Altbischöfe in Sorge um Einheit der Landeskirche

Dresden (dpa/sn) - In der Debatte um Landesbischof Carsten Rentzing sorgen sich die Amtsvorgänger Jochen Bohl und Volker Kreß um die Einheit der sächsischen Landeskirche. Dem angekündigtem Rücktritt des Bischofs sei Verwirrung gefolgt, «unterschiedliche Sichtweisen prallen aufeinander und darüber ist es so weit gekommen, dass die einen sich gegen die anderen stellen», schrieben die Altbischöfe im Ruhestand in einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung. «Es schmerzt uns, dass die Polarisierung der Gesellschaft auch in der Kirche angekommen ist.»

Bohl und Kreß mahnten im Streit um den richtigen Weg zu Besonnenheit, Verständnis füreinander und Nächstenliebe. «Wir rufen alle Mitglieder der Landeskirche auf, an der Einheit unserer Kirche festzuhalten, ohne den nötigen inhaltlichen Auseinandersetzungen auszuweichen.» Dabei müsse das Bemühen um Frieden und Versöhnung leitend sein.

Rentzing, seit 2015 Landesbischof, will sein Amt wegen der Diskussion um seine Person zum nächstmöglichen Zeitpunkt zur Verfügung stellen. Die Kirchenleitung berät am Montag über die Zukunft des 52-Jährigen, der wegen der Mitgliedschaft in einer schlagenden Verbindung in die Kritik geraten war. Danach waren zudem von ihm als Student zwischen 1989 und 1992 verfasste Texte in der rechten Zeitschrift «Fragmente» bekannt geworden.

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9Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    2
    Interessierte
    22.10.2019

    Wer anderen eine Grube gräbt ...

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    Jemand
    21.10.2019

    Distelblüte, ich denke nicht, dass die Hardliner den Diskurs "verschieben" - ich denke, genau da liegen die Gräben zwischen Hardlinern und Liberalen, die jetzt hier zu Tage kommen.

    Ja, gut für die Hardliner, dass es noch Oma Elsen's gibt, die gedankenlos unterschreiben, was ihnen so hingehalten wird...

  • 2
    2
    Distelblüte
    21.10.2019

    @Jemand: Ich weiß, dass dieser Streit von außen so wahrgenommen wird. Das liegt auch daran, dass extrem konservative christliche Hardliner den Diskurs bewusst in diese Richtung verschieben, weil sie genau wissen, dass man Rentzing nicht verteidigen kann, wenn es um seine Texte bei der rechtsnationalen Zeitschrift "Fragmente" geht, deren Redakteur er war. Hingegen ist es viel leichter, im konservativen Lager Stimmen für einen Mann zu gewinnen, der sich mit der Gleichberechtigung für Homosexuelle schwer tut und wie diese Gruppen an einem wörtlichen Bibelverständnis festhält.
    Zudem habe ich gestern vor und nach dem Gottesdienst feststellen müssen, wie jämmerlich uninformiert die absolute Mehrheit zumindest in unserer Ortsgemeinde ist. Und wenn der Gemeinschaftsleiter dann sagt: "Unterschreib mal hier, wir wollen unseren Bischof unterstützen, den die Linken aus dem Amt mobben wollen", dann macht das Oma Else, ohne weiter nachzufragen, weil sie dem Leiter vertraut. Entsprechend muss man auch die Aussagen der interviewten Kirchgänger gestern abend im Sachsenspiegel einordnen.

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    Distelblüte
    21.10.2019

    @Franz Udo: Grundfalsch.

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    Jemand
    21.10.2019

    Distelblüte: "Bei aller gegensätzlichen Beurteilung der aktuellen Vorgänge um Bischof Rentzing - es geht hier nicht um theologische Differenzen, auch wenn das von der Pro Rentzing Fraktion so dargestellt wird."

