30 Jahre Einheit: Tränen lügen nicht

Am 3. Oktober 1990 wurde nicht nur die DDR mit der BRD vereinigt. Neben dem vereinten Deutschland erlebte an diesem Tag auch der Freistaat Sachsen seine Wiederauferstehung. An beides wurde und wird nun erinnert. Aber was gibt es eigentlich zu feiern?

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2525 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    1
    Nixnuzz
    11.09.2020

    @Malleo: "Es gehört auch dazu festzuhalten, dass sich in diesem Prozess der Patriotismus der alten Länder in Grenzen hielt, hatten doch die „Achtundsechziger“, den (West)- Deutschen jeglichen Stolz auf ihr Land abgewöhnt." Ich denke, so einfach kann man das nicht stehen lassen. @Malleo: Fängt so die Geschichtsschreibung aus der damaligen! DDR-Sicht an? Diese 68er waren doch das biologische Ergebnis der damaligen politischen Landesväter und -führer. Ausgebildet in der Nazi-Diktatur mit scheinheiliger Entnazifizierung und massgeblich am Wiederaufbau des westdeutschen Staates beteiligt. Üblicher Vorwurf gen Westen? Herrisches Auftreten und Herabwürdigen der jungen Selbstdenkenden und In-Frage-stellenden Menschen? Kadaver-gehorsam nach Nationalsozialistischem Deutschtum? Separat dazu der aufflammende Widerstand gegen den Bau von Atom-Kraftwerken aus mehreren Gründen - auch in den Heimatregionen wegen Gefährdung auch deren Strukturen von Land und Leuten. Weiterentwicklung bis zur Gründung der "Grünen" zum Erhalt der Heimat auch ohne A-Raketen. Welcher Mischmasch von Menschen mit x Heimaten dank WWII wuchs dort jetzt auf? Mir sagte mal ein Hauptabteilungsleiter mit langjährigem Auslandsaufenthalt: "Wer länger an einem Auslandsort lebt, schlägt dort nach ca. 5 Jahren Wurzeln und fühlt sich dort zuhause." Aus eigenem Erleben hab ich ein neues "Zuhause" gesucht und gefunden. Aber Heimat-Gefühle kann ich so nicht dafür entwickeln. Meinen Geburtsort kenne ich eh nicht mehr wieder. Die britischen Allierten haben ihn verlassen und die Strukturen und Resourcen der Bevölkerung zurückgegeben. Die damals bombardierte Reichswehr- und stückweise BW-genutzte Kaserne ist heute Wohn- und Kleingewerbegebiet. Die Stadt wurde und wird weiterhin umgebaut und den Gewerbemöglichkeiten bis hin zur "Intelligenzförderung per Uni" angepasst. Damalige Mitschüler bis nach GB hin verteilt. Nachbarschaft neu.

  • 1
    1
    Malleo
    09.09.2020

    hinterfragt
    Danke

  • 2
    1
    Hinterfragt
    09.09.2020

    @Malleo, es geht leider nur ein Grüner.

  • 2
    2
    Interessierte
    09.09.2020

    Das lese ich andermal ... :-)
    Aber nicht nur dieser Slogan kam von dort , auch die Unterstützer für Kohl , die haben für ihn und die CDU geschrien , wir Ostdeutschen können gar nicht so laut schreien , wir sind ein leises Völkchen .....
    Und dann diese Lügen : "Die haben alle nach dem Kohl und der DM geschrien !!!"

