berlin. Tja. Pech gehabt.

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1Kommentare
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    saxon1965
    12.10.2018

    Dafür hätte es keiner Befragung bedarf. Im Groben kann man das Zufriedensein zwischen Regionen voraussagen.
    "Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit," ...
    Ja, weil wer vergleicht nur all zu oft, ich ertappe mich da auch, vordergründig das Negative herausfiltert. Lässt man das Negative weg, so wird man glücklicher!
    ... feix
    Und je materieller ein Mensch eingestellt ist oder je mehr er unter finanzieller Schwäche leidet, um so unzufriedener es er zwangsläufig.



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