Zukunftsdeuter liegen daneben

Wir blicken nach vorn. Und sehen schwarz. Donald Trump lässt seine Truppen den Vatikan besetzen, weil er auch Papst werden will. Sylt versinkt im Meer, und der Spiegel des Starnberger Sees steigt derart an, dass tausende Villen eine große Flut wegspült. Der einsetzende Flüchtlingsstrom der Reichen droht Berlin-Marzahn zu überfremden - woraufhin Cindy B. eine deutliche Untergrenze fordert: Nur wer zehn Millionen Euro oder mehr auf dem Konto vorweisen kann, hat Anspruch auf eine Ein-Raum-Wohnung.

Und auch das wird 2017 ganz gewiss passieren: RB Leipzig ist Deutscher Fußballmeister - wonach das Münchner Hofbräuhaus, das eh ein sächsischer, ein Chemnitzer Architekt entwarf, seinen Stammsitz aus der Hauptstadt der Bayern in Auerbachs Keller verlegt. Woher wir das alles so genau wissen? Namhafte Astrologen und Hellseher haben exklusiv für die "Freie Presse" hoch in den Himmel und in ihre Kristallkugeln geschaut. Und so hatten Wahrsager das Jahr 2016 gesehen: Die Bundesregierung tritt wegen der Flüchtlingskrise zurück, die Kanzlerin verzichtet auf eine erneute Kandidatur, und Hillary Clinton wird die nächste Präsidentin der USA.

Die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP), ein 1987 gegründeter Verein der sogenannten Skeptikerbewegung mit Sitz in Hessen, blickte am Donnerstag nach hinten und zog Bilanz: Deutschlands Zukunftsdeuter und Schwarzseher lagen mit ihren Prognosen meist daneben. Der Chefanalyst der GWUP, die ein "Zentrum für kritisches Denken" betreibt, ist übrigens ein Mathematiker. Und ein solcher weiß, dass nur eines ganz sicher ist: Berechnen lässt sich das Unberechenbare nicht.

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