  • 4
    2
    Malleo
    09.09.2020

    Meine persönliche Sicht- ohne Tränen!
    Es sind weniger die eigenen Erfahrungen als vielmehr die Eingebundenheit in einen geschichtlich beispiellosen Vorgang, der mich bewegt, diese „Wendejahre“ zu reflektieren.
    Aus der einmaligen geschichtlichen Konstellation: Schwäche der Supermacht UdSSR, der politischen Entwicklungen in Polen und dem Willen vieler Menschen in der DDR nach einer grundlegenden Reformation des politischen Systems, entstand jene Situation, die zur friedlichen Revolution und letztlich den Beitritt der DDR zur BRD und in den Geltungsbereich des Grundgesetzes führte.
    Kohl sah diese Chance zur Wiedervereinigung und hatte mit Gorbatschow einen Partner, der ums Überleben kämpfte.
    Die UdSSR zerfiel und in den 2+4 Verhandlungen wurde gegen Widerstand der Briten und Franzosen ein geografisch vereintes Deutschland geboren.
    Die Menschen in Mitteldeutschland mussten sich fortan großen gesellschaftlichen Herausforderungen stellen.
    Das taten sie mit Mut, Intelligenz und Disziplin als politischer Souverän auf den Straßen und artikulierten sich an den Runden Tischen.
    Es gehört auch dazu festzuhalten, dass sich in diesem Prozess der Patriotismus der alten Länder in Grenzen hielt, hatten doch die „Achtundsechziger“, den (West)- Deutschen jeglichen Stolz auf ihr Land abgewöhnt.
    Aus deren Sicht lebten wir bis 89 auf Bäumen oder im Tal der Ahnungslosen und lernten erstmals bei Weltfestspielen Menschen mit anderem Aussehen kennen.
    Sehnsüchtig warten wir auf den Duft der großen, weiten Welt, glaubten an die Persil-Werbung und freuten uns über die Pakete der Brüder und Schwestern, deren Land- nach KGE- von italienischen und türkischen Gastarbeitern(!) aufgebaut wurde.
    Im Osten mussten wir das selbst und ohne Marshall- Plan machen.
    Den Wendeherbst selbst verbrachte unsere Familie in der Schorfheide bei Berlin.
    Der Umbruch war regelrecht zu spüren, die Zeit danach, anhaltend bis in die Gegenwart, sollte aber noch viel dramatischer werden.
    Ich wurde 39 Jahre in der DDR sozialisiert und bis heute verbinde ich Arbeit, Reisen, Sport mit höchst notwendigen politischen Engagement.
    So verändern viele neue Erfahrungen auch überkommene Maßstäbe.
    Das Wort Wehleidigkeit, was vielen Mitteldeutschen immer wieder nachgesagt wird, ist in unserer Familie allerdings unbekannt.
    Die von der Treuhand ab 1990 flächendeckend betriebene Plünderung Mitteldeutschlands, deren erste nach dem Krieg von den Russen vollzogen und mit Reparationsleistungen erklärt wurde, ist eine Erfahrung, die für 17 Mio. Menschen unvergesslich bleiben wird.
    Das Wirken der Treuhand kam einer Deindustrialisierung ganzer Regionen in Sachsen, Sachsen- Anhalt und Thüringen gleich und war damit gleichwohl ein perfektes Konjunkturprogramm für die alten Bundesländer, potentielle Konkurrenten mussten weg.
    Es herrschte Goldgräberstimmung, „Aufbauhelfer“ überströmten das Land und installierten bis in die Gegenwart wirkende (geschlossene) Netzwerke in Wirtschaft, Politik, Justiz, Universitäten, Polizei und Medien, deren Ziel einzig die Erhaltung ihrer Einflussmöglichkeiten ist.
