207 neue Meister ihres Fachs

Die Handwerkskammer Chemnitz kürt Jungmeister in 23 Gewerken. Pläne der Bundesregierung, in zwölf Branchen wieder eine Meisterpflicht zu verordnen, finden Lob.

Chemnitz.

Piraten gab es nicht. Selbst wenn die Lasershow zu Beginn der Meisterfeier der Handwerkskammer Chemnitz am Samstag durch die furiosen Klänge von Hans Zimmers "Piraten der Karibik" über die Ohren direkt ins Gemüt der Zuschauer massiert wurde. Vielmehr huschten als Lichtspiel die Embleme der Gewerke nacheinander über den Vorhang auf der Bühne: Bäcker, Dachdecker, Feinwerkmechaniker, Fleischer, Geigenbauer, Informationstechniker, Konditor, Kosmetiker und und und. Als sich der Vorhang der Stadthalle Chemnitz öffnete, toste der Applaus, stand sie da, die geballte Handwerkskraft 2019: 207 Meister ihres Fachs, die im aktuellen Jahrgang ihren Meisterbrief in Empfang nehmen können.

Der Präsident der Chemnitzer Handwerkskammer, Frank Wagner, gehörte beim Festakt nicht nur zu den ersten Gratulanten, zugleich war er ein Mahner, der die "Jungmeister" im Alter zwischen 20 und 53 Jahren an ihre gesellschaftliche Aufgabe erinnerte. "Sie sind verantwortlich dafür, dass immer wieder junge Leute den Weg ins Handwerk finden", sagte Wagner. Was er damit meinte, ist die Aufgabe, die dem Meisterbetrieb als Instanz zur Ausbildung von Lehrlingen zukommt.

In manchen Gewerken hatte der Wegfall der Meisterpflicht im Jahr 2004 bundesweit für einen Rückgang an Meisterbetrieben und somit auch der Ausbildung von Nachwuchs gesorgt. In der Fliesenlegerbranche sei die Situation besonders prekär geworden, beklagen Insider.

Insofern begrüßte nicht nur der Präsident der Chemnitzer Handwerkskammer am Samstag, sondern lobt auch der Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH) den aktuellen Vorstoß der Bundesregierung, zwölf Gewerke wieder von der Anlage B der Handwerksordnung auf die Anlage A zu setzen. Das heißt, in diesen Bereichen wird die Meisterpflicht wieder eingeführt. Bei den betroffenen Gewerken handelt es sich neben den Fliesen-, Platten- und Mosaiklegern um Betonstein- und Terrazzo-Hersteller, Estrichleger, Behälter- und Apparatebauer, Parkettleger, Rollladen- und Sonnenschutztechniker, Drechsler und Holzspielzeugmacher, Böttcher, Glasveredler, Schilder- und Lichtreklamehersteller, Raumausstatter sowie Orgel- und Harmoniumbauer.

Die Aufweichung der deutschen Meisterpflicht vor 15 Jahren war teils rechtlichen Angleichungen in der Europäischen Union geschuldet, teils der angespannten Situation auf dem Arbeitsmarkt. Allerdings hatte das Handwerk selbst bereits damals warnend Widerspruch erhoben, als man die Zahl der meisterpflichtigen Handwerke von 94 auf 41 verringerte. Im Januar 2020 sollen nun jene zwölf Gewerke wieder der Pflicht unterliegen. Die Verbände begrüßen das als "starkes Signal für Qualität und Qualifikation", wie ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer sagt.

Unter den 23 Gewerken, in denen 2019 im Kammerbezirk Chemnitz Meisterbriefe erworben wurden, sind die Kraftfahrzeugtechniker (38 Meister), die Elektrotechniker (26) sowie die Friseure (23) am stärksten vertreten. Eher selten zu finden sind Instrumentenbauer. Vier neue Geigenbaumeister gibt es dieses Jahr, zwei Zupfinstrumentenbaumeister und einen Metallblasinstrumentenbaumeister.

Musikalisch betätigt sich Matthias Kulutácz (36) eher in seiner Band. Doch als Metallbaumeister versteht er sich ebenso aufs Formen metallener Werkstoffe. Zunächst habe er an der Bergakademie Freiberg Geotechnik und Bergbau studieren wollen, dann aber gemerkt, dass ihm handfeste Arbeit mehr liege. In Thüringen bekam er einen der "raren Ausbildungsplätze", wie er sagt. Er verstehe sich und sein Handwerk inzwischen als Grundpfeiler für "Qualität und Wiederherstellung", die dem Trend zu "Wegwerfprodukten und Einheitsbrei" entgegenstünden.

Zu den jüngsten Meistern zählt in diesem Jahr im Bereich Chemnitz Maxi Vogel. Die 22-jährige Zwickauerin war auch von ihrem ersten Berufswunsch umgeschwenkt. Sie hatte Lehrerin werden wollen, entschied sich dann aber für eine Ausbildung in der Branche, in der ihr Vater eine Firma hat - eine Fahrzeuglackiererei. "In der Schule war früher alles in Richtung Studium ausgerichtet, aber ich glaube, ich habe die richtige Wahl getroffen", sagte Maxi Vogel der "Freien Presse". Da mag sie richtig liegen: Nicht nur, dass sie in diesem Jahr den Meisterbrief bekam, bereits im Vorjahr gewann sie auch den Bundeswettbewerb der besten Fahrzeuglackierer.

1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    0
    VaterinSorge
    28.10.2019

    ein Hoch auf die Meister, deren Weg steinig und hart ist, die Verantwortung tragen und ihren Beruf oder Berufung ernst nehmen. Wir brauchen die Meister ihres Faches, brauchen auch zukünftig gute Fachleute in allen Bereichen. Um uns herum werden national und international so viele Technologien und smarte Produkte auf uns einprasseln, die unser Leben, unsere Arbeit, Mobilität und Psyche stark beeinflussen werden. Wie gut, wenn man da den Meistern vertrauen kann, die sich in allen Belangen aus- und fortgebildet haben, der Allgemeinheit und aus Ehre dem Kunden dienen und in Zunft viel mehr Wertschätzung verdient haben!



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