    Ich denke schon, dass es auch um theologische Differenzen geht, denn zwischen fundamentalistischem und aufgeklärt- liberalem Glauben liegen Welten. Und Christen machen (u. a.) ja aus ihrem Glauben heraus Politik.

    Distelblüte: "Was die Glaubensgrundlagen betrifft, so besteht Einigkeit."

    Zwischen den Glauben der Fundamentalisten und den der liberalen Christen liegen Welten (deshalb ja auch die ununterbrochenen Streitigkeiten bezüglich der Homosexualität und des Familien-/Frauenbildes).

    Distelblüte: "Er selbst hat im Gespräch mit der Kirchenleitung bereits gesagt, dass er sich für die bekannt gewordenen Texte schämt und nicht mehr die Positionen von damals einnimmt. Deshalb bot er seinen Rücktritt an."

    Es geht hier offensichtlich nicht nur um diese Texte, sondern auch um seine Ansichten allgemein (um das, was Sie in Ihrem vorigem Kommentar treffend als unter der Oberfläche schwelend und nun zu Tage tretend bezeichneten).

  • 4
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    franzudo2013
    21.10.2019

    Es gibt keine relevanten Fehler. Es geht einzig und allein um eine Hexenjagd auf den Bischof. Dem linken Kirchenmainstream eines Bedford-Strohm geht es gegen den Strich, dass in Sachsen noch nicht alle auf Linie gebracht sind. Da muss die Parteileitung mal durchgreifen. Es ist erschreckend, dass der Typ linker Pfarrer und SED - Parteisekretaer so aehnlich sind. Gemeinsam haben sie, dass es nur auf die linke Tour, mit Diffamierung und Denunziation, geht.

  • 4
    4
    Distelblüte
    21.10.2019

    @Jemand: Ich muss widersprechen. Einigkeit in allen (Glaubens)Dingen ist eher ein Zeichen für Erstarrung, mangelnde Lebendigkeit. Wer das anstrebt, nimmt sich jede Chance zur Weiterentwicklung.
    Bei aller gegensätzlichen Beurteilung der aktuellen Vorgänge um Bischof Rentzing - es geht hier nicht um theologische Differenzen, auch wenn das von der Pro Rentzing Fraktion so dargestellt wird.
    Was die Glaubensgrundlagen betrifft, so besteht Einigkeit.
    Es geht darum, dass sich Herr Rentzing klar und deutlich von den Fehlern seiner Vergangenheit distanziert. Er hat ein öffentliches Amt inne, deshalb die Forderung nach einem öffentlichen Statement.
    Er selbst hat im Gespräch mit der Kirchenleitung bereits gesagt, dass er sich für die bekannt gewordenen Texte schämt und nicht mehr die Positionen von damals einnimmt. Deshalb bot er seinen Rücktritt an.
    Ob dieser angenommen wird oder ob er im Amt bleibt, wird sich heute zeigen.
    Beide Möglichkeiten sind zu akzeptieren.

  • 3
    3
    Jemand
    21.10.2019

    Distelblüte, was Sie schreiben, ist richtig. Es ist der immer vorhandene Konflikt zwischen liberalen und konservativen Glauben, der hier nun zu Tage kommt. Und das ist gut so. Denn nun wird es lächerlich, immer noch so zu tun, als sei der christliche Glaube unentbehrlich für die Gesellschaft - wegen der viel gepriesenen "christlichen Werte". Nun kommt endlich raus, dass es DIE "christlichen Werte" gar nicht gibt, weil sich Christen diesbezüglich völlig uneinig und zerstritten sind.

  • 3
    7
    Distelblüte
    20.10.2019

    In der sächsischen Landeskirche brodelt es schon seit langem. Das, was jetzt zutage tritt, schwelt seit Jahren unter der Oberfläche. Jetzt ist gewissermaßen der Dampfkochtopf explodiert, und niemand kann sich mehr einreden, dass (oberflächlich gesehen) alles okay ist.



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