    Wer stellt nach der großen Abschreibung die Frage, warum die in Wellen wiederkehrende Aufmerksamkeit für angeblich ostdeutsche Befindlichkeiten immer häufiger durch die Medien getrieben wird?
    Befindlichkeiten, deren Grenzen zur Larmoyanz nicht mehr zu unterscheiden sind?
    Wir haben sie nicht.
    Wer aber 1989 so naiv war, dass er der Persil-Werbung ebenso viel glaubte, wie dem Versprechen nach blühenden Landschaften, wurde zweifelsfrei enttäuscht und fand sich, unabhängig von Bildung, Fleiß, Engagement oder all den Eigenschaften, die notwendig sind, um selbstbestimmt ein Leben für sich und die Familie zu gestalten, schnell in einer Umbildungsmassnahme oder auf dem Arbeitsamt wieder.
    Es bedurfte viel Glück aber auch ein Stück weit jener benannten Eigenschaften und einer Firma, die sich auch mit dem Fachwissen der Mitarbeiter dem Markt erfolgreich stellte, um von der häufig wenig sozialen Marktwirtschaft gleichfalls zu partizipieren.
    Unsere Familie hatte durchgängig dieses Glück.
    Jene, die nicht der Arbeit hinterherzogen und in ihrer Heimat blieben, durften all diese Erfahrungen machen, die ihr Leben mehr als deutlich prägten.
    Sie haben aber den unschätzbaren Vorteil, ob der Sozialisierung in zwei völlig verschiedenen Gesellschaftssystemen, sehr deutlich und sensibel (Fehl-)Entwicklungen differenzieren zu können, die in keinem noch so hochkarätigen Seminar gelehrt werden.
    So kann jeder, der 1989 die Mauer in Berlin und am Eisernen Vorhang wegfegte, seine mehr oder weniger erfolgreiche Lebensgeschichte erzählen.
    Angesichts der epochalen Herausforderungen, denen sich dieses Land- nicht ganz unverschuldet- zu stellen hat, fahren die Menschen in Mitteldeutschland gerade heute ihr keineswegs durch Einheitsfeiern verschüttetes Sensorium aus, um zu sagen, wir wissen wie es geht, wenn von den sogenannten politischen Eliten die Realität verdrängt oder negiert wird.
    Heißt, diese Demokratie versteht sich seit einigen Jahren nur noch als ausgesprochene Kompromisswirtschaft im Krisenmodus.
    Ich bin dennoch dankbar in einer Demokratie zu leben, schützt sie doch vor den Mängeln anderer Herrschaftsformen, aber leider nicht vor den eigenen.
    Deshalb ist es auch dringend geboten, dass man dieser Demokratie, die 1989 über die DDR und ihre Menschen gekommen ist, kritische Fragen stellen und Fehlentwicklungen benennen muss.
    Wenn das in Sachsen besonders ausgeprägt ist, nun, ihnen sagt man ja gern nach, dass sie sensibler, präziser und ingenieurmäßiger sind, wenn es um Fragen der Gerechtigkeit und um die Einhaltung von Regeln geht.
    Da mich auch der Uranerzbergbau in Sachsen geprägt hat, ist mir „ mente et melleo“ (Geist und Hammer oder „denke und schlage“) geläufig.
    In Abwandlung dessen wünsche ich mir von den Rechtsstaatverwaltern häufiger jenes- viel(!) denken und erst dann agieren!
    Sachsen und Bergbau gehören zusammen, begründen sich doch der Reichtum, die kulturelle Vielfalt(!) und die industrielle Entwicklung aus dieser Arbeit, eben „Alles kommt vom Bergwerk her“

