Wozu der Lärm?

Warum auch Elektroautos bald brummbrumm machen müssen

Das Auto ist bald kein richtiges Auto mehr. Brumm, brumm. Das Röhren der Motoren, das vor allem uns Männer stimuliert, wenn wir aufs Gaspedal treten - wir werden es vermissen. Denn mit Erfindung des Elektroautos ist dieses Brummbrumm drauf und dran, ein Fall für den Soundarchäologen zu werden.

Horch, horch! Wir hören nichts mehr. Denn in E-Mobilen verbrennt kein Benzin. Es nagelt kein Diesel. Das Rattern, Knattern, das Klopfen der Zylinder beim Schneller- und Immerschnellerwerden: alles vorbei, alles von gestern, wenn die Zukunft den nahezu lautlosen Wagen gehört. Von 100 auf 0 - so sinkt der Geräuschpegel, wird quasi ausgebremst. Brumm, bru..., br..., b, b, b... Stille. Danach haben sich viele gesehnt. Vor allem jene, die in lärmenden Städten und an lauten Straßen leben. Denn Lärm macht krank. Zu wenig Lärm kann aber auch nicht gesund sein: Die NHTSA, die nationale Verkehrsbehörde der USA, fand heraus, dass elektrische Fahrzeuge über ein Drittel mehr Unfälle mit Fußgängern bauen als die Brummbrumms. Ein möglicher Grund: E-Autos werden leicht überhört.

Deshalb hat die EU den Rückwärtsgang eingelegt und verordnet: Auch Elektroautos werden bald brummbrumm machen müssen - bereits 2014 wurde dies beschlossen. Ab Juli nächsten Jahres wird es nun für alle neuen E-Pkws ernst. Dann haben sie zu klingen wie ein Benziner oder Diesel. Und werden deshalb mit einem AVAS ausgerüstet - steht für: Acoustic Vehicle Alerting System, ein Warngeräuschgenerator, der das Röhren der Motoren imitiert.

Das wird allerdings recht leise sein. Die EU-Verordnung legt fest, dass der Altautosound bis zu einer Geschwindigkeit von 20 Stundenkilometern abgestrahlt wird - beim Anfahren also, Rückfahrgeräusche sind generell Pflicht. Kinder, ältere und sehbehinderte Fußgänger: Für deren Schutz ist das AVAS gedacht, mit dem schon jetzt einige E-Autos unterwegs sind - allerdings ist der Ton noch abschaltbar, wenn er stört.

Stille trotz AVAS. An dieser tüfteln E-Mobilbauer bereits: Während draußen der Fakemotor brummt, soll der Autofahrer drinnen davon nichts mitbekommen, seine Ruhe haben - wie in einer Schallschutzkabine.

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1Kommentare
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  • 1
    3
    2drea5
    10.11.2018

    Ich habe in 4 Jahren noch nie einen Fußgänger in Probleme gebracht. Rücksicht und auch mal kurz Geduld sind gefragt. Wenn alle Fahrzeuge leise sind, benutzt man dann auch die Sinne anders. Ein Rollgeräusch ist durchaus hörbar.



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