Coronavirus: Epidemie erreicht Chemnitz - drei Erkrankte

Angesichts steigender Infektionszahlen richtet Sachsen einen Krisenstab ein. Andere Länder gehen drastischer vor.

Chemnitz. Von der Coronavirus-Epidemie ist nun auch erstmals Sachsens drittgrößte Stadt betroffen: Drei Chemnitzer sind mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert und daran erkrankt, wie der Chemnitzer Sozialbürgermeist Ralph Burghart (CDU) am Dienstag mitteilte. Die drei Chemnitzer gehörten laut Burghart zu einer Reisegruppe, die aus dem Skiurlaub in Südtirol zurückgekommen war. Die Heimkehrer hätten sich umgehend beim Gesundheitsamt gemeldet und befänden sich derzeit in häuslicher Quarantäne. Die Corona-Infizierten zeigten leichte Krankheitssymptome. Das Gesundheitsamt rief alle Chemnitzer auf, die in den letzten 14 Tagen in einem Corona-Krisengebiet waren, sich direkt bei der Behörde zu melden, auch wenn keine Krankheitssymptome vorlägen. Bis dahin sollten sie zu Hause bleiben und unnötige Kontakte zu anderen Personen vermeiden. Auch sollen sich Personen, die mit einer nachweislich am Coronavirus erkrankten Person in den letzten 14 Tagen Kontakt hatten, telefonisch im Gesundheitsamt melden.

Angesichts der Ausbreitung des Coronavirus richtet die Landesregierung einen Krisenstab "Corona" ein. "Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem wir feste Krisenstrukturen brauchen", sagte Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) nach der Kabinettssitzung am Dienstag. In dem Gremium sollen alle Ministerien vertreten sein - sowie bei Bedarf auch Ärzte, Apotheker sowie Vertreter von Krankenhäusern, Landkreisen und Städten. Damit sollen möglichst schnell Maßnahmen ergriffen werden, um eine Epidemie einzudämmen. Bis zum Dienstagnachmittag gab es nach Angaben des Gesundheitsministeriums 23 bestätigte Coronainfektionen im Freistaat. Die meisten Betroffenen befänden sich demnach in häuslicher Isolation, zwei Patienten werden derzeit im Leipziger Krankenhaus St. Georg behandelt. Am Wochenende waren erstmals in Sachsen Fälle bei Menschen bekannt geworden, die zuvor in keinem Risikogebiet gewesen waren. "Die Lage ist ernst", so Köpping.

Die Gesundheitsministerin appellierte an die Eigenverantwortung der Bürger. Jeder sollte sich überlegen, auf welchen Kino-, Theater oder Konzertbesuch man verzichten könne. Eine allgemeine Verfügung zum Verbot von Veranstaltungen gibt es in Sachsen derzeit nicht. Gleichwohl rief Köpping Oberbürgermeister und Landräte dazu auf, Verantwortung zu übernehmen. "Veranstaltungen, die von internationalen Gästen besonders aus Corona-Risikogebieten besucht werden, sollten abgesagt werden oder ohne Besucher stattfinden." Unter anderem wurden zwei Messen in Chemnitz abgesagt. Landesweite Schulschließungen sind in Sachsen weiterhin nicht geplant.

Köpping verwies darauf, dass Schulklassen, die aus Risikogebieten zurückkehrten, nach Absprache mit den Gesundheitsämtern vorübergehend in Quarantäne geschickt würden. Zudem bleibt es bei der Absage von Schulfahrten in Risikogebiete, für die Sachsen anfallende Kosten übernimmt. Wegen der Coronakrise lockert Sachsen zudem das Sonntagsfahrverbot für Lkw, um mehr haltbare Lebensmittel und Hygieneartikel zu transportieren.

Im Kampf gegen das Coronavirus werden immer mehr Kultur- und Sportveranstaltungen abgesagt. In mehreren Bundesländern sollen Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen nicht mehr stattfinden oder ohne Zuschauer erfolgen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach sich für ein striktes Vorgehen der Behörden bei Maßnahmen gegen Covid-19 aus. Der Bundestag wird nach Angaben der Unionsfraktion zusätzlich eine Milliarde Euro für den Kampf gegen die Epidemie bewilligen.

Derweil werden in anderen Ländern weitaus drastischere Maßnahmen ergriffen. In Italien sollen die rund 60 Millionen Einwohner seit Dienstag möglichst zu Hause bleiben. Das ganze Land wurde zum Sperrgebiet erklärt. Österreich schränkt den Reiseverkehr aus Italien ein und verhängte Veranstaltungsverbote.


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 

Coronavirus: Unser Angebot zur Lage in Sachsen, Deutschland und der Welt

0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.