    PS:
    Der Titel „Welterbe Montanregion“ würdigt (zurecht) das Erzgebirge, die Menschen und deren Verbundenheit zum Bergbau.
    Aber das verstehen nur jene, die den Begriff Heimat noch leben.

  • 3
    4
    klapa
    08.09.2020

    Deluxe, eine prägnantere Beschreibung des seinerzeitigen Einheitstaumels in der DDR ist kaum möglich.

    Nein, alles, was wir im angeordneten Parteilehrjahr von Marx über den Kapitalismus gelernt haben, kam mit einer Vehemenz über uns, wie wir es kaum für möglich gehalten haben.

    Auch hier bewahrheitet sich in bitterer Erkenntnis - die Praxis ist das Kriterium der Wahrheit.

  • 3
    4
    Nixnuzz
    08.09.2020

    Das gehört wohl auch in dieser Diskussion dazu: "Von der Gründung der DDR am 7. Oktober 1949 bis in den Juni 1990 verließen über 3,8 Millionen Menschen den Staat,.." Der größte Teil dürfte wohl in den alten Westländern gelandet sein, in denen allmählich sich auch eine Anti-Haltung entwickelte. Wie lange sollte denen eine ungelöste aber hoch diskutierbare Zusammenführung angediehen werden? Es lag doch kein abgeschlossener 5-Jahresplan zur - ja wie soll das jetzt genannt werden? - Vereinigung nach heutiger Sicht zur Umsetzung bereit? 4 Alliierte mit unterschiedlichen Ängsten und Vorstellungen plus 5 eigenwillige DDR-Landesteile? Andererseits scheint bei manchen Volks-Teilen heutzutage wieder Interesse daran zu bestehen, manches wieder zurückzudrehen - egal was insgesamt damit zusammenhängt oder erneut zu Ungerechtigkeiten führt.

  • 4
    2
    Freigeist14
    08.09.2020

    Deluxe @ ich bin eine der Stimmen , die wegen der warnenden Haltung angefeindet wurde . Genugtuung liegt mir jedoch fern . Ich habe eine bruchlose Erwerbsbiographie - meine Eltern gingen ab Frühjahr 1991 stempeln und kamen nie wieder in reguläre Beschäftigung . Der 3.Oktober ist der Tag des Beitritts . Nicht mehr und nicht weniger .

  • 3
    4
    klapa
    08.09.2020

    Konkretisiere, Deluxe, demokratische Legitimation insofern, als die letzte freie VK-Wahl nach den korrekten Regeln des bürgerlichen Wahlrechts ablief, ungeachtet der forcierten Zeithetze und anderer aus Bonn gelenkten Spielchen.

    Der Fairness halber sollte m. E. nicht verschwiegen werden, dass daran auch jene DDR-Bürger einen gehörigen Anteil hatten, denen das Anschlussverfahren nicht schnell genug ging.

  • 6
    3
    Deluxe
    08.09.2020

    @Interessierte:
    Das mag zwar stimmen, aber wollen wir doch mal ehrlich sein:
    Viele DDR-Bürger wollten ja regelrecht übers Ohr gehauen werden.

    Daß der Kapitalismus wirklich so funktioniert wie er im Staatsbürgerkundeunterricht dargestellt wurde, wollte doch keiner wahrhaben. Daß Karl-Eduard von Schnitzler in seinem "Schwarzen Kanal" im wahrsten Sinne des Wortes "ins Schwarze" getroffen hatte, wollte sich niemand eingestehen. Warnende Stimmen wurden ab November 1989 gnadenlos ausgepfiffen. Einer der Gründe, warum z.B. eine SPD bei der Wahl im März 1990 keinen Stich gesehen hat.

    Viele sahen das einzige Heil im Westgeld und im amtierenden westdeutschen Kanzler - das muß man bei der Betrachtung jener Jahre einfach sehen. Die Naivität der DDR-Bevölkerung war leider grenzenlos.

    Diejenigen, die noch im Oktober für eine reformierte DDR eingetreten waren, wurden nach der Maueröffnung im großen Einheitstaumel regelrecht nierdergeschrien. Die Struktur der Demonstrationen und auch die soziale Zusammensetzung der Demonstranten änderte sich sehr stark, nachdem die Mauer offen war.

    Von denen, die mit bundesdeutschen Flaggen in der Hand "Deutschland, einig Vaterland" riefen, waren im September und Oktober bei den Demonstrationen nur die allerwenigsten dabei. Viele trauten sich erst auf die Straße, als es nicht mehr gefährlich war.

    Übrigens...
    Der Slogan "Kommt die D-Mark bleiben wir, kommt sie nicht, geh'n wir zu ihr!" wird dem westdeutschen CDU-Wahlkampfbüro zugeschrieben. Es spricht vieles dafür, daß dieser Spruch nach der Maueröffnung aus Bonn in die DDR getragen und verbreitet wurde. An Zufall glaube ich da eher nicht...

  • 4
    5
    Interessierte
    08.09.2020

    "Wir wollten Demokratie und bekamen den Rechtsstaat!"

