292 Kilometer, die es in sich haben

Es geht nicht um Zeiten und Platzierungen. Doch der neue Stoneman für Straßenradfahrer ist auch nichts für Ungeübte. Das zeigte die Jungfernfahrt.

Altenberg.

Wer nicht bereit ist, sich zu schinden, sollte es lassen. Wer auf dem Rad eine neue Herausforderung sucht, sollte sich die Strecke vornehmen: die neue Rennrad-Version des Stoneman Miriquidi. Mit 292 Kilometer Länge und 4900 Metern Höhenunterschied führt sie als Rundkurs durch kammnahe Regionen des sächsischen und böhmischen Erzgebirges zwischen Altenberg und Oberwiesenthal - auf weitgehend asphaltierten Nebenstraßen. Auch 13 "giftige Rampen", wie extreme Anstiege heißen, gehören dazu, mit 18 Prozent Steigung im Maximum. Am Samstag wurde die Strecke in Altenberg eröffnet.
"Für mich ist das nichts mehr", gesteht Radsportlegende Olaf Ludwig. Der Olympiasieger von 1988 war als Stoneman-Pate zum Empfang der ersten zehn Fahrer gekommen, die am Vortag zum sogenannten Pre-Opening gestartet waren und nach zwei heißen Tagen ins Ziel rollten. "Aber ich kann jeden nur ermutigen, aufs Rad oder E-Bike zu steigen", sagt der 58-jährige Geraer.

Aus Südtirol ist Roland Stauder gekommen, der Ideen- und Lizenzgeber für inzwischen drei Stoneman-Mountainbikestrecken und die jetzt zweite Straßenversion in Europa. Im Juli wird die nächste in Österreich eröffnet. Bescheiden räumt der Ex-Profi-Fahrer ein: "Ich habe nicht gedacht, dass ich nach 2014 noch ein zweites Mal ins Erzgebirge fahren würde, um hier die Stoneman-Familie mit so einer wunderbaren Strecke zu erweitern. Ich bin begeistert."

Für den Erzgebirgslandrat Frank Vogel (CDU) ist das neue touristische Angebot, das vor allem den Sommertourismus beflügeln soll, auch "ein Beispiel, wie das Erzgebirge beiderseits der Grenze zusammenwächst". Bei der Eröffnung des Stoneman Miriquidi 2014 habe er nicht erwartet, dass heute mehr als 10.600 offizielle Finisher und knapp 13.800 Fahrten zu Buche stehen - so viele wie auf keiner anderen Stoneman-Strecke. "Das Erzgebirge hat es durch den Stoneman in die Liga des Mountainbiketourismus geschafft."

Der Finanzexperte

Lutz Beckel, 50, hat den weitesten Weg auf sich genommen, um bei der Einweihung dabei zu sein. Er arbeitet bei der Bafin in Bonn, der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. In seiner Freizeit fährt er gern und oft Rad. "Aber trainieren am Berg kann ich in Bonn nicht." Er sei bei Facebook durch Kommentare zum Stoneman auf die Strecke aufmerksam geworden. "Und weil ich ein gebürtiger Oberlausitzer bin, dachte ich mir: Da kannst du mal deine erweiterte Heimat unter die Räder nehmen. Dass es eine Fahrt durch eine so bombastische Landschaft werden würde, hätte ich nicht gedacht. Und das Allerbeste war: Da es immer nur auf Nebenstraßen langgeht, sind uns über den Tag verteilt keine zehn Autos begegnet. Großes Lob für die Streckenplaner!" Beckel räumt aber auch ein, dass es die Gruppe war, die ihn gezogen und motiviert habe, durchzuhalten. "Mir hat der Anstieg auf den Bärenstein ganz schön zu schaffen gemacht. Vor allem, weil es vorher vom Fichtelberg lange ganz entspannt bergab ging."

