Zu Fuß zu den Sternen

Er zählt zu den bekanntesten Attraktionen der USA und wird jedes Jahr von Millionen Touristen besucht: der "Walk of Fame" in Hollywood. Der erste Spatenstich für den berühmten Bürgersteig erfolgte vor 60 Jahren.

Sterne im Abstand von 1,80 Metern, und das, so weit das Auge reicht - hier werden die Helden aus dem Showbiz "mit Füßen getreten". Der gut zwei Kilometer lange "Walk of Fame" erstreckt sich über 15 Häuserblocks zu beiden Seiten des Hollywood Boulevards, von der Gower Street im Osten zur La Brea Avenue im Westen.

Zu Beginn der 50er-Jahre war Hollywood keine glitzernde Metropole mehr. Um die Filmstadt neu zu beleben und ihre Attraktivität zu steigern, entstand die Idee zum Sternenboulevard. "Wir brauchen eine Attraktion, die den Ruhm dieser Kommune bewahrt, deren Name auf der ganzen Welt für Glamour und Aufregung steht", forderte 1953 E.M. Stuart, damals Präsident der Handelskammer von Hollywood. Nicht ihre erste Initiative mit diesem Anliegen: Auch der 14 Meter hohe, 135 Meter lange "Hollywood"-Schriftzug in den Hügeln über der Stadt ist auf ihrem Mist gewachsen.

An der Auswahl der Preisträger arbeiteten vier Komitees für die Bereiche Kinofilm, Fernsehen, Schallplattenaufnahmen und Rundfunk. Zu den Ausschuss-Mitgliedern gehörten einflussreiche Hollywood-Mogule wie Cecil B. DeMille, Samuel Goldwyn und Walt Disney.

Die Gestaltung des "Walk of Fame" wurde 1956 festgelegt, wobei das Design der Sterne vom kalifornischen Künstler Oliver Weissmuller stammt. Er entwarf einen Stern, der zunächst in einer Auflage von 2518 gefertigt wurde. Er besteht aus altrosafarbenem Terrazzo, eingelassen in schwarzen Marmor. Im Stern eingelassen ist eine runde Messingplakette, auf der ein Symbol auf das Metier des Geehrten verweist. Zu den vier Kategorien kam 1984 Theater hinzu. Den ersten Stern erhielt Regisseur und Filmproduzent Stanley Kramer am 28. März 1960. Bis Frühjahr 1961 wurden die ersten 1558 Sterne an die aus tausenden Nominierten auserwählten Künstler vergeben - noch ohne besondere Zeremonie.

Vorschläge für die Nominierung können seither von Fans des Künstlers, seiner Familie oder seinem Management kommen. Ein fünfköpfiges Komitee wählt dann aus 200 bis 300 Empfehlungen im Jahr rund zwei Dutzend Sterneempfänger aus, die drei Bedingungen erfüllen müssen: Außergewöhnlichen Erfolg in ihrer Kategorie, mindestens fünfjährige Präsenz im Showbusiness und Engagement in der Wohltätigkeit. Zur Einweihung muss der Star persönlich erscheinen. Außerdem sind vorab für Herstellungs- und Installationskosten sowie den Unterhalt des "Walk of Fame" 50.000 Dollar fällig.

Weil der Platz für die vielen Sterne nicht mehr ausreichte, kam in den 90er-Jahren eine zweite Reihe hinzu. Daneben wurde er ab 1994 in Richtung Nordost noch um drei Blocks erweitert. Den bisher letzten, 2686. Stern erhielt Ende Januar Gangsta-Rapper und Schauspieler Curtis Jackson, besser bekannt unter seinem Künstlernamen 50 Cent.

Nach den Sternen greifen durften bisher weltbekannte Musiker wie Elvis Presley, Enrico Caruso (posthum) und die Beatles, Filmlegenden wie Buster Keaton, Errol Flynn und Marilyn Monroe, aber auch "Playboy"-Gründer Hugh Hefner, Magier David Copperfield und Musical-Komponist Andrew Lloyd Webber. Selbst Puppen und Trickfiguren wie Donald Duck, Godzilla oder die Simpsons wurden geehrt, ebenso die Filmhunde Lassie und Snoopy.

Country-Sänger und Schauspieler Gene Autry (1907 - 1998) ist der bisher einzige, der in allen fünf Kategorien präsent ist. Dafür fehlen einige große Namen bis heute. Darunter Robert De Niro, Leonardo DiCaprio, Will Smith und Clint Eastwood. Boxlegende Muhammad Ali wollte 2002 nicht, dass "Leute auf dem Namen meines geliebten Propheten herumtrampeln". Deshalb befindet sich sein Stern nicht am Boden, sondern an der Wand des Dolby Theaters. Dem politisch links verorteten Charlie Chaplin wurde in den 50er-Jahren der Stern verwehrt, erst 1972 bekam er seine Auszeichnung.

Bisher wurden vier Sterne geklaut, die von Kirk Douglas, James Stewart, Gregory Peck und einer von Gene Autry. "Der Stern von Douglas wurde im Garten eines Drogendealers entdeckt", erinnert sich Ana Martinez, die als "Stargirl" über die Sterne am Boulevard wacht. Von allen, die nicht wieder auftauchten, wurde eine Kopie erstellt.

Vandalismus an den Sternen ist eher selten. Wiederholt musste in den vergangenen Jahren der Stern repariert werden, den der spätere US-Präsident Donald Trump 2007 für seine Fernsehsendungen erhalten hatte. Auch nicht jeder Offizielle betrachtet ihn mit Wohlwollen. Da Trumps Verhalten gegenüber Frauen und Einwanderern sowie seine Ablehnung von Klimaschutz mit den Werten dieser Region unvereinbar sei, forderte der Stadtrat von West Hollywood im August 2018 die Entfernung des Sterns. Seither reißt die Diskussion darüber nicht ab.


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