    Die haben uns , der hat uns übers Ohr gehauen , deshalb mußte alles so schnell gehen , damit man gar nicht nachdenken und abwägen konnte und seine eigenen Interessen durchsetzen konnte ... .......................................

  • 4
    3
    Deluxe
    08.09.2020

    Für eine "demokratische Legitimation" der damaligen Entscheidungen in der Volkskammer geht mir persönlich im Rückblick der Einfluß des Westens doch deutlich zu weit.

    Der vorgezogene Wahltermin:
    Einerseits Taktik der DDR-CDU unter de Maizière, um den Mitbewerbern den Wahlkampf zu erschweren, was voll aufgegangen ist. Aber es ist davon auszugehen, dass die dazugehörigen Ratgeber in Bonn saßen. Obendrein gab es auch noch die private Verbandelung der beiden Cousins Lothar und Thomas de Maizière und die daraus resultierende innerfamiliäre und innerparteiliche Beratung, die beide Seiten schon in vielen Interviews beschrieben haben.

    Andererseits hat die bundesdeutsche Seite jegliche wirtschaftliche Unterstützung von sog. "freien Wahlen" abhängig gemacht. Die Modrow-Regierung als Übergangslösung war aber nicht "frei" gewählt und erhielt aus Bonn keinen Pfennig. Auch das war kein Zufall.

    Die überstürzte Währungsunion:
    Politisch motiviert, insbesondere durch die CDU (West) unter Ausblendung sämtlicher warnender Stimmen als Wahlgeschenk an die DDR-Bürger gefordert und letztlich auch realisiert. An den Folgen krankt der Osten bis heute.

    Der Einigungstermin 3. Oktober:
    Helmut Kohl hatte, das ist nachlesbar, persönliches Interesse daran, den Termin vor dem 7. Oktober festzulegen, um einen 41. Jahrestag der DDR-Gründung auszuschließen. Damit rannte er im Westen offene Türen ein - und im Osten, zumindest im Dunstkreis der CDU genauso.

    Später begründete man das alles mit dem angeblich so kleinen Zeitfenster, in dem die UdSSR für die deutsche Einheit ihren Segen gab. Was ich für absoluten Unsinn halte, denn das Rußland Jelzins hätte die DDR auch 5 Jahre später noch für harte D-Mark "verkauft", genau wie die UdSSR Gorbatschows es 1990 getan hat.

  • 3
    1
    klapa
    07.09.2020

    Mein Zwischenkommentar ist offenbar verloren gegangen, acals.

    An der demokratischn Legitimation der Entscheidung der VK gibt es keine Zweifel. Trozdem darf man eine Meinnung dazu haben.

    Nochmal - der Beitritt datiert zum 03.Oktober 1990. Zu diesem Zeitpunkt gab es keine ostdeutschen BL. Sie wurden mit dem Beitritt erst geschaffen.

    Auch wenn die VK mit dem Ländereinführungsgesetz ihre Gründung bereits am 22.Juli 1990 beschloss. Per Gesetz sollte durch LT-Wahlen am 14.Oktober 1990 die Gründung der Länder erst manifestiert werden.

    So sind nun mal die Fakten.

  • 2
    2
    censor
    07.09.2020

    @Malleo - und Bärbel Bohley, die zu früh verstorbene Prophetin, hat auch noch anderes gesagt. Sie wusste schon 1991, dass das, was wir damals gerade abgschafft glaubten, wieder kommen wird. (bekanntes Zitat - kann man googeln)

    @klapa - War Sachsen legitimiert, der BRD beizutreten? Das ist eine interessante Frage. Damals ging es ja "drunter und drüber". Wen kümmerten da solche "juristischen Spitzfindigkeiten"?

    Ich weiß noch, dass über den Termin des Beitritts (nicht der Wiedervereinigung, denn mehr als ein Beitritt nach Art.23GG war es nicht) hin und her diskutiert wurde. Man wollte auf keinen Fall diesen Termin auf die Zeit nach dem 7.Oktober legen, weil die DDR dann noch ihren 41. "Geburtstag" hätte feiern können.