Der Mountainbiker

Für den 26-jährigen Johannes Huss aus Sehmatal gab es doppelten Grund, bei der zweitägigen Jungfernfahrt dabei zu sein. Die Maschinenbaufirma seines Vaters, in der er arbeitet, hat die 13 Stempelstellen entlang der Strecke ausgestattet. "Ich wusste also, was hier auf mich zukommt. Eigentlich bin ich eher als Mountainbiker im Gelände unterwegs. Da neigt man aus Bequemlichkeit dazu, meist dort zu fahren, wo man wohnt. Als ich hörte, dass zur Eröffnung der Road-Strecke Männer und Frauen für die Premierenfahrt gesucht würden, habe ich nicht lange überlegt. Und ich muss sagen: Das war ein Spitzenerlebnis. Ich hätte nie gedacht, dass das so eine tolle Strecke ist - trotz der 4900 Höhenmeter. Etwa zwei Drittel waren für mich Neuland. Es gab nichts, worüber man sich aufregen müsste. Wir zehn Leute haben uns heute am zweiten Tag in zwei Gruppen aufgeteilt. Aber auch für uns als Vortrupp war es ein Genuss. Für die 145 Kilometer am zweiten Tag haben wir uns acht Stunden Zeit gelassen, einschließlich der Pausen."

Die Joggerin

Die 33-jährige Susanne Zimniok, die als selbstständige Finanzberaterin in Aue arbeitet, rollt völlig erschöpft ins Ziel. Dann greift sie zuerst zur Wasserflasche, bevor sie sich an der Stempelstelle am Hotel "Lugsteinhof" in Neugeorgenfeld den letzten Nachweis holt, dass sie es geschafft hat. "Ein Zuckerschlecken war das nicht", sagt sie. Den Stoneman Miriquidi rund um Fichtelberg und Keilberg sei sie mit dem Mountainbike schon mehrfach gefahren, "aber das hier sind doppelt so viele Kilometer und noch mehr Höhenmeter. Das schlaucht. Am anstrengendsten war der Abschnitt aus dem böhmischen Becken bis hinauf auf den Keilberg, fast 1000 Höhenmeter." Oben musste sie erst mal zur Cola greifen. "Die hat mich halbwegs wieder aufgebaut. Vielleicht hatte ich auch deshalb so zu kämpfen, weil ich eigentlich Joggerin bin. Zwei- bis dreimal die Woche laufe ich bis zu 20 Kilometer." Die junge Frau, die dann aber ganz stolz die silberne Stoneman-Trophäe entgegennimmt, rät: "Unbedingt genug Getränke dabei haben."

Der Fitnessfreak

Olaf Kretschmer, (50), fährt ins Ziel, als käme er gerade von einer Kur. Keine Spur von Erschöpfung, kein Stöhnen, keine Verschnaufpause. Im Gegenteil: Der Chef eines Sportstudios in Schwarzenberg verkündet ohne Umschweife: "Die Strecke nehme ich mir noch mal an einem Tag vor. Das ist zu schaffen." Kretschmer hat schon alle drei Mountainbike-Stonemans in Europa und auch die bislang einzige Straßenvariante in Südtirol absolviert - alle an jeweils einem Tag. Sein Fazit: "Das hier ist eine Genussstrecke, da gibt es am meisten von einer sehr abwechslungsreichen Landschaft zu sehen - mit tollen Aussichtspunkten. Sie ist von jedermann, der regelmäßig Rad fährt, zu schaffen, zumindest in drei Tagesetappen." Der studierte Sportlehrer, der aus Zerbst in Sachsen-Anhalt stammt, empfiehlt, alle zwei Stunden eine Pause einzulegen. Man sei ja nicht unter Zeitdruck. "Es geht allein um das Erlebnis, das mit einer ganz tollen Erfahrung endet. Und bei der man sich selbst ein Stück weit neu herausfordern kann."

road.stoneman-miriquidi.com

 

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