750-mal schlugen Diebe letztes Jahr an Sachsens Kliniken zu

Wehrlose Opfer, offene Türen, wenig Überwachung. Diebe haben in Krankenhäusern leichtes Spiel, auch weil nur wenige einen eigenen Sicherheitsdienst haben.

Chemnitz.

Mehr als 270.000 Euro an Schaden sind im vergangenen Jahr an Krankenhäusern in Sachsen durch Diebstähle entstanden. Das gab das Landeskriminalamt Sachsen bekannt. Insgesamt 750 Fälle wurden an den Einrichtungen 2018 verzeichnet - im Schnitt also etwa zwei pro Tag. In den meisten Fällen waren die Diebe auf Brieftaschen und Geld aus. Auch Handys wurden häufig entwendet. Doch selbst vor wertvolleren Dingen machten die Täter nicht halt - so wurden auch 56 Fahrräder und sogar 17 Autos gestohlen. Kurios mutet dagegen ein Fall aus dem DRK-Krankenhaus Chemnitz-Rabenstein an. Laut dessen Pressesprecherin Sandra Schlömer wurde dort eine Klobrille von einer Toilette abgeschraubt und entwendet.

Fast die Hälfte der Fälle im Freistaat wurden laut LKA in Leipzig verzeichnet - insgesamt 336. Obwohl in Dresden genau wie in der Messestadt jährlich etwa 160.000 Patienten behandelt werden, gab es in der Landeshauptstadt mit 100 von der Polizei registrierten Diebstählen deutlich weniger. In Chemnitz waren es noch 55 bei etwa 97.000 Patienten. Damit sind die drei sächsischen Großstädte auch am stärksten betroffen. Im ländlichen Raum gibt es weit weniger Fälle. Im Erzgebirge etwa wurden 2018 20 Diebstähle registriert. Behandelt wurden dort etwa 83.000 Patienten.

Die meisten Krankenhäuser wie etwa das Klinikum Chemnitz oder das Helios Klinikum in Aue bieten den Patienten Schließfächer an, in denen wertvolles Gut verstaut werden kann. "Grundsätzlich sollten in das Krankenhaus nur unbedingt erforderliche Wertgegenstände mitgebracht werden", macht Sandra Schlömer vom Krankenhaus Chemnitz-Rabenstein deutlich. Auch das Personal wird vielerorts entsprechend sensibilisiert - es soll auf auffälliges Verhalten von Besuchern achten. Nur wenige Häuser, wie etwa die Zeisigwaldklinik Bethanien in Chemnitz, haben eigene Sicherheitskräfte eingesetzt. Das Landeskriminalamt Sachsen bietet den Krankenhäusern Sicherheitsberatungen an. Auch Schulungen für das Personal können auf Wunsch organisiert werden.

"Da das Klinikum ein offenes Haus ist, ist es schwierig, Diebstähle zu verhindern", sagt Arndt Hellmann, Sprecher des Klinikums Chemnitz. Wie ein umfangreiches Sicherheitskonzept für ein Krankenhaus aussehen kann, zeigt das Rudolf-Virchow-Klinikum in Glauchau. Etwa 14.000 Patienten werden dort jährlich behandelt. Laut Kliniksprecherin Tina Schultz werden die Eingangsbereiche per Videokamera überwacht. Zusätzlich gibt es in der Nacht sowie an Feiertagen und Wochenenden eine Sicherheitsstreife. Bereiche mit teuren medizinischen Geräten sind alarmgesichert, jeder Patient hat ein eigenes Schließfach.

Ein Konzept, das sich auszahlt. "Im vergangenen Jahr waren keine nennenswerten Diebstähle zu verzeichnen", sagt Schultz. Wie bei den meisten Kliniken wird aber auch in Glauchau keine Haftung für gestohlene Güter übernommen. Eine Ausnahme machen allerdings Wertgegenstände, die von den Patienten bei der Verwaltung des Krankenhauses in Verwahrung gegeben wurden.

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