    Eine echte Wiedervereinigung gab es u a deshalb nicht, weil diese Zeit gebraucht hätte, denn dann wäre das GG außer Kraft getreten und man hätte eine gesamtdeutsche Verfassung aushandeln und vom gesamtdeutschen Volk verabschieden lassen müssen. Das dauerte vielen (aus den verschiedensten Gründen) damals einfach zu lange.

  • 3
    1
    Deluxe
    07.09.2020

    @acals:
    Jain...

    Der Wahlkampf 1990 war nicht wirklich ein Wahlkampf der DDR, sondern der BRD-Parteien, die mit all ihrer Finanz- und PR-Kraft dafür sorgten, dass nur ihre ostdeutschen Pendants eine Chance hatten. Während das bei der SPD noch sehr bescheiden ablief, hatte die Regierungspartei CDU (West) ihre DDR-Block-Entsprechung CDU (Ost) nebst der angeschlossenen Gruppierungen in der "Allianz für Deutschland" fest in der Hand - und damit deren Wahlkampf.

    Von einer "freien Wahl" spreche ich im Zusammenhang mit dem 18. März 1990 deshalb nicht. Diese Wahl war alles andere als frei - sie war beeinflußt wie kaum eine andere Wahl durch politische Kräfte aus dem "Ausland", denn die BRD war zu jenem Zeitpunkt quasi noch "Ausland" für die DDR, wenn auch kein "richtiges Ausland". Abgesehen von dem in einer Nacht- und Nebelaktion und u.a. auch auf Druck der BRD vorgezogenen Wahltermin, der den kleineren Mitbewerbern jegliche Möglichkeit eines fairen und auf Augenhöhe vorbereiteten Wahlkampfes nahm.

    DDR-Parteien, die Neugründungen aus der Bürgerbewegung usw. hatten dagegen keine Chance. Noch nichtmal die SED-PDS, die ja noch über ihren alten Apparat in Form von Kommunikationsmitteln, Immobilien und letztlich auch einen noch immer recht ansehnlichen Mitgliederstamm verfügte.
    Und ja, natürlich stimmt es: Große Teile des Volkes wollten nichts als die schnelle D-Mark und die schnelle Vereinigung unter Kanzler Kohl. Die Wahl wurde mit Geld der CDU (West) gewonnen - und mit der Naivität der DDR-Wähler.

    Die beste Symbolik für die damaligen Machtverhältnisse sind für mich die diversen Foto- und Filmaufnahmen, auf denen Helmut Kohl und Lothar de Maizière nebeneinanderstehen. Beide symbolisieren für mich emotional die beiden Staaten - und da ist klar, wer wen vereinnahmt.

    Was mich bis heute erschüttert:
    Daß die DDR-CDU im März 1990 einen derartigen Wahlerfolg hatte, nachdem und obwohl sie 40 Jahre lang als Blockflöte an der Seite der SED jede Entscheidung des Machtapparates mitgetragen, mitbeklatscht und in ihrer Tageszeitung "Die Union" seitenlange Lobgesänge auf die SED-Führung veröffentlicht hatte. Die Ost-CDU war die zweitstärkste politische Partei in der DDR und damit wichtigster Partner der SED. Offenbar verschwanden all diese bedenkenswerten Tatsachen Anfang 1990 im großen, mächtigen Schatten des Bundeskanzlers Helmut Kohl, der den Menschen wie ein "Messias" erschien und sich auch nicht zu schade dafür war, aktiv daraufhin zu wirken. Die Bilder vom Dezember 1989 in Dresden sprechen Bände - wie dort Bürgerinnen und Bürger der DDR den westdeutschen Kanzler anhimmeln war damals wie heute zum Fremdschämen. Und dort waren auch sehr viele Christen dabei, denen man soviel Personenkult eher weniger zutraut. Erschreckende Szenen. Das war die freiwillige Wieder-Abgabe der gerade erst auf den Straßen errungenen Mündigkeit.

