60-Kilometer-Stau an Grenze - Grenzschutz reagiert

Die Situation auf der A4 am Grenzübergang zu Polen spitzt sich zu. Bis zu 20 Stunden stehen die Menschen teilweise im Stau. Der ist mittlerweile auf eine Länge von 60 Kilometern angewachsen.

Görlitz/Pirna (dpa/sn) - Am Grenzübergang Ludwigsdorf bei Görlitz ist der Stau aufgrund der polnischen Grenzkontrollen weiter gewachsen. Lastwagen und Autos stauen sich nach Angaben der Polizei vom Mittwoch auf der Autobahn 4 bis hin zu den Abfahrten Uyst und Burkau auf einer Länge von rund 60 Kilometern. Die Polizei habe damit begonnen, alle Auffahrten auf die A4 ab Bautzen bis Görlitz zu sperren, hieß es. Um eine weitere Verbreitung des Coronavirus zu erschweren, hatte Polen am Wochenende an Grenzübergängen zu Deutschland wieder Kontrollen eingeführt.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) war in der Nacht mit rund 90 Helfern im Einsatz, um die Wartenden im Stau zu versorgen. «Es ist aus unserer Sicht eine humanitär bedenkliche Situation», sagte DRK-Sprecher Kai Kranich am Mittwoch. Teils stünden die Menschen bis zu 20 Stunden im Stau, darunter viele Familien. Weil viele Polen, die in Deutschland arbeiten, aufgrund der Situation in ihr Heimatland reisen, komme es nun zu einer enormen «Reisewelle». Es gebe keine Toiletten, keine Versorgung mit Essen, so Kranich. «Wir haben warme und kalte Getränke verteilt und Decken, weil die Nacht kalt war.» Über eine Nacht könne das DRK helfen, nicht aber auf Dauer. Es müsse rasch eine Lösung für das «Riesenproblem» gefunden werden, forderte Kranich. Es hätten auch bereits Kranke aus dem Stau herausgelotst werden müssen - unter anderem mit einem Herzinfarkt.

Seit Dienstagmittag ist auch das Technische Hilfswerk (THW) im Einsatz. Man habe Verkehrs- und Rettungswege frei gehalten sowie auf Anordnung der Polizei Autos aus dem Stau gezogen und an die Grenze begleitet, sagte ein Sprecher des THW am Mittwoch. «In Absprache mit den polnischen Behörden haben wir PKW mit Kindern an die Grenze gebracht, damit diese bevorzugt behandelt werden», sagte ein Sprecher der Polizei Görlitz. Anders als in Lastwagen gebe es in den Autos keine Schlafmöglichkeiten und oft keine Standheizung. Viele Autofahrer stünden schon seit 10 bis 15 Stunden im Stau, einige schon seit 18 Stunden, schätzt die Polizei Görlitz.

Der Grenzschutz in Polen reagierte auf die langen Staus und öffnete vier weitere Übergänge für den Autoverkehr. Sowohl Pkw- als auch Lastwagenfahrer könnten ab sofort die bislang nur für Fußgänger gedachten Grenzübergänge in Frankfurt/Oder-Slubice, in Kietz-Kostrzyn nad Odra und in Zgorzelec nutzen, teilte der Grenzschutz mit. Der Übergang in Guben/Gubin sei dagegen nur für Pkw möglich.

Entspannter ist die Lage an der tschechisch-sächsischen Grenze: Es gebe wegen der tschechischen Grenzkontrollen Rückstau auf der A17 vor dem Grenzübergang Breitenau, sagte ein Sprecher der Bundespolizei in Pirna. Doch dieser sei nicht vergleichbar mit dem Stau an der polnischen Grenze bei Görlitz. Staus wegen tschechischer Grenzkontrollen auf den Bundesstraßen 95 und 174 gebe es laut Polizei Chemnitz gar nicht. Dies liege daran, dass die Grenzübergänge dort komplett geschlossen seien.


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