    Von einer Vereinigung kann keinesfalls eine Rede sein - und von einer WIEDERvereinigung schon gar nicht.
    Die DDR trat dem Geltungsbereich des Grundgesetzes nach Artikel 23 bei. Aus heutiger Sicht ein großer Fehler. Ein Beitritt. Manche nennen es sogar Anschluß. Eine Vereinigung hätte nach Artikel 146 stattfinden und eine größere Diskussion in der Bevölkerung über eine neue, gesamtdeutsche Verfassung beinhalten müssen. Es hätte bei weitem nicht soviel soziales und mentales, schon gar nicht soviel ökonomisches Porzellan zerschlagen werden müssen, wenn man den 146er angewandt hätte statt des 23ers.

    Vertane Chancen - leider.

  • 1
    3
    acals
    07.09.2020

    am 14.10.1990?, und wann war beitritt zur BRD bzw. die entscheidende Wahl dazu?

    diese beispiele zeigen ernüchtern den realitätsverlust vieler

  • 4
    0
    Malleo
    07.09.2020

    klapa
    Bärbel Bohley:
    "Wir wollten Demokratie und bekamen den Rechtsstaat!"
    Das von Ihnen benannte Beispiel kann um viele ergänzt werden.

  • 3
    1
    klapa
    07.09.2020

    War Sachsen demokratisch legitimiert, dem GG beizutreten?

    Die Landtagswahl fand am 14.Oktober statt.

  • 5
    2
    acals
    07.09.2020

    "Die Ostdeutschen wurden auf Volkskammerbeschluss und dem nötigen Druck u. a. von Herrn Schäuble dem GG beigetreten."

    Das stimmt, @klappa, aber dieser Dominostein konnte nur fallen weil zuvor genau diese Frage zur Wahlabstimmung stand. Und diese Frage hatte die Mehrheit der DDR-Bevölkerung eindrucksvoll (ich könnte erdrutschartig schreiben) beantwortet.

    Es stand demokratisch offen doch lieber zB die SED zu wählen (die anders beschieden hätte), davon wurde jedoch Abstand genommen.

  • 2
    3
    klapa
    07.09.2020

    'Am 3. Oktober 1990 wurde nicht nur die DDR mit der BRD vereinigt.'

    Eine Vereinigung gibt es zwischen zwei gleichberechtigten Partnern, wie es der §146 GG vorgesehen hätte.

    Die Ostdeutschen wurden auf Volkskammerbeschluss und dem nötigen Druck u. a. von Herrn Schäuble dem GG beigetreten.

    Alles andere geht an der Realität vorbei!

    In Verbindung mit dem Beitritt gibt es eine ganze Menge Ungereimtheiten, die hier

    - https://de-de.facebook.com/notes/mario-willyge/bitte-genau-lesen-und-dann-verstehen-der-rechtsung%C3%BCltige-einigungsvertrag/645271335563064/

    und hier - https://antilobby.wordpress.com/ostdeutschland/wer-grundete-wirklich-ddr-und-brd/beitritt-der-ddr-rechtsunwirksam-einigungsvertrag-nichtig/

    nachzulesen sind.

  • 4
    2
    Hinterfragt
    07.09.2020

    "...Inweiweit es geschmacklos oder geschichtsvergessen ist, sie zu zeigen, mag jeder für sich selbst beurteilen. ..."
    Sehe ich auch so @Deluxe.

    Und so lange der Reichstag noch so genannt wird, ist eine Ächtung der Reichsflagge irgendwie grotesk ...

  • 1
    4
    Interessierte
    07.09.2020

    War der Freistaat Sachsen nicht erst einmal ´so richtig` untergegangen ?

  • 7
    0
    Deluxe
    07.09.2020

    Vorsicht...

    Die Reichskriegsflagge und die schwarz-weiß-rote Flagge des Kaiserreiches sind nicht das selbe.

    Die schwarz-weiß-rote Flagge des Norddeutschen Bundes und des Kaiserreiches 1871 bis 1918 wurde von 1933 bis 1935 nochmals zur Reichsflagge, bevor sie durch die unselige Hakenkreuzflagge ersetzt wurde, die ursprünglich nur die Parteiflagge der NSDAP war.

    Die Reichskriegsflagge mit schwarzem Kreuzbalken auf weißem Grund und dem preußischen Adler hingegen wurde in der heute noch oft gezeigten Form während der Nazizeit gar nicht genutzt, sondern nur bis 1921. Dann folgte eine neue Reichskriegsflagge in schwarz-weiß-rot mit dem eisernen Kreuz, die bis 1933 bzw. mit horizontal nach links verschobenem Kreuz bis 1935 galt.

    Danach folgten zwei gestalterische Neuentwicklungen in der Grundfarbe rot mit schwarzem Kreuzbalken und Hakenkreuz, die bis 1945 als Reichskriegsflagge in Gebrauch waren. Diese beiden Varianten sind heute verboten.

    Da die klassische Reichskriegsflagge mit der Nazidiktatur nichts zu tun hat, ist sie auch nicht verboten. Inweiweit es geschmacklos oder geschichtsvergessen ist, sie zu zeigen, mag jeder für sich selbst beurteilen. Aber sie fällt nicht unter ein Verbot.

  • 3
    4
    Kastenfrosch
    07.09.2020

    "Nein - die Schwarzweißrote Flagge steht nicht für "Hakenkreuz und Hitlergruß". Das ist die Kaiserflagge und wurde durch die Nazis bald nach der Machtergreifung durch deren rote Fahne mit dem Naziemblem ersetzt."

    Und war bis dahin eben doch die Flagge des so genannten Dritten Reiches. Das Quadratbärtchen war bereits 200 Jahre vor Hitler in Mode, und doch hat es sich von dessen paar Jahren Nutzungsdauer bis heute nicht erholt.
    Wenn man tatsächlich dem Kaiser huldigen wöllte, gäbe es sicher weniger missverständliche Mittel und Wege.

  • 13
    3
    censor
    06.09.2020

    Ein schöner Bericht, den ich über große Strecken teile.

    "Bereits gegen Ende des Mittelalters war Sachsen, soweit das unter den damaligen Bedingungen möglich war, (...) eines der fortgeschrittensten Länder Deutschlands."
    Eigentlich noch eher - Ende des 12. Jahrhundert erblühte in Sachsen der Silberbergbau, schuf die ökonomische Basis für die spätere Wirtschaftskraft und förderte gleichzeitig die Kreativität und den technischen Verstand der später führenden Maschinenbauer.

    Mir Sachsen sin helle, fleißig, sparsam und auch ein bisschen eigen, was die Heimatverbundenheit betrifft - was leider oft falsch gedeutet wird.

    Zu DDR-Zeiten wurde vieles von dem Geld, was in Berlin verteilt wurde, in Sachsen erwirtschaftet. Auch die Wende 1989 ging nicht von den Preußen aus - sondern begann in Plauen und Leipzsch.

    Ein Wermutstropfen im Bericht war der letzte Absatz. Auch unser Ministerpräsident braucht offenbar ein bisschen Nachhilfe in Flaggenkunde. Nein - die Schwarzweißrote Flagge steht nicht für "Hakenkreuz und Hitlergruß". Das ist die Kaiserflagge und wurde durch die Nazis bald nach der Machtergreifung durch deren rote Fahne mit dem Naziemblem ersetzt.

    Wäre sie eine Naziflagge, dann wäre sie zu Recht verboten. So aber dient sie (zugegebenermaßen ruckwärts gewandten) aber nicht verfassungswidrigen ewig Vorgestrigen zum Symbol. Anhänger des preußischen Kaiserhauses zu sein ist bei uns genauso wenig verboten wie in Österreich die Verehrung